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Chefvolkswirt Thorsten Polleit Wie viel Politik braucht der Markt?

Containerschiff im Hamburger Hafen
Containerschiff im Hamburger Hafen: In der Corona-Krise kamen Lieferketten ins Stottern. | Foto: Imago Images / Rupert Oberhäuser

Die Volkswirtschaften erholen sich nur mühsam aus der politisch diktierten Lockdown-Krise. Dass die internationalen Produktions- und Logistikketten erheblichen Schaden genommen haben, zeigen anhaltende Produktionsausfälle, Lieferverzögerungen, steigende Güterpreise und hier und da auch leere Supermarktregale. Nun könnte man die Hoffnung haben, dass die Störungen über kurz oder lang behoben werden, sich die weltweite Angebots- und Nachfragestruktur wieder normalisieren wird.

Doch leider wird diese Hoffnung stark getrübt durch den sich scheinbar unerbittlich vollziehenden wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Paradigmenwechsel: Vor unser aller Augen spielt sich die politisch-ideologisch herbeigeführte Abkehr vom System der freien Märkte (beziehungsweise die Abkehr von dem wenigen, was davon heute noch übrig ist) ab. Es soll einer Art Befehls- und Lenkungswirtschaftsmodell, eine Art Kommandowirtschaft, Platz machen, die nichts Gutes für Wohlstand und Frieden auf der Welt verspricht. 

Um die Folgen dieser Veränderung besser überblicken zu können, soll in diesem Aufsatz in einem ersten Schritt die Funktionsweise und Leistungsfähigkeit des freien Marktsystems erklärt werden. Daran anschließend wird aufgezeigt, wie und auf welchen Wegen der Interventionismus – der heute nahezu überall auf der Welt zum allseits akzeptierten Wirtschaftsmodell aufgestiegen ist – seit Jahrzehnten das freie Marktsystem unterwandert, aushebelt und zerstört.

Sodann sollen die ideologischen Hintergründe, die den neuesten Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Gesellschaft an- und vorantreiben, beleuchtet werden. In einem abschließenden Schritt werden Möglichkeiten aufgezeigt, der ideologisch angetriebenen Zerstörung des marktwirtschaftlichen Systems in der westlichen Welt wirksam entgegentreten zu können.  

Das Wunder des freien Marktsystems 

Was bedeutet eigentlich ein System freier Märkte, und was kann es leisten? In einem System freier Märkte steht es den Anbietern frei, in einen Markt ein- und auszutreten, und ebenso steht es Nachfragern frei, die Güter nachzufragen, die sie zu kaufen wünschen. Es herrscht Wettbewerb sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite. 

In einem freien Markt nutzen die Menschen die Vorteile der Arbeitsteilung. Mit ihr lässt sich die Ergiebigkeit der Arbeit erhöhen, sie erlaubt es, mehr und bessere Güter zu produzieren. Unternehmen formieren sich und machen sich daran, solche Güter und Dienste zu erzeugen und anzubieten, die die Kunden zu kaufen wünschen. Sind die Unternehmen dabei erfolgreich, werden sie mit Gewinn belohnt. Der Gewinn ermöglicht es ihnen, ihre Produktion im Sinne der Nachfrager auszuweiten. Erzielt der Unternehmer hingegen einen Verlust, so wandert sein Kapital sprichwörtlich in die Hände besserer Wirte, also zu Unternehmern, die die Kundenwünsche vergleichsweise besser erfüllen. Das Gewinn-und-Verlust-Prinzip sorgt folglich dafür, dass die Produktionsleistung an den Kundenerfordernissen ausgerichtet wird.

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