„Wir bauen die Schwellenländer-Expertise aus“

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DAS INVESTMENT.com: Herr Morath, am Montag crashten weltweit die Aktienbörsen, und Sie wurden Geschäftsführer von Baring Asset Management in Deutschland. Was macht man an so einem Tag als Erstes?

Oliver Morath: Ich habe das Team zusammengerufen, um mich vorzustellen. Es kamen mehr Mitarbeiter, als ich erwartet hatte: Selbst Kolleginnen aus dem Mutterschutz schauten herein.

DAS INVESTMENT.com: Also ein erfreulicher Start. Was können wir von Ihnen und Barings in diesem Jahr erwarten?

Morath: Durch die Abgeltungssteuer, die im kommenden Jahr eingeführt wird, wird die Nachfrage nach Dachfonds weiter stark wachsen. Deren Kursgewinne sind von der Abgeltungssteuer nicht betroffen, wenn sie noch im Jahr 2008 gekauft werden. Hinzu kommt, dass bei Änderungen im Zielfonds-Portfolio für den Anleger auch nach dem 1. Januar 2009 keine Steuer anfällt. Wir wollen unsere Produkte verstärkt als Zielfonds für bestehende Dachfonds interessant machen und damit sozusagen als Produktlieferant auftreten…

DAS INVESTMENT.com: ...und vielleicht auch einen eigenen Dachfonds herausbringen?

Morath: Nein, in Deutschland nicht.

DAS INVESTMENT.com: Stattdessen...

Morath: ...wird es neue Aktienfonds geben, mit denen wir unsere Rolle als Schwellenländerspezialist ausbauen wollen. Wir planen einen weiteren China-Fonds, nur diesmal mit mittelgroßen und kleinen Werten. Und einen weiteren Asienfonds mit einem Next-11-Ansatz, der in Schwellenländer investieren wird, die wirtschaftlich noch nicht ganz so stark entwickelt sind wie die Bric-Länder Brasilien, Russland, Indien und China. Ein dritter Fonds von uns setzt auf europäische Dividendenwerte und schließt dabei erstmalig Osteuropa mit ein.

DAS INVESTMENT.com: Ist das für Anleger attraktiv?

Morath: Ja, vor allem in Russland werden bereits recht hohe Dividenden gezahlt. Die Russen haben inzwischen eine starke Banken-Szene, die per Gesetz nicht in Subprime-Anlagen investieren durfte. Sie sind damit von der US-Finanzkrise nicht betroffen. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass russische Banken demnächst vielleicht einige internationale Häuser übernehmen.

DAS INVESTMENT.com: Apropos Finanzkrise - wie stark hat Sie eigentlich persönlich der Kursrutsch am Montag erwischt?

Morath: Eher durchschnittlich, da mein eigenes Portfolio global mit leichtem Überhang bei Schwellenländern strukturiert ist. Ich bin aber Optimist. Aktuell 20 Prozent Cash habe ich nur, weil ich noch nicht zum Investieren gekommen bin.

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