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Vermögensverwalter analysiert Wieso viele Corona-Gewinner wieder auf dem absteigenden Ast sind

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Jetzt gilt es, die langfristigen Gewinner zu identifizieren und eine Liste mit Kauflimits zu erstellen. Hierfür sollten sich Anleger die Geschäftsmodelle im Detail anschauen und prüfen, inwieweit auf lange Sicht nachhaltig gute Profite wahrscheinlich sind. Die Cash-Burn-Rate, sprich wie negativ ist der Cash-Flow, dürfte wieder mehr in den Vordergrund rücken. Im Jahr 2000 endete die Hausse der TMT-Werte, als die Investoren nicht mehr bereit waren, neue Barmittel für windige Wachstumsversprechen bereitzustellen.

Unternehmen, die bereits heute profitabel arbeiten – gemeint ist der Jahresüberschuss, nicht ein leicht grünes adjustiertes EBITDA – zählen zu den interessanten Aktien. Insbesondere, wenn sie nicht nur einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht haben, sondern auch gut über hohe Eintrittsbarrieren geschützt sind. Zum Beispiel ist Zoom mittlerweile in aller Munde, doch Video-Calls werden auch von einer großen Anzahl anderer Wettbewerber wie Microsoft angeboten. Es handelt sich um Massenprodukte ohne Pricing-Power, weil Alleinstellungsmerkmale fehlen.

Auf Profitabilität achten

Außerdem sollten Unternehmen, die gemäß der Analysten-Prognosen noch in fünf Jahren defizitär arbeiten, besser gemieden werden. Hierzu zählen sicherlich so manches neue Elektroauto-Start-Up und die meisten Lieferservices, die derzeit aus dem Boden schießen und die zum Teil auf gigantische Bewertungen kommen.

Rivian, das gerade seine ersten Elektro-Pick-ups in den USA ausliefert, kostet derzeit zum Beispiel an der Börse rund 85 Milliarden Dollar. Damit ist das Start-up mehr wert als General Motors, der größte Autoproduzent der USA. Ob die Pick-ups von Rivian wirklich so einzigartig sind, wird sich im kommenden Jahr zeigen, wenn Tesla mit dem Cybertruck und Ford mit dem batterieelektrischen F-150 Lightning mit Konkurrenzmodellen auf den Markt kommen.

Aussichtsreicher sind etablierte Online-Händler, an denen die Markenhersteller nicht mehr vorbeikommen und deshalb mit ihnen kooperieren. Die neue Corona-Welle dürfte den Trend stützen. Es ist also wieder mehr Rationalität und weniger Emotion in der Geldanlage gefragt. Insbesondere, wenn sich in den nächsten Monaten die Marktschwankungen auf ein höheres Niveau zubewegen werden, rücken solidere Unternehmen voraussichtlich wieder stärker in den Fokus der Anleger.

Gründe für zunehmende Volatilität gibt es genügend: Corona, der Russland-Ukraine-Konflikt, eine kriselnde chinesische Immobilienwirtschaft, Lieferkettenprobleme und steigende Energiepreise. Rücksetzer bleiben weiterhin Kaufgelegenheiten, solange es an rentierlichen Alternativen fehlt.


Über den Autor:
Marco Herrmann ist seit 1992 für unterschiedliche Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der Vermögensverwaltung Fiduka Depotverwaltung.