Henning Lindhoff (Redakteur)Lesedauer: 3 Minuten

Alternative zum IPO, Teil 1 Wie Spac-Sponsoren arbeiten und was Investoren beachten sollten

Hand zersticht Luftballon
Hand zersticht Luftballon: Sind Spacs mehr als nur eine Blase? | Foto: SVP

Der Börsengang (IPO) eines Unternehmens folgt seit Jahrzehnten einem bewährten Drehbuch: Das Unternehmen reicht einen Prospekt ein. Aus diesem erfahren Anleger die nötigen Informationen über das Geschäftsmodell und die Finanzlage. Das Unternehmen beauftragt eine oder mehrere Investmentbanken mit der Durchführung des IPO. Die Banken gehen anschließend auf Werbe-Tour: Einerseits sollen sie dabei das Unternehmen bei den Investoren vermarkten. Andererseits sollen sie den möglichen Preis der Aktie abklopfen.

Nun wird aber Kritik an diesem Prozedere laut. Insbesondere die Gebühren der Banken geraten in die Schusslinie. Das Dilemma: Die Hilfe der Banken erscheint unabdingbar. Ein Börsenstart ohne Unterstützung aus der Finanzbranche ist insbesondere für viele Unternehmen nicht zu stemmen.

In dieser Situation zieht eine Alternative die Blicke der Öffentlichkeit auf sich: Die sogenannten Spacs (Special Purpose Acquisition Companies) erfreuen sich seit gut drei Jahren wachsender Beliebtheit.

Was ist ein Spac?

Der Hype ist recht neu, aber die Gesellschaftsform selbst gibt es schon seit den Achtzigerjahren. Zum ersten Mal regulierte sie die US-Börsenaufsicht im Jahr 1990. Ziel war es, betrügerische Börsengänge sogenannter Penny Stocks, also von Aktien zu einem Kurs von weniger als 5 US-Dollar, zu unterbinden.

Die modernen Spacs unterscheiden sich in fünf Punkten von ihrer Frühform:

  1. Ein Spac darf nur den einzigen Zweck verfolgen, ein einzelnes Unternehmen beziehungsweise einen Geschäftsbereichs eines Unternehmens zu erwerben. Nach der Akquisition darf er seinen Zweck nicht ändern.
  2. Den Geschäftszweck, also die Akquisition, muss der Spac innerhalb von maximal 24 Monaten nach seiner Gründung vollenden. Schafft er dies nicht, erhalten seine Investoren ihr Geld zurück.
  3. Ist der Börsengang erfolgreich, muss der Spac die Erlöse, abzüglich der Emissionskosten, auf einem Treuhandkonto verwahren. Alternativ kann er das Geld in Anleihen anlegen.
  4. Die Spac-Investoren stimmen einer Akquisition zu oder lehnen sie ab. Ohne ihre Einwilligung darf keine Übernahme zustande kommen.
  5. Wenn sich die Spac-Investoren dafür entscheiden, ihre Aktien zurückzugeben, erhalten sie ihre ursprüngliche Investition, abzüglich Kosten und zuzüglich etwaiger Zinsen, zurück.

Im Marketing setzen Spacs vor allem auf den Zeitvorteil: Da sie zuerst Kapital an der Börse aufnehmen und dann erst interessante Unternehmen suchen und kaufen, arbeiten sie womöglich effizienter.

Doch Spac-Sponsoren sitzen am längeren Hebel

Ihre Befähigung: Sie haben das nötige Netzwerk, kennen sich in der Branche aus, haben das Zielunternehmen besonders intensiv ausgewertet – oder sie behaupten es zumindest. Vor allem aber besitzen sie eine erhebliche Menge der Spac-Anteile – meist sind es rund 20 Prozent –, obwohl sie wenig oder gar kein Kapital beitragen. Dies verwässert den Beteiligungswert der Investoren.

Und die Sponsoren haben noch einen weiteren Vorteil: Sie können sogenannte Pipes (Private Investment In Public Equity) gründen, die den Spac mit weiterem Kapital ausstatten. Dieses Kapital fließt dem Spac jedoch zu weitaus niedrigeren Kosten zu als das Kapital der Investoren. Die Rendite der Sponsoren ist letztlich ungleich höher.

Letzten Endes sind die Spac-Sponsoren die klaren Gewinner. Wenn eine Firmenübernahme gelingt, erhalten sie Unternehmensanteile, deren Wert ihren Kapitaleinsatz deutlich übersteigt. Für welche Leistung? Sie fanden ein Zielunternehmen und handelten den Preis aus. Im schlimmsten Fall, also wenn ein Vertrag nicht zustande kommt, geben sie das Geld an ihre Investoren zurück. Und sie kommen ungeschoren davon.

Über den Aufstieg der Spacs und seine Gründe berichte ich Ihnen im zweiten Teil dieser Artikel-Serie.

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