Wilde Krone

Devisenhändler stecken in Norwegen mit Kurs-Schleudertrauma fest

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Bei der norwegischen Krone zogen im Laufe der letzten vier Wochen die erwarteten Kursschwankungen so stark an wie bei keiner anderen großen Währung und sie übertrafen sogar die Devisen aus Schwellenländern wie die türkische Lira und den brasilianischen Real. Nach enttäuschenden Konjunkturdaten in den vergangenen Wochen hatten es die Anleger mit dem Ausstieg eilig, was die Krone am 5. Juni zum Euro auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Monaten abrutschen ließ.

Das Problem ist, dass nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich die Krone die am wenigsten liquide G-10-Währung ist, was die Kursbewegungen tendenziell verstärkt. So kletterte die Krone am Mittwoch zeitweise so stark wie seit Mitte April nicht mehr und wertete auch gegenüber den meisten anderen Rivalen auf, nachdem die Inflationsrate die Schätzungen der Ökonomen übertroffen hatten.

„Die Liquidität ist wirklich schlecht, und das ist der Grund, warum wir solch starken Kursausschläge sehen“, erklärt Richard Falkenhall, leitender Währungsstratege in Stockholm bei SEB AB, Skandinaviens größtem Devisenhändler. „Der Markt wird jedes Mal eingleisig, wenn etwas Unerwartetes in der norwegischen Wirtschaft passiert. Dasselbe Problem gibt es bei Schwellenmarkt-Währungen.“

Den Großteil der letzten zwölf Monate hatte die Währung des größten Ölförderlandes in Westeuropa unter Druck gestanden, während der Rohölpreis die Hälfte seines Wertes einbüßte. Ende vergangene Woche fiel die Krone auf bis zu 8,8692 je Euro, was dem niedrigsten Wechselkurs seit dem 19. März entsprach, nachdem die Aktivität im verarbeitenden Gewerbe und der Industrie des Landes stärker gesunken war als erwartet.

Am Mittwoch zog die Krone zwischenzeitlich um fast ein Prozent auf 8,6929 je Euro an. Auslöser waren die Preisdaten: Die zugrundeliegende Verbraucherpreisinflation war im Mai um 0,5 Prozent gestiegen, während von Bloomberg News befragte Ökonomen nur mit einem Zuwachs um 0,3 Prozent gerechnet hatten.

„Nach Wochen als eine der stillsten Währungen in der G-10 haben eine Reihe schwacher Zahlen dafür gesorgt, dass die Erwartungen einer weiteren Akkommodierung durch Norges Bank scharf zugenommen haben“, erklärte Geoffrey Yu, leitender Devisenstratege bei UBS Group in London, am 8. Juni in einem Bericht. Auch wenn der Handel in der norwegischen Landeswährung vergangene Woche auf 123 Prozent des jährlichen Durchschnittswerts anzogen hatte, entsprach das Yu zufolge doch nur einem Bruchteil der Volumen im Euro. Die Shorts - also Wetten auf eine Krone-Abschwächung - nahmen vergangene Woche auf 30 Prozent des Nettohandels zu - inmitten einer „scharfen“ Liquidation, schrieb er.

Die implizite Einmonatsvolatilität stieg beim Euro-Krone-Kurs am Dienstag auf 11,8 und erreichte das höchste Niveau seit dem 19. März. Am 8. Mai hatte sich der Wert nur auf 8,9 belaufen. Es war der stärkste Anstieg unter allen 25 großen Währungspaaren, die von Bloomberg in den letzten vier Wochen beobachtet wurden.

Als Norwegens Währungshüter am 19. März überraschend von einer Zinssenkung absahen, schoss die Krone um 2,8 Prozent gegenüber dem Euro hoch - so stark wie seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise im Oktober 2008 nicht mehr. Die Volatilität war damals so hoch wie seit mehr als drei Wochen nicht mehr.

„Man sieht das bei jedem wichtigen Zentralbanktreffen, das die Markterwartungen überrascht“, sagt John Hardy, Leiter Devisenstrategie bei Saxo Bank in Hellerup, Dänemark. „Es kann bei dieser Art von Schock ziemlich beträchtliche Bewegungen geben.“

Hardy bleibt der norwegischen Devise gegenüber skeptisch und sagt bis zum Jahresende eine Abwertung um etwa sechs Prozent auf 9,25 je Euro voraus. Die Krone hat in den letzten vier Wochen bereits fast vier Prozent gegenüber Europas Gemeinschaftswährung verloren. Es war die schlechteste Entwicklung in der G-10 nach dem neuseeländischen Dollar.

Volatilität sei „ein beträchtliches Risiko“, da es sich „um eine der am wenigsten liquiden Währungen“ in den Industriestaaten handele, sagt er. „Das ist für jeden ein Problem, der mit der norwegischen Krone handelt.“

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