Fondsmanager Hugh Briscoe, Goldman Sachs Asset Management

Druck durch Inflation

„Wir haben schwedische Anleihen gekauft“

Wie beurteilen Sie eine mögliche Rückkehr der Inflation, die die Anleiherenditen hat steigen lassen?

Hugh Briscoe: Kurzfristig ist die Entwicklung der Pandemie ein Hauptrisiko, da sich das Virus weiter ausbreitet, besonders in Entwicklungsländern und sehr stark in Indien. Neue Virusmutationen entstehen, die sich unter Umständen auf die Virusübertragung, die Schwere des Krankheitsverlaufs und die Wirksamkeit von Impfstoffen auswirken.

Das Virus allein setzt also die Agenda weiterhin?

Briscoe: Nicht allein. Vieles ist im Fluss. So beobachten wir in vielen wieder erstarkenden Ländern das Konsumverhalten sehr genau, um zu sehen, ob die Kauflaune schnell oder eher allmählich zurückkehrt. Selbst wenn die Inflation aufgrund einer Reihe vorübergehender Faktoren, wie statistischer Basiseffekte, höherer Ölpreise und der Preisanstiege bei bestimmten Dienstleistungen, kurzfristig anzieht, gehen wir davon aus, dass sie wegen der Überkapazitäten am Arbeitsmarkt und fest verankerten Inflationserwartungen auf mittlere Sicht gedämpft bleiben dürfte. Dennoch ist uns bewusst, dass die Renditen von Kernanleihen weiter volatil auf solide Konjunkturdaten reagieren könnten, wenn die Aktivitätsbeschränkungen gelockert werden. Wir neigen zu einer Positionierung gegen einen Ausverkauf bei Staatsanleihen von Ländern, in denen eine expansive Geldpolitik der Zentralbanken anhält.

>>> Hugh Briscoe managt unter anderem den globalen Anleihefonds Goldman Sachs Global Fixed Income Portfolio (ISIN: LU0234570595), den Sie in unserer Datenbank hier betrachten können.

Auf welche Anleihesegmente konzentrieren Sie sich?

Briscoe: Am langen Ende der Zinsstrukturkurve sind die Zinsen zwar vor kurzem gestiegen, aber nur auf ein Niveau, das vorher schon aus historischer Sicht als niedrig galt. Anleger sind angesichts des aktuellen Zinsniveaus eventuell versucht, ihr Engagement in hochwertigen Anleihen zu reduzieren oder ganz zu verkaufen. Aber: Sie sollten unserer Ansicht nach darüber nachdenken, ein Engagement in hochwertigen Anleihen beizubehalten. Selbst in einem Umfeld steigender Zinsen können festverzinsliche Wertpapiere Vorteile bringen, etwa zur Diversifikation. Sie können als Liquiditätsquelle dienen und in Phasen hoher Volatilität Stabilität bieten.

Ist das Umfeld aktuell denn stabil genug?

Briscoe: Da sich die Wachstumsverbesserungen erst noch in der Realwirtschaft niederschlagen müssen, halten wir es für verfrüht, prozyklische Positionen zurückzuschrauben. Was die Anlageklassen anbetrifft, bevorzugen wir hochverzinsliche Unternehmensanleihen. Innerhalb der Anlageklassen schauen wir uns nach Chancen bei Emittenten in zyklischen Branchen um, die von den Wiedereröffnungen profitieren. Da die Spreads auf Indexebene die Ausweitung vor der Pandemie im Großen und Ganzen nachvollziehen, liegt unser Fokus dennoch auf der Einzeltitelauswahl. Darüber hinaus erkennen wir Chancen, durch ein Engagement in den steileren Bereichen der Zinsstrukturkurve für Investment-Grade-Anleihen von Carry- und Roll-down-Gelegenheiten zu profitieren.

Wie sieht das dann in Ihrem Fonds aus?

Briscoe: Unsere Investmenthaltung ist vorsichtig prozyklisch. In Spread-Sektoren des Fixed-Income-Bereichs sind wir bei den Unternehmensanleihen übergewichtet, in MBS von US-Bundesbehörden neutral gewichtet. Zudem haben wir einzelne Positionen in Schwellenländeranleihen und verbrieften Anleihen. Unser Zinsengagement besteht unter anderem aus einer Übergewichtung im kurzen Laufzeitbereich der Zinsstrukturkurven in Australien und Kanada – und zwar sowohl auf direktionaler als auch auf marktübergreifender Basis gegenüber Großbritannien, Europa und den USA. Bei den Währungen sind wir in niedrig rentierlichen asiatischen Währungen, den prozyklischen Währungen der G10-Länder und einzelnen höher rentierlichen Schwellenländerwährungen übergewichtet. Auf mittlere Sicht sind wir nach wie vor auf einen Abwärtstrend des Dollars eingestellt – aber auf kurze Sicht sind wir neutral positioniert.

Was haben Sie aktuell im Portfolio verändert – und warum?

Briscoe: Auf marktübergreifender Basis haben wir kürzlich eine Übergewichtung in schwedischen Staatsanleihen gegenüber britischen Staatsanleihen aufgebaut, die sich unserer Ansicht nach gut entwickeln werden, wenn die Zinsen weltweit weiter steigen. Wir gehen davon aus, dass die Leitzinsen in Schweden selbst bei einem Szenario mit starkem positiven Wachstum bei Null verharren, während bei der Bank of England (BoE) noch deutlich mehr eingepreist werden kann. Das gute Impftempo und die aufgestaute Nachfrage könnten dafür sorgen, dass das Wachstum in Großbritannien kurzfristig besonders stark anzieht, wodurch der Druck auf die britischen Zinsen anhalten würde. Angesichts der sich verbessernden Stimmung in Europa dank überraschend guter Daten und des anziehenden Impftempos haben wir auch unsere Euro-Übergewichtung erhöht. In den Schwellenländern haben wir im März mehrere übergewichtete Positionen zurückgeschraubt, weil wir mit Zinsstraffungszyklen der Zentralbanken rechnen und unser Engagement in Märkten, die sensibel auf Risikoanlagen reagieren, abbauen möchten.

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