Die einen sprechen von „Only-Office-Worker“, andere von einem tätigkeitsbasiertem Bürokonzept. Deutschlands Versicherer haben viele Arbeits- und Beschäftigungsmodelle im Angebot. Viele entstanden während der Corona-Pandemie, manche bereits davor, manche nach Beendigung von Schutzmaßnahmen und Homeoffice-Pflicht. Eine Umfrage von DAS INVESTMENT unter zehn großen deutschen Versicherern liefert nun ein aktuelles Bild über den Umgang der Branche mit ihren Mitarbeitern in Sachen Arbeitsgestaltung.

Die wichtigsten Trends lauten: Es gibt eine teilweise Rückkehr der Beschäftigten in Büro. Der Stellenwert von Homeoffice ist dennoch geblieben. Insoweit dominieren hybride Modelle. Dabei nehmen der Einfallsreichtum der Unternehmen und die Möglichkeiten der Flexibilisierung für die Mitarbeiter immer mehr zu. Außerdem: Für den Umgang mit Themen wie Arbeitszeiterfassung oder Arbeitsplatzsicherheit gibt es in den Konzernen Konzepte oder gar verbindliche betriebliche Vereinbarungen.

Stellenwert mobilen Arbeitens bleibt nach der Pandemie erhalten

Eine aktuelle Umfrage des Statistischen Bundesamt (Destatis) für das Jahr 2022 hatte gezeigt, dass die Versicherer im Branchenvergleich bei der Homeoffice-Nutzung ihrer Mitarbeiter mit an der Spitze stehen. Demnach arbeiten bei Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen mehr als zwei Drittel der Beschäftigten (70,4 Prozent) gelegentlich im Homeoffice. Auf höhere Werte kommt nur der Bereich IT-Dienstleistungen: Hier arbeiteten 76,0 Prozent der abhängig Beschäftigten zumindest gelegentlich von zu Hause aus. In der Verwaltung und Führung von Unternehmen sowie in der Unternehmensberatung nahmen 73,0 Prozent Homeoffice in Anspruch.

Offensichtlich hat sich die Arbeit in den eigenen vier Wänden etabliert. So waren 24,2 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland Jahr 2022 zumindest gelegentlich im Homeoffice. Damit war der Anteil nur geringfügig niedriger als im Jahr zuvor (24,9 Prozent), das noch deutlich von Corona-Schutzmaßnahmen wie der zeitweise geltenden Homeoffice-Pflicht geprägt war. Gegenüber dem Vor-Corona-Niveau hat sich der Anteil nahezu verdoppelt: 2019 hatten noch 12,8 Prozent der Erwerbstätigen im Homeoffice gearbeitet. Gegenüber dem Vorjahr deutlicher zurückgegangen ist der Anteil derer, die jeden Arbeitstag in den eigenen vier Wänden verbrachten: Traf dies 2021 noch auf 10,1 Prozent der berufstätigen Person zu, so galt es 2022 nur noch für 7,4 Prozent der Erwerbstätigen.

 

Versicherer: Bei Ausgestaltung viel Flexibilisierung

Doch zurück zur Assekuranz: Die Abfrage zeigt, dass in den Unternehmen zwischen 60 und 95 Prozent (Debeka) der Beschäftigten gelegentlich im Homeoffice arbeiten. Dabei nimmt die reine Zahl der Tage mit Mobilarbeit offensichtlich ab, während die Präsenz im Büro zunimmt. Durch die Bank sprechen die Versicherer hier von einem Prinzip aus Freiwilligkeit, Verantwortung und betrieblichen Notwendigkeiten, zum Beispiel durch Kundenanforderungen.

Oftmals sei es Sache einzelner Teams weitergehende individuelle Regeln zu treffen. Eine Sprecherin von Allianz Deutschland sagt zu einer Betriebsvereinbarung, die seit dem 1. Mai 2023 für rund 20.000 Mitarbeiter gilt: „Der neue Rahmen basiert auf vier gemeinsamen Präsenztagen pro Monat für das jeweilige Team. An diesen Teamtagen kommen alle Mitarbeiter eines Teams vor Ort in unsere Allianz Bürowelten und arbeiten auch räumlich zusammen. Über dies hinaus ergeben sich weitere Anlässe zur Präsenz, die von den jeweiligen Teams festgelegt werden.“ 

Betriebsvereinbarungen zur Mobilarbeit 

Viele Unternehmen wie Talanx und Axa haben Betriebsvereinbarungen zur Regelung der Mobilarbeit geschlossen. Wenn nicht bereits anderweitig geregelt, wurden dabei auch Themen wie Arbeitszeiterfassung, Arbeitsplatzsicherheit und Arbeitnehmerschutz berücksichtigt, wie die Unternehmen verlautbaren lassen. Handlungs- und Klärungsbedarf sehen die Versicherer hier offenbar nicht, betonen im Zusammenhang mit Cybergefahren die Investitionen in Prävention und Mitarbeiterschulung.

So arbeitet die Gothaer nach eigenen Angaben unter anderem mit wiederkehrenden Online-Trainings und Krisensimulationen. Die Hanse Merkur wiederum bietet Führungskräften und Mitarbeitern ein Seminarprogramm, welches um Inhalte zum Thema Homeoffice, wie „Telearbeit und mobiles Arbeiten“ oder „Arbeits- und Gesundheitsschutz“ erweitert wurde.

Wie häufig Homeoffice genutzt wird, hängt stark von der jeweiligen Branche ab. 

Über die Destatis-Erhebung

Die Daten zum Anteil der Erwerbstätigen in Deutschland, die 2022 von zu Hause aus arbeiteten, basieren auf den Erstergebnissen des Mikrozensus. Der Anteil umfasst jeweils die Erwerbstätigen, die angaben, zum Zeitpunkt der Befragung in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal oder häufiger von zu Hause aus gearbeitet zu haben. Beim Homeoffice-Anteil der abhängig Erwerbstätigen in Deutschland sowie bei der Betrachtung nach unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen flossen Auszubildende nicht mit ein.