Jörg Ladwein

Jörg Ladwein

„Wir kaufen derzeit eine Immobilie pro Monat“

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DAS INVESTMENT.com: Das Niedrigzinsumfeld macht den Versicherern derzeit zu schaffen. Muss der Garantiezins sinken?

Jörg Ladwein: Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) hat auf Basis unterschiedlicher Szenarien für die weitere Zinsentwicklung keinen Änderungsbedarf für den Höchstrechnungszins 2011 gesehen. Das Bundesfinanzministerium folgt üblicherweise der Einschätzung der DAV. Allianz Leben erwartet daher für 2011 einen unveränderten Höchstrechnungszins von 2,25 Prozent im Neugeschäft. Je nach weiterer Entwicklung der Zinsmärkte ist aktuell aber nicht auszuschließen, dass es zum 1. Januar 2012 zu einer Senkung des Höchstrechnungszinses kommt. Der Bestand wird hiervon nicht betroffen sein, das heißt einmal ausgesprochene Garantien werden durch eine Änderung des Rechnungszinses im Neugeschäft nicht beeinflusst.

DAS INVESTMENT.com: Für den Bestand ist die Überschussbeteiligung entscheidend. Die ist bei der Allianz gerade von 4,3 auf 4,1 Prozent gesunken. Auf welche Anlagen greifen Sie künftig zurück, um die niedrigen Zinsen bei Staatsanleihen wieder wett zu machen?

Ladwein: Auch in der aktuellen Niedrigzinsphase gibt es Anlageklassen mit sehr attraktiven Chancen. Das gilt für Unternehmens- und Schwellenländeranleihen sowie für Gewerbeimmobilien. So erwerben wir derzeit etwa eine Immobilie im Monat für bis zu 200 Millionen Euro, vor allem Shoppingcenter und Bürogebäude in Deutschland und Europa. Bei erstklassigen Objekten erhalten wir eine Verzinsung von 5 bis 6 Prozent. Zusätzlich erwarten wir eine Wertsteigerung von 1 bis 3 Prozent. Besonders attraktiv sind zudem derzeit Investments in Private Equity, Infrastruktur und erneuerbare Energien wie Wind- und Solarparks. Da erwarten wir Renditen von 6,5 bis 8,5 Prozent.

DAS INVESTMENT.com: Sind Sie von der Krise der offenen Immobilienfonds betroffen?

Ladwein: Nein, das Portfolio der Allianz Leben investiert nahezu ausschließlich direkt in Immobilien, damit sind wir von der Entwicklung nicht betroffen.

DAS INVESTMENT.com: Ein weiteres Thema, das für Sorgenfalten in der Branche sorgt, ist Solvency II. Führen die neuen Eigenkapitalregeln dazu, dass Produkte mit Garantien zu teuer werden für Versicherer?

Ladwein:
Wir teilen nicht die Ansicht, dass Lebensversicherungen mit Garantiezins in Deutschland ein Auslaufmodell sind. Im Gegenteil, wir gehen für 2010 von einem Umsatzwachstum aus. Die Lebensversicherung als sichere Form der Altersvorsorge ist für die Kunden auch künftig attraktiv. Das deutsche Lebensversicherungsmodell bietet hohe Kapitalerträge und Inflationsschutz für die Altersvorsorge. Wir gehen davon aus, dass dieses auch in Zukunft ein wichtiger Aspekt für die private Altersvorsorge sein wird. Wir begrüßen grundsätzlich die neuen Regeln zu Solvency II. Hierzu gehört, dass die Kosten der Garantie adäquat berücksichtigt werden. Allerdings gehen manche Regeln an der Realität der  Finanzmärkte vorbei, zum Beispiel bei den Modellen für die Zinsentwicklung. Vorschläge zur Verbesserung wurden bereits gemacht.

DAS INVESTMENT.com: Stehen wir vor einer Konsolidierung in der Branche?

Ladwein: Solvency II wird einen stärkeren Fokus auf die Bildung von Reserven im Unternehmen setzen. Für finanzschwache Unternehmen kann das zu deutlich erhöhten Kapitalanforderungen führen. Eine Konsolidierung der Branche könnte die Folge sein. Allerdings stehen die endgültigen Solvency II Eigenkapitalvorschriften noch nicht fest.

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