„Wir kommen in eine neue Biedermeier-Zeit“

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Nach dem Börsencrash der vergangenen Monate feiern die internationalen Aktienmärkte seit Wochenbeginn ein furioses Comeback. Ob dies eine echte Trendwende oder nur ein kurzes Durchatmen ist, bleibt offen. Welche Auswirkungen diese Achterbahnfahrt auf die Stimmung der Privatanleger hat, fragte DAS INVESTMWENT.com Franz Gschiegl, Geschäftsführer der Wiener Fondsgesellschaft Erste-Sparinvest (Espa).

DAS INVESTMENT.com: Wie dürften Anleger Ihrer Meinung nach auf die aktuelle Krise reagieren?

Franz Gschiegl: Ich denke, wir kommen in eine neue Biedermeier-Zeit. In den vergangenen Jahren zählte vor allem das schnelle Geld. Doch die Gierphase ist jetzt erst einmal vorbei. Stattdessen wird der Wunsch nach Sicherheit wichtiger. Als Folge erwarte ich eine Renaissance von klaren, einfachen Produkten. Denn die Anleger wollen Transparenz. Verpackte Rendite-Produkte mit unklaren Bestandteilen dürften daher an Bedeutung verlieren. Das Thema Strukturierung ist weg vom Markt.

DAS INVESTMENT.com: Welches Thema dürfte Ihrer Meinung nach an diese Stelle treten?

Gschiegl: Die aktuelle Entwicklung dürfte vor allem ethisch orientierte Investments fördern. Denn die Anleger legen wieder Wert auf nachhaltige und langfristig orientierte Unternehmensführung. Wir wollen daher unser Angebot im Bereich Social Responsible Investments (SRI) ausdehnen. Außerdem planen wir im kommenden Jahr eine Marketing-Offensive für unsere bestehenden Nachhaltigkeits-Produkte. Dazu zählt unter anderem unser Fonds WWF Stock Umwelt, der mit vergleichsweise strengen Ausschlusskriterien gemanagt wird.

DAS INVESTMENT.com: Wird es von der Erste-Sparinvest neben diesen Aktienfonds auch Produkte für andere Anlageklassen geben?

Gschiegl: Ja, wir wollen insbesondere bei Absolute-Return-Fonds mit gemischten Portfolios wachsen. Denn die Anleger haben das Vertrauen in Aktien als langfristige Anlage verloren. Selbst auf Zehn-Jahressicht liegen die Aktienmärkte nach der jüngsten Krise im Minus.

DAS INVESTMENT.com: Ein Portfolio aus verschiedenen risikoarmen Anlageklassen können sich Anleger auch selbst zusammenstellen.

Gschiegl: Ja richtig, aber wir bieten mit unseren Fonds eine Art „kleine Vermögensverwaltung“ mit variablen Investitionsquoten in den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Cash, Alternative Investment und Immobilien an. Dies gibt es sogar in Verbindung mit einem Wertsicherungskonzept.

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