DAS INVESTMENT: Das Vergleichsportal Verivox will festgestellt haben, dass die Prämien für private Kfz-Versicherungen im Vergleich zu 2023 um satte 21 Prozent gestiegen sind. Rechnet der GDV mit weiteren Beitragserhöhungen für das kommende Jahr?
Anja Käfer-Rohrbach: Wie sich die aktuelle Situation auf die Prämien der Kfz-Versicherung auswirken wird, ist eine unternehmensindividuelle Entscheidung jedes einzelnen Versicherers und nicht Sache des Verbandes. Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Schäden und den Beiträgen für eine Kfz-Versicherung. Zudem erwartet auch die Versicherungsaufsicht Bafin von den Kfz-Versicherern, die Schadeninflation bei der Kalkulation ihrer Prämien angemessen zu berücksichtigen.
„Schadenkostenquote von 106 Prozent"
Apropos Schäden: Laut der jüngsten Kfz-Marktanalyse des GDV sind die Ersatzteilpreise in den vergangenen zehn Jahren um fast 75 Prozent gestiegen. Das entspricht einer jährlichen Steigerungsrate von 5,4 Prozent. Diese liegt deutlich über der durchschnittlichen jährlichen Inflationsrate von 2,4 Prozent in diesem Zeitraum. Ist das Kfz-Versicherungsgeschäft für die Versicherer überhaupt noch profitabel?
Käfer-Rohrbach: Nicht wirklich. Die Kfz-Versicherer haben 2023 einen Verlust von über drei Milliarden Euro hinnehmen müssen. Die Aussichten für dieses Jahr sind nicht viel besser. Nach unserer aktuellen Hochrechnung für 2024 werden die Beitragseinnahmen auf rund 33,6 Milliarden Euro steigen, die Versicherer aber infolge von Ausgaben für Schäden und Verwaltung einen versicherungstechnischen Verlust von zwei Milliarden Euro haben. Das ergibt eine Schadenkostenquote von 106 Prozent.
Welche Möglichkeiten sieht der GDV, um die Schadenaufwendungen in der Kfz-Versicherung zu begrenzen, ohne die Leistungen für Versicherungsnehmer einzuschränken?
Käfer-Rohrbach: Wir müssen an die Werkstatt- und Ersatzteilkosten ran: Die Kosten für Pkw-Ersatzteile steigen rapide und sind weitgehend unabhängig von der allgemeinen Preisentwicklung. Während der Verbraucherpreis-Index seit 2014 um rund 28 Prozent zugenommen hat, erhöhten Autohersteller ihre Ersatzteilpreise durchschnittlich um fast 75 Prozent. Auch die Stundensätze in den Kfz-Werkstätten werden immer höher. Das führt dazu, dass die Ausgaben für die Autoreparaturen steigen. So kostet ein durchschnittlicher Sachschaden in der Kfz-Haftpflichtversicherung eines Pkw etwa 4.000 Euro, vor zehn Jahren waren es noch 2.500 Euro.
Wie beurteilt der GDV den Einfluss neuer Technologien wie Fahrerassistenzsysteme oder autonomes Fahren auf die zukünftige Prämienkalkulation und Schadenentwicklung in der privaten Kfz-Versicherung?
Käfer-Rohrbach: Auch wenn die Schäden leicht zurückgehen – die zusätzliche Technik macht Reparaturen teurer. Neue Technik wie Sensoren und Kamerasysteme müssen im Schadenfall ausgetauscht oder neu kalibriert werden. Ein Assistenzsystem macht etwa den Austausch einer Windschutzscheibe um rund 25 Prozent teurer. Wie sich diese Entwicklung auf die Preise auswirken wird, entscheiden die einzelnen Versicherer.
