Stephan Albrech (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Tipps vom Vermögensverwalter Wie Sie Ihr Vermögen effektiv vor Inflation schützen

Stephan Albrech, Albrech & Cie.
Stephan Albrech, Albrech & Cie.: Der Vermögensverwalter sieht bei Aktien bestimmter Branchen einen potenziellen Schutz gegen Inflation. | Foto: Albrech &Cie

Deutschland wird jetzt ein Volk von Aktionären. So will es uns die ETF-Branche Glauben machen: 2,5 Millionen Sparpläne zählte die Branche jüngst, der größte Teil des Geldes fließe in Aktien-ETF. Das ist ein schöner Anfang, doch mehr nicht. Denn den 60 Milliarden Euro, die Privatanleger in Indexfonds investieren, stehen weiter 2.000 Milliarden gegenüber, die zinslos auf Sparbüchern und als Tagesgeld herumlungern. Damit machen Aktien weiterhin nur einen Bruchteil der sogenannten Geldwerte aus.

Wie viele Sachwerte haben Sie im Portfolio?

Gegen eine höhere Inflation helfen indes in erster Linie Sachwerte. Dazu zählen Aktien, Immobilien, Rohstoffe und Gold. Hier sollte jeder prüfen, welchen Anteil im Depot die Sachwerte haben: Mit einer Quote von unter 30 Prozent haben selbst konservative Investoren zu wenig an Sachwerten im Depot, wenn es um Inflationsschutz geht. Alle anderen Investoren vertragen problemlos einen höheren Anteil an Sachwerten. Um es prägnant zu sagen: 270.000 Euro auf dem Konto und 30.000 in ETF sind nicht inflationstauglich. Das führt eher dazu, dass man sich in falscher Sicherheit wiegt.

Hat Ihr Aktiendepot einen soliden Kern?

Das Schöne ist: In fast alle Sachwerte kann man in Form von Aktien, ETF oder aktiv verwalteten Fonds investieren, wobei Fonds und ETF in sich eine breite Streuung aufweisen. Dabei sollte man nicht in den Fehler verfallen, den derzeit Tausende von Neu-Aktionären begehen. Sie setzen vor allem auf aktuelle Trends und kaufen Themen wie New Energy, Gaming und Blockchain, die morgen hoch und übermorgen deutlich tiefer stehen können. Das ist eher Spekulation als Investment.

Die Basis eines Aktiendepots sollte mit einem Anteil von 50 bis 80 Prozent stets der breite Weltmarkt sein, den man am besten intelligent strukturiert abbildet. Diesen großen Kern können Anleger über verschiedene Instrumente mit Regionen und Themen ergänzen, bei denen sie besondere Chancen sehen. Genau das ist auch die Methode, um das eigene Vermögen inflationsfest zu machen. Die potenzielle Geldentwertung ist, wenn man so will, die besondere Chance, die sich abzeichnet.

Wie ergänze ich mit dem Inflationsthema mein Aktiendepot?

Immobilien haben in den vergangenen 50 Jahren als einzige Anlageklasse meist eine Rendite oberhalb der Inflationsrate erzielt. Dies gilt zumindest für die Real Estate Investment Trusts (REIT), die auch weltweit investieren und die man börsentäglich handeln kann. Sie müssen also keine Immobilie erwerben und sich so ein Klumpenrisiko ins Depot legen. Mit den REIT geht das bequemer.

Konsumgüter beziehungsweise Nahrungsmittel sind Branchen, in denen Unternehmen bei starker Marktposition die höheren Kosten an die Kunden weitergeben können. Davon dürften Aktien dieser Firmen profitieren, sodass es sich auch für den Investor lohnen sollte. Auch Unternehmen, die die Landwirtschaft mit Maschinen und Rohstoffen beliefern, werden wohl auf der Gewinnerseite stehen.

Banken profitieren gegen Ende vom inflationären Trend, weil die Notenbanken darauf früher oder später mit höheren Zinsen reagieren müssen. Das nutzt der Finanzbranche, weil sie dank der dann höheren Zinsspanne zwischen Geldleihe und Geldverleih eine höhere Marge erzielen kann. In allen drei Segmenten empfiehlt sich aus unserer Perspektive ein qualitätsorientierter Ansatz.

Und was ist mit meinen Kontoguthaben?

Noch ein Wort zum Geld auf dem Konto. Wenn die Notenbanken zur Begrenzung der Inflation einschreiten, ist Cash der uneingeschränkte Gewinner von Zinserhöhungen. US-Anleger, die kurz nach 1980 mit ihrem Geldbestand frisch emittierte 30-jährige Staatsanleihen erwarben, bekamen bis 2010 von Uncle Sam jährlich bis zu 14 Prozent Zinsen – ohne Risiko. In Deutschland waren die Zahlen ähnlich. Cash ist also alles andere als Trash, wie es zurzeit heißt. Derzeit sollte man aber nicht mehr halten, als nötig. Überschüssige Liquidität ist im Goldanteil des Vermögens gut aufgehoben.

Über den Autor: Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung AG in Köln.

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