„Wir machen uns keine Illusionen“

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  DAS INVESTMENT.com: Gehört die Aussage, man müsse einen Aktienfonds nur lange genug halten, um eine gegenüber allen anderen Anlageformen überlegene Performance zu erzielen, auf den Müllhaufen der Geschichte?
Seip: Nein, das gehört sie nicht. Es ist ja nach wie vor so, dass über die Länge der Haltedauer die Volatilität wesentlich sinkt. Aber die Volatilität ist zurzeit eben sehr hoch. Aktuell liegt die Gesamtrendite über 30 Jahre bei gut 6 Prozent, Ende 2007 lag sie bei 9 Prozent. Wer 30 Jahre lang 100 Euro, also insgesamt 36.000 Euro, eingezahlt hat, dessen Ablaufergebnis ist von knapp 190.000 auf rund 106.000 Euro gesunken. Das ist immer noch ein akzeptables Ergebnis, aber eben viel schlechter als noch vor kurzer Zeit. Die Frage, wann ich als Anleger einen Aktienfondssparplan auflöse, ist also eine ganz entscheidende, und ich muss mir Gedanken darüber machen, wann und wie ich das tue. DAS INVESTMENT.com: Wie zum Beispiel?
Seip: Da gibt es unterschiedliche Modelle, statische und dynamische. Ich glaube, dass unter dem Stichwort Lifecycle noch eine ganze Reihe weiterer Produkte auf den Markt kommen wird, die das Ablaufmanagement optimieren. DAS INVESTMENT.COM: Sind Höchststandsicherungen eine sinnvolle Lösung?
Seip: Wer das Gefühl hat, ein einigermaßen zufriedenstellendes Ergebnis zu haben, sollte sich dieses kurz vor einem geplanten Ausstiegszeitpunkt sichern. Klar ist aber auch, dass die Höchststandsicherung Geld kostet und dass ein Anleger, wenn diese Höchststandsicherung eingezogen ist, nicht erwarten darf, bei einem weiteren Anstieg der Kapitalmärkte noch in einem hohen Maße dabei zu sein. DAS INVESTMENT.com: Mit welchen Argumenten wollen Sie einen Anleger in der aktuellen Kapitalmarktsituation überhaupt noch dazu motivieren, regelmäßig Geld in einen später mit Abgeltungsteuer belegten Aktienfonds einzuzahlen?
Seip: Viele Anleger sind verunsichert. Deshalb machen wir uns nicht die Illusion, sie in der Breite davon zu überzeugen, dass die Chance zum Einstieg gerade jetzt günstig ist. Umgekehrt erleben wir im Aktienfondsbereich jetzt auch keinen Erdrutsch. 2008 sind aus Aktienfonds nur rund 2 Milliarden Euro abgeflossen, das ist im europäischen Vergleich sehr moderat. Das deutet darauf hin, dass unsere Anlegerschaft in den Aktienfonds sehr stabil ist, aber dass es uns momentan eben auch nicht gelingt, sie zu erweitern. Jemand, der bislang aktienabstinent war, wird jetzt nicht einsteigen. Dafür haben wir beim Thema Garantiefonds wirklich eine sehr gute Entwicklung, und wir werden in diesem Bereich auch weiter deutlich zugewinnen und aus dem Zertifikatesektor Volumen abziehen. BVI–Hauptgeschäftsführer Stefan Seip über...
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