Die gesetzliche Rente allein reicht nicht mehr aus, um den Lebensstandard im Alter zu sichern: Das Rentenniveau ist von knapp 60 Prozent in den 1980er-Jahren auf aktuell 48 Prozent gesunken, so die Deutsche Rentenversicherung.

Sven Ebert, Analyst beim Flossbach von Storch (FvS) Research Institute, hat in seiner aktuellen Untersuchung ausgerechnet, wie viel Geld ein Durchschnittsverdiener bis zum Renteneintritt angespart haben müsste, um die Rentenlücke zu schließen. Sein Ergebnis: 250.000 Euro.

Die Riester-Rente, die diese Lücke schließen sollte, gilt inzwischen als gescheitert. Als Grund nennt Ebert vor allem die vorgeschriebene Beitragsgarantie. Diese zwang Sparer in sichere, aber renditearme Anlageformen, was sich besonders in der Niedrigzinsphase der 2010er-Jahre rächte. Hinzu kamen hohe Verwaltungskosten für die Zulagenverwaltung sowie die Pflicht, mindestens 70 Prozent des Kapitals zu verrenten. Das Ergebnis: Nur noch rund 10 Millionen aktive Verträge, wie das Bundesfinanzministerium (BMF) für 2025 ausweist – deutlich weniger als angestrebt.

Altersvorsorgedepot versus Riester: Die wichtigsten Unterschiede

Zum 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot (AVD) die Riester-Rente im Neugeschäft ab. Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz und laufen unter den bisherigen Regeln weiter.

Anzeige
Robert Almeida, globaler Investmentstratege bei MFS Investment Management
Tech-Welle mit Enttäuschungspotenzial
Wertschöpfung und Wertabschöpfung: Wer verdient an KI?
KI verändert Wirtschaft und Gesellschaft. Robert Almeida, globaler Investmentstratege bei MFS Investment Management, fragt: Können Anleger vom Wandel dauerhaft profitieren?
Jetzt lesen

Die zentralen Neuerungen gegenüber Riester:

  • Beitragsgarantie nur noch optional. Im Standardprodukt hängt die Wertentwicklung direkt von der Fondsrendite ab. Garantieprodukte mit 80- oder 100-prozentiger Beitragssicherung bleiben wählbar, schränken aber die mögliche Aktienquote deutlich ein.
  • Kostendeckel für das Standarddepot. Die Effektivkosten dürfen 1 Prozent nicht übersteigen; das Standarddepot muss online abschließbar sein.
  • Mehr Auszahlungsflexibilität. Zu Rentenbeginn können bis zu 30 Prozent des Ersparten als Einmalbetrag entnommen werden. Der Rest fließt entweder in eine lebenslange Rente oder – neu gegenüber Riester – in einen Auszahlplan mit monatlichen Tranchen mindestens bis zum 85. Lebensjahr.
  • Höhere Förderung, einkommensunabhängig. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag gibt es 50 Cent Zulage pro Euro, auf die nächsten 1.440 Euro noch 25 Cent. 1.800 Euro Einzahlung werden so zu einem Guthaben von 2.340 Euro. Hinzu kommen Kinderzulagen sowie ein einmaliger Bonus von 200 Euro für unter 25-Jährige.

Fallbeispiele: Was das AVD für unterschiedliche Sparer bringt

Auf Basis von 1.001 simulierten Kapitalmarktpfaden (8 Prozent erwartete Aktienrendite, 3 Prozent Anleiherendite p. a., 1 Prozent Kosten, 2 Prozent Inflation) rechnet die FvS-Studie drei Musterbiografien durch – jeweils bei einer jährlichen Einzahlung von 2.340 Euro (1.800 Euro Eigenbeitrag plus 540 Euro Grundzulage).

20-jähriger Berufseinsteiger (50 Jahre Ansparphase, 70 Prozent Aktienquote):

Bei einer eingezahlten Summe von 117.000 Euro liegt das Endkapital im Median bei rund 550.000 Euro, real – also nach Abzug von 2 Prozent Inflation – entspricht das rund 200.000 Euro heutiger Kaufkraft. Selbst im ungünstigen 5-Prozent-Perzentil-Szenario stehen noch knapp 270.000 Euro zur Verfügung. Die eingangs skizzierte Rentenlücke von 250.000 Euro ist damit fast geschlossen. Besonders deutlich zeigt sich der Zinseszinseffekt: Wer nur 25 Jahre lang einzahlt und mit 45 aufhört, kommt im Median auf über 400.000 Euro. Wer erst mit 45 zu sparen beginnt und ebenfalls 25 Jahre einzahlt, erreicht bei gleicher Einzahlsumme nur gut 120.000 Euro – nicht einmal ein Drittel.

FvS