Jonas Piela (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Digitalisierung der Assekuranz Wie Versicherer den digitalen Wandel erklären

Relikt Hängeregister
Relikt Hängeregister: Unternehmensberater Jonas Piela zeigt, wie auch etablierte Unternehmen der Versicherungswirtschaft den digitalen Wandel erfolgreich gestalten können. | Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Bei digitalen Transformationsprozessen – ob bei Versicherungen oder in anderen Branchen – wird häufig die Rolle der Menschen unterschätzt. Dabei stellen die eigenen Mitarbeiter bis heute das wichtigste Asset eines Versicherers dar. In den digitalen Wandel muss die Belegschaft eingebunden und emotional mitgenommen werden. Die Abteilungen für Human Ressource (HR) spielen hierbei eine zentrale Rolle.

→ Die Unternehmen bestehen zu 90 Prozent aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und nur wer es schafft die in der digitalen Transformation, im digitalen Wandel mitzunehmen, kann wirklich erfolgreich werden.

Human Ressource kann mehr als nur Workshops

Geht es darum unternehmensinterne Prozesse anzustoßen, fallen einem zuerst die Stichworte Workshops, Seminare oder Trainings ein. Was dabei außer Acht gelassen wird: Die Aufgabe des HR besteht in erster Linie darin, der Organisation den digitalen Wandel schmackhaft zu machen. Statt dem Gießkannenprinzip – die gleiche Ansprache an jeden Mitarbeiter zu richten – sollten vielmehr die Ängste, Wünsche und Bedürfnisse jedes Einzelnen angehört werden. Schließlich muss die Belegschaft die Transformation nicht nur formal umsetzen, sondern auch mit damit einhergehenden Veränderungen umgehen können.

Die drei Ws der Kommunikation: Was, wo, wer ?

Das Schlüsselwort zur Umsetzung dieses Vorhabens lautet wie immer Kommunikation. Jedoch stehen im Kontext dieses Themas insbesondere drei Aspekte im Mittelpunkt: Was kommunizieren wir? Über welche Kanäle? Und: An wen richtet sich dies?

Was wollen wir mit den Mitarbeitern teilen?

Mir hat einmal jemand Cleveres gesagt: Eine gute Führungskraft ist wie ein Drogendealer. Er dealt zwar nur mit Erfolg, doch kann dieser vergleichbar süchtig machen.

→ Erfolg macht süchtig, denn wer einmal Erfolg hatte möchte wieder Erfolg haben. Das heißt wie jeder gute Drogendealer gehen wir hin und verteilen etwas von unsere Droge, nämlich Erfolg.

Um ein Erfolgserlebnis für einen Mitarbeiter zu ermöglichen, müssen wir ein Ziel definieren. Eines, das mit moderater Anstrengung erreicht werden kann. Das kann eine Marketingkampagne sein, ein neues Feature, eine App oder Ähnliches.

Wird das Ziel erreicht, setzt das damit verbundene Erfolgserlebnis neue Energien für die Umsetzung der zukünftig anstehenden Transformationsprozesse frei. Sodass alle einmal gespürt haben, wie es ist, wenn man in der digitalen Transformation Erfolg hat.

Wo soll die Transformation kommuniziert werden?

Die Kommunikation im Unternehmen findet, wie sonst auch, über Videokonferenzen, vorab produzierte Videoserien, geteilte Artikel und Webseiten im Intranet und so weiter statt. Was es zu beachten gilt, ist, dass der Betriebsrat von vornherein mit eingebunden ist und Input liefern kann.

An wen richten wir uns im Unternehmen?

Die Technology Adoption Curve ist ein populäres Modell, welches die Form einer nach links verschobenen Normalverteilung hat und die Akzeptanz einer Innovation nach Gruppen kategorisiert. Ganz links stehen die Innovators, die lediglich 2,5 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausmachen. Das sind die Menschen, die sofort alles ausprobieren, manchmal sogar bevor es funktioniert.

Anschließend kommen die Early Adopters (13,5 Prozent), die ebenfalls zur mutigen Sorte gehören und sich bereits die Beta-Version eines Produkts beschaffen. Die Early Majority (34 Prozent) wartet ab, bis sich die erstgenannten Gruppen das Produkt besorgen und für gut befunden haben. Am Ende der Kurve stehen die Late Majority (34 Prozent) und die Laggards (16), die dem Trend wirklich erst dann folgen, wenn alle Anderen bereits an Bord sind.

Selbsterklärend, dass es für uns darum geht die links in dem Modell stehenden Gruppen von der Innovation zu überzeugen und so einen Sog-Effekt nach rechts zu erzeugen - den Wunsch dabei zu sein. Der Schwerpunkt liegt darin, die Brücke von den Early Adopters zur Early Majority zu schlagen. An dieser Stelle versagen die meisten Produkte. Es gilt gute Werbung für die Innovation zu machen und gegebenenfalls einen Hype auszulösen.

Mag sein, dass dies nicht in erster Linie durch den faktischen Nutzen für den Konsumenten erzeugt wird, sondern durch gelungene Kommunikation. So lässt sich die Early Majority begeistern, sodass auch die sonst träge anmutenden Late Majority und Laggards sich diesem Druck nicht entziehen können - spätestens, wenn sie realisieren, dass die Mehrheit bereits auf den Zug aufgesprungen ist.

Richtige Kommunikation Schlüssel zum Erfolg

Das ist der Weg, die Organisation in das digitale Zeitalter zu überführen. Die Einhaltung dieser Schritte halte ich für unabdingbar: Erfolge über alle verfügbaren Kommunikationswege an die angesprochenen Zielgruppen und in der vorab beschriebenen Reihenfolge innerhalb der Organisation zu verbreiten.

Das sind die notwendigen und zugleich hinreichenden Bedingungen zur erfolgreichen Gestaltungen des digitalen Wandels. Auf diese Weise haben etliche Start-Ups und Tech-Unternehmen bereits Agilitätsprozesse erfolgreich umgesetzt – und so funktioniert es auch bei der Transformation etablierter Unternehmen.


Über den Autor:

Jonas Piela

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Jonas Piela Digital Consultants. Gleichermaßen betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht.

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