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Eisenerzmine in Russland Foto: imago images / ITAR-TASS
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Bergbau und Energiewende

„Wir gewährleisten, dass grüne Technologien wirklich grün sind“

Sandra Crowl, Carmignac

Frau Crowl, warum sind Bergbaukonzerne für die Energiewende wichtig, obwohl sie häufig für ihre als umweltschädlich geltenden Verfahren kritisiert werden?

Sandra Crowl: Die Bevölkerung muss verstehen, dass wir ohne Bergbaukonzerne nicht in der Lage sein werden, die Umweltziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Wir brauchen ihre Produktion für eine erfolgreiche Energiewende, da sie in den Technologien eingesetzt werden, die für die erneuerbare Energieerzeugung und die grüne Mobilität benötigt werden. Kupfer, Nickel, Kobalt, Silber, Aluminium, Lithium und Neodym kommen in Batterien für Elektroautos und E-Bikes, Photovoltaikzellen und Windkraftanlagen zum Einsatz. Die Nachfrage nach diesen Metallen steigt in den kommenden Jahren voraussichtlich stark an. Bis 2030 wird sie zwei- bis sechsmal so hoch sein wie heute. Bis 2050 sogar noch höher.

Aber es gibt doch Unterschiede bei den Minenkonzernen im Hinblick auf ihre ESG-Ansätze. Was müssen Anleger wissen?

Crowl: Langfristige Investoren sollten sich gut positionieren und in Unternehmen investieren, die auf die Energiewende hinarbeiten. Dazu zählen allerdings nicht nur Firmen, die bereits einwandfreie grüne Referenzen vorweisen können. Sie können nicht automatisch Unternehmen ausschließen, nur weil sie höhere CO2-Emissionen haben oder in der Vergangenheit in Kontroversen verwickelt waren. Das wäre unverantwortlich. Gerade diese Unternehmen sind am meisten auf Unterstützung und Hilfe angewiesen. Der Bergbausektor führt bereits erhebliche Innovationen durch, um die Lebensdauer von Produkten zu verlängern, indem er zum Beispiel Recyclingtechniken und die Wiederverwendung seltener Mineralien entwickelt. Trotzdem müssen wir diese Unternehmen weiterhin unterstützen und die Ressourcen genau überwachen.

Welche Rolle spielen Vermögensverwalter für die Umwelt?

Crowl: Es liegt in der Verantwortung der Investoren, die Industrien zu verstehen und zu unterstützen, um grüne Technologien voranzutreiben. Indem wir uns mit Bergbauunternehmen über diese Themen austauschen, können wir ihnen helfen, sich dieser Probleme bewusst zu werden und auf die ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu reagieren.

Als Investor kann man keine oberflächliche Sichtweise akzeptieren, wenn man ökologische und gesellschaftliche Themen verstehen will. Sie müssen eine ganzheitlichere Sichtweise einnehmen. Auf dieses Weise können wir die positiven und negativen Auswirkungen auf die Umwelt besser einschätzen und so gewährleisten, dass grüne Technologien auch wirklich grün sind. Dies ist besonders wichtig für Vermögensverwaltungsgesellschaften wie Carmignac, die sich bemühen, für ihre Kunden eine starke Rendite zu erwirtschaften, aber auch in die Zukunft des Planeten und künftiger Generationen zu investieren.

Wie setzt sich Carmignac als langfristiger Investor ein?

Crowl: Alle von Carmignac verwalteten Fonds integrieren Umwelt-, Gesellschafts- und Governance-Analysen (ESG). Im vergangenen Jahr haben wir eine ESG-Plattform mit dem Namen START entwickelt, die mit mehreren Unternehmensdatenquellen arbeitet und Genauigkeit und Effizienz bietet. Zudem verbindet sie unsere Einschätzungen, wodurch unsere Investitionen transparenter werden. Das ist eine langfristig angelegte Entwicklung für unsere Investoren.

Carmignac wurde 1989 gegründet und wir investieren seit über 30 Jahren verantwortungsvoll. Unternehmen, die ihre ESG-bezogenen Risiken nicht abmildern, werden langfristig keine Zukunft haben. Risikomanagement war seit jeher das Herzstück des Ansatzes von Carmignac, ESG-Risiken sind da nicht anders. Im Hinblick auf die Umwelt investieren wir zum Beispiel nicht in Unternehmen, die 10 Prozent oder mehr ihres Umsatzes mit dem Abbau von Kraftwerkskohle erzielen. Unser Ziel ist, bei den Hauptversammlungen der Unternehmen, in die wir investieren, zu 100 Prozent mit abzustimmen. Dabei stimmen wir als Aktionäre so ab, dass die Unternehmen dazu ermutigt werden, ihre Klimabilanz zu verbessern.

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