Suche
Lesedauer: 7 Minuten

Geldanlage Wie Sparer nachhaltige Fonds für die Vorsorge finden

Nachhaltigkeit ist das „new normal“ – auch bei der Geldanlage, bei der die Kriterien Environment, Social, Governance (deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) zählen. Das weltweite Vermögen in ESG-Fonds erreichte im dritten Quartal den Rekord von 3,9 Billionen US-Dollar, geht aus dem „Global Sustainable Fund Flows Report“ von Morningstar hervor. Fast zwei Drittel der deutschen VerbraucherInnen würden denn auch nachhaltig investieren, wenn sie wüssten wie, ermittelte das Marktforschungsinstitut Forsa unter 20- bis 59-jährigen.

Viele AnlegerInnen scheitern aber an den Möglichkeiten: Allein von den rund 10.000 Fonds in Deutschland gibt es – je nach Abgrenzung – mehr als 2.300 nachhaltige, Tendenz steigend. Die Frage, wie nachhaltig ein Produkt tatsächlich ist, ist damit natürlich noch nicht beantwortet. Die Rating-Agenturen wie Morningstar, ISS ESG oder MSCI als Leitlinie für AnlegerInnen, sind ein wichtige Unterstützung, welche Kriterien herangezogen und wie diese bewertet werden können – auch wenn die jeweils verwendeten Kriterien und Maßstäbe sehr unterschiedlich sind.

Sie reichen aber nicht aus. Ob eine gesetzliche Vereinheitlichung der ESG-Kriterien und deren Bewertung das Problem wirklich lösen kann, wird sich noch zeigen müssen. Die Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „ESG“ sind so weitreichend und vielschichtig, dass es vermutlich schwierig werden wird, ein allumfassendes, dauerhaft gültiges Regelwerk zu schaffen, das dem sich schnell weiterentwickelnden Themenfeld gerecht werden kann.

Fonds mit höchsten ESG-Standards

Das ist vermutlich einer der Gründe, warum die Regulierung nur schleppend vorankommt. Immerhin seit dem 10. März 2021 müssen Finanzinstitute laut der EU-Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor (Sustainable Finance Disclosure Regulation, SFDR) ausweisen, wie nachhaltig ihre Fonds sind: Artikel 6 umfasst Produkte ohne ESG-Kriterien. Nach heutigem Stand sind das die meisten Finanzprodukte am Markt. Artikel 8 benennt hellgrüne Fonds. Sie berücksichtigen soziale und ökologische Faktoren bei der Auswahl der Einzeltitel, in die der Fonds investiert. Dunkelgrüne Fonds aus Artikel 9 verfolgen ein striktes nachhaltiges Anlageziel. Hier werden Produkte mit höchsten Umwelt- und Sozialstandards aufgenommen.

Damit lassen sich Finanzprodukte zumindest in verschiedene ESG-Klassen einordnen. Nach einer Studie von Pricewaterhouse Coopers (PwC) zusammen mit Morningstar erfüllen jedoch erst 22 Prozent der Fonds in Europa die Vorgaben nach Artikel 8 oder 9. Fondsanbieter haben ein natürliches Interesse, möglichst viele Produkte als nachhaltig einzustufen. Doch die neue EU-Verordnung zielt mehr auf die Offenlegung als auf die Qualität, wie nachhaltig ein Fonds tatsächlich ist.

Nun soll die Taxonomie-Verordnung die Offenlegungsverordnung ergänzen. Viele Details sind aber immer noch unklar: Zwar werden sechs ökologische Ziele definiert, die Verordnung tritt aber zunächst nur für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel in Kraft. Die anderen Ziele sollen in einigen Jahren folgen. Selbst die Kriterien für die Einstufung von Fonds nach Artikel 8 oder 9 sind nicht final geklärt. Darüber hinaus sind die Kriterien für das „S“ und „G“ von ESG nicht vollständig. Fakt ist, dass AnlegerInnen auch weiterhin nicht umhinkommen, sich eine eigene Meinung zum Thema Nachhaltigkeit zu bilden: Was ist mir beim Thema Nachhaltigkeit wichtig und wie kann ich das bewerten?

Nachhaltiges Fondsportfolio

Bei der Ausgestaltung eines nachhaltigen Fondsportfolios spielen ohnehin viele Aspekte und Zielgrößen eine Rolle. Die sind nicht immer komplementär, sondern mitunter konfliktär. Wer global in allen wichtigen Märkten der Welt, also auch in Emerging Markets oder China investieren will, tut sich schwer, wirklich streng nachhaltige Produkte zu finden. Strenge Nachhaltigkeitsvorgaben engen darüber hinaus die Investitionsmöglichkeiten von aktiv gemanagten Fonds und Exchange traded Funds (ETFs) ein, was sich in der Performance gegenüber nicht nachhaltigen Produkten durchaus niederschlagen kann.

Wer breit diversifiziert und mit attraktiven Renditen anlegen will, kommt daher mit dem sogenannten Best-In-Class am ehesten durchs Ziel. Denn hier werden in jedem Anlagemarkt die unter Nachhaltigkeitskriterien jeweils besten Fonds herausgesucht. So gelingt es, ein breit diversifiziertes und renditestarkes Fondsportfolios zusammenzustellen, mit dem weltweit nachhaltiges Wirtschaften unterstützt wird.

Nach diesem Konzept arbeitet zum Beispiel der Robo Advisor My-si. Hier kommen ausschließlich ESG-geprüfte Fonds mit einem ISS ESG-Fondsrating von mindestens vier Sternen ins Portfolio. My-si will durch die Fokussierung auf nachhaltige Fonds zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise beitragen, aber auch auskömmliche Renditen bei angemessenem Risiko erzielen. 5-6 Prozent Rendite pro Jahr sind langfristig in der mittleren Risikoklasse realistisch.

Tipps der Redaktion
Foto: Die Kultur von Carmignac passt zum deutschen Sparer
Interview mit Maxime Carmignac„Die Kultur von Carmignac passt zum deutschen Sparer“
Foto: Wie Franklin Templeton 2022 seine Klima-ETFs nach vorne bringen will
Marcus Weyerer im GesprächWie Franklin Templeton 2022 seine Klima-ETFs nach vorne bringen will
Foto: Steuern sparen ja – aber nicht auf Kosten der Rendite
Wachtendorf-KolumneSteuern sparen ja – aber nicht auf Kosten der Rendite
Mehr zum Thema