Nachhaltige Investitionen Wie Wunsch und Wirklichkeit auseinanderklaffen

Vor ziemlich genau fünf Jahren, am 12. Dezember 2015, wurde im Rahmen einer Klimakonferenz der Vereinten Nationen das Pariser Klimaabkommen verabschiedet. Bis heute haben es 176 Staaten unterzeichnet. Die USA sind unter Präsident Donald Trump zwischenzeitlich ausgeschieden, planen mit Joe Biden an der Spitze aber den Wiedereintritt.

Die Staaten reagierten mit dem Abkommen auf ein Problem mit potenziell schwerwiegenden Folgen für alle natürlichen Ökosysteme: Wenn alle Staaten weltweit so weiterwirtschafteten wie bisher, würde sich die globale Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um 3,6 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter erhöhen. Das haben mehrere Forschungseinrichtungen in einem Gemeinschaftsprojekt namens Climate Action Tracker errechnet. Das Pariser Klimaabkommen schrieb als Ziel fest, diesen Wert auf deutlich unter 2 Grad Celsius, idealerweise auf 1,5 Grad, zu begrenzen.

Bis heute haben sich 127 der Unterzeichner-Länder dazu verpflichtet, langfristig komplett Kohlendioxid-neutral zu wirtschaften, darunter die Europäische Union, Südafrika, Japan, Südkorea und Kanada. 

Quelle: DWS Investment UK Ltd. Analyse basierend auf GFMA/BCG; Stand: 12/2020, Konsumentenpreise: Stand 11/2019

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So weit die guten Absichten. Die andere Seite der Medaille ist, dass Klimaziele auch Geld kosten. Und das nicht zu knapp. Um das Pariser Klimaziel „weniger als 1,5 Grad Erwärmung in diesem Jahrhundert“ zu finanzieren, seien 4 Billionen US-Dollar nötig, rechnet der Deutsche-Bank-Ableger DWS vor. Demgegenüber sind die Mittel, die Entwicklungsbanken, Finanzinstitutionen, Regierungen und Länderhaushalte zu diesem Zweck investiert haben, recht schmal. Gerade einmal 579 Milliarden US-Dollar sind bislang für Klimabelange ausgegeben worden, speziell von Unternehmen kamen 183 Milliarden Dollar. Die Zahlen stammen von der Analyseorganisation CPI.

Gemessen an den Gesamtinvestitionen der Unternehmen ist das ein Klacks. Denn die rund 900 größten Unternehmen weltweit investierten, alle Ausgaben zusammengenommen, gerade einmal rund 900 Milliarden Dollar – die Hälfte der Summe, die allein für Klimabelange notwendig wäre. Betrachtet man darüber hinaus die investierenden Unternehmen aus der Nähe, so fällt auf: Ein erheblicher Teil der Ausgaben stammt von solchen Firmen, die keineswegs klimafreundlich arbeiten – im Gegenteil.

Die DWS-Analysten haben berechnet, dass von den 900 Milliarden investierten US-Dollar allein 650 Milliarden auf jene 153 Unternehmen mit den höchsten Klimarisiken entfielen. „Diese Investitionen haben eine wirtschaftliche Lebensdauer von etwa 22 Jahren", rechnet man bei der DWS. Sie gefährdeten nicht nur das Klima, sondern seien auch mit hohem Risiko behaftet. Schlimmstenfalls könnte das Geld gänzlich umsonst investiert worden sein: Eine tendenziell klimareundliche Regulierung könnte dafür sorgen, dass entsprechende Investitionen aus den Bilanzen einfach abzuschreiben sind.

Die DWS-Analyse legt nahe, dass mithin nur ein Bruchteil der Gesamtausgaben von Unternehmen auch dem Klima zugute kommen. Investoren seien gefordert, das zu ändern – indem sie Geldströme sinnvoll umlenkten und damit auf die Unternehmen einwirkten. Betrachtet man das große Bild, so liegt die Summe von 4 Billionen US-Dollar, die zur Erfüllung des Pariser Klimaabkommens nötig wären, insgesamt in noch schier unerreichbarer Ferne.

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