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Klumpenrisiken vermeiden
Wie sich eine Anlage in den MSCI World noch breiter diversifizieren lässt
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Klumpenrisiken vermeiden Wie sich eine Anlage in den MSCI World noch breiter diversifizieren lässt

Cafés in Mountain View im kalifornischen Silicon Valley
Cafés in Mountain View im kalifornischen Silicon Valley: Im MSCI World haben große US-Tech-Unternehmen ein deutliches Übergewicht. | Foto: Imago Images / Pond5 Images

Bereits seit vielen Jahren gewinnen Indexfonds zu Lasten aktiv verwalteter Fonds immer größere Marktanteile. Diese Entwicklung ist aus Investorensicht leicht nachzuvollziehen. Die passiven Instrumente stellen eine unkomplizierte, diversifizierte und vor allem kostengünstige Möglichkeit dar, einen Aktienmarkt in einem Portfolio abzubilden. „Alles bestens“, sollte man also meinen. Bei näherer Betrachtung gibt es aber vor allem bei den beliebten Indizes MSCI World und S&P 500 aus meiner Sicht einen Grund zur Sorge, den langfristig orientierte Anleger nicht außer Acht lassen sollten.

Das Hauptproblem beider Indizes liegt in der oberflächlichen Einschätzung, ein wirklich diversifiziertes Portfolio zu erwerben. Wieso sollte man auch anders denken? Im Falle des MSCI World erwirbt man 1.465 Unternehmen und 500 im Falle des S&P 500. Das Problem jedoch liegt in der sehr hohen Konzentration in der Spitze. Die Top-10-Unternehmen im MSCI World sind allesamt US-Unternehmen und machen rund 22 Prozent des gesamten Index aus. 

 

Dabei handelt es sich vor allem um die bekannten Stars der Digitalbranche wie zum Beispiel Apple und Microsoft. Diese Unternehmen sind zweifelsohne sehr erfolgreich. Aber beim Erwerb eines vermeintlich breit diversifizierten Index möchte ein Investor eigentlich keine dezidierte Wette darauf abgeben, welche Unternehmen, Branchen und im Falle des MSCI World auch welches Land (71 Prozent USA im MSCI World) die Gewinner von morgen sein werden.

Ein paar spannende Datenpunkte: Betrachtet man den Index beginnend bei den kleinsten Positionen, so benötigt man immerhin die 1.077 unteren Unternehmen, um ebenfalls ein Index-Gewicht von rund 22 Prozent zu erhalten und damit das Gewicht der Top 10-Werte auszugleichen. Würden die unteren 500 Unternehmen mit einem Gewicht von in Summe nur 4,4 Prozent hypothetisch eine Kursverdopplung erzielen, müssten die Top 10 Unternehmen nur um 20 Prozent fallen, um den Gewinn vollständig wieder zunichte zu machen.

Der einfach MSCI World bietet keine breite Streuung 

Mit dem MSCI World ist man aus meiner Sicht also weitaus weniger diversifiziert aufgestellt, als man das als Investor mit weltweitem Fokus eigentlich sein möchte.

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Was also tun? Idealerweise setzt man auf gleichgewichtete Indizes wie den S&P 500 Equal Weight. Auf diese Weise haben alle Konstituenten den gleichen Einfluss. So steckt wesentlich weniger (versteckte) Prognose in einem Portfolio, als das bei einem Index der Fall ist, der nach Marktkapitalisierung gewichtet ist.

Anfang des Jahres 2000 war im S&P 500 die Konzentration in den Top-Werten ähnlich hoch wie heute. Von diesem Punkt aus hat die gleichgewichtete Variante des Index eine signifikante Outperformance erwirtschaften können. Erst ab dem Jahr 2017 haben die erfolgreichen Schwergewichte den Standardindex so dominiert, dass er den S&P 500 Equal Weight outperformed hat. Vielleicht ist jetzt wieder der richtige Zeitpunkt, auf echte Diversifikation zu setzen. Wie sagt man so schön: Food for thought!

 

Conrad Lauterbach
© Allington Investors

Über den Autor:

Conrad Lauterbach ist Vorstand des Vermögensverwalters Allington Investors in Bad Homburg vor der Höhe.

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