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Jörg Schindler

Jörg Schindler

„Wir müssen mit weniger Öl zurechtkommen“

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DAS INVESTMENT.com: Herr Schindler, ab wann sinken die Ölfördermengen unwiderruflich? Jörg Schindler: Der Förderhöhepunkt war vor drei Jahren. Die Statistik zeigt, dass die Ölfördermengen von 2005 bis 2008 in etwa gleich geblieben sind. Das war so eine Art Plateau. Ab 2009 wird es abwärts gehen. DAS INVESTMENT.com: Bitte ein paar Beweise. Schindler: Die Förderraten in wichtigen Regionen sind bereits deutlich gesunken. So beispielsweise in der Nordsee und in Mexiko. Im letzten Jahr ist nun auch in Russland, einem der größten Prodzenten der Welt, die Förderung erstmals zurückgegangen. Und diese Länder konnten sie trotz des hohen Ölpreises im vergangenen Jahr nicht erhöhen. Woher sollte denn Ersatz kommen?

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DAS INVESTMENT.com: Aus der Tiefsee. Wie wäre es mit der brasilianischen Küste? Schindler: Auch die brasilianische Fördermenge hat sich kaum vergrößert, obwohl dort einige neue Ölfelder entdeckt wurden. DAS INVESTMENT.com: Sie müssen halt erst Grafik vergrößernerschlossen werden. Petrobras rechnet mit etwa fünf Jahren. Schindler: Und Sie glauben, dass sie diesen Plan einhalten? Das sehr große Kashagan-Feld in Kasachstan sollte schon 2005 in die Förderung gehen. Inzwischen rechnet man mit 2014. Insgesamt kann man sagen, dass es immer schwieriger wird, die neuen Felder anzuzapfen, die in immer schwieriger zu erschließenden Regionen liegen. Die schönen Ölfelder sind in Produktion und meist nimmt die Förderung schon ab. Die Erschließung neuer Felder ist ein Wettlauf mit der Zeit, der immer öfter verloren wird. Ab jetzt wird es hässlich. DAS INVESTMENT.com: BP sagt, es gibt noch sehr lange Öl. Schindler: Das bestreitet auch niemand. Das Ende des Öls werden Sie und ich wohl nicht mehr erleben. Die Frage ist jedoch, ab wann und wie schnell die Förderquoten zurückgehen werden. Wir rechnen damit, dass sich die weltweite Ölförderung bis zum Jahr 2030 halbieren wird. In der Energiepolitik wird somit kein Stein auf dem anderen bleiben. DAS INVESTMENT.com: Nun frage ich mich allerdings, wie einige Ölexperten von einem weltweit steigenden Ölverbrauch ausgehen können. Das geht doch dann gar nicht. Schindler: Richtig. An solchen Prognosen ist etwas falsch. Vor allem die Internationale Energieagentur IEA tut gern so, als wäre alles unendlich. Sie geht von steigender Weltbevölkerung und steigenden Einkommen aus und berechnet daraus den Energieverbrauch. DAS INVESTMENT.com: Also eine Art ‚Wünsch dir was’. Schindler: Genau. Allerdings hat die IEA ihre Prognosen bereits gesenkt und in ihrer 2008er Studie bereits davor gewarnt, dass neue Ölquellen entdeckt werden müssen und mehr Öl gefördert werden muss. DAS INVESTMENT.com: Blitzmerker. Schindler: Irgendwie schon. Sie warnt neuerdings auch schon vor einem Energie-Crunch, also einem empfindlichen Engpass an Energie. In ihren Szenarios geht die Agentur jedoch noch immer von steigenden Werten in Angebot und Nachfrage aus. Eine Welt voller Widersprüche. DAS INVESTMENT.com: Genau wie die der Analysten. Erst wird gesagt, dass wir weniger Öl verbrauchen müssen, um die Umwelt zu schützen und damit das Öl länger reicht. Und jetzt gibt es Schlagzeilen von einem Ölschock, weil der Verbrauch sinkt und damit auch der Preis. Schindler: Ja, das ist schizophren. Volkswirte setzen Wirtschaftswachstum mit einem steigenden Energieverbrauch gleich, und das ist dann gut. Und der sinkende Ölverbrauch wird nun mit der Wirtschaftskrise in Verbindung gebracht. DAS INVESTMENT.com: Ist das denn falsch? Schindler: Normale Energiesparmaßnahmen haben auch schon vorher gegriffen, sich aber in diesem Jahr nicht gravierend verstärkt. Das ist ein eher gleichmäßiger Prozess. Jetzt kommt die Wirtschaftskrise dazu. Darüber hinaus muss ein grundsätzliches Umdenken einsetzen. Der Ölverbrauch wird weltweit nicht mehr steigen können. In Zukunft müssen wir mit weniger Öl zurechtkommen. Die Zeit der billigen und reichlichen Energie ist endgültig vorbei. Wir sollten uns schon aus Rücksicht auf das Klima lieber freuen, wenn weniger Öl verbraucht wird. Aus welchem Grund das auch immer passiert. DAS INVESTMENT.com: Wo liegt Ihrer Meinung nach die Lösung für das ganze Energieproblem? Schindler: Langfristig muss sie in höherer Effizienz und den erneuerbaren Energien liegen. Kurzfristig zählt das Verhalten des Einzelnen. Es ist einfach nicht nötig, dass hier mitten in München eine Mutter ihre Kinder mit dem Hausfrauen-LKW zum Kindergarten bringt. Und auch Amerikaner sollten mal erkennen, dass man auch mit kleinen Autos gut fahren kann. Lesen Sier hier, wie Ölsucher in immer tiefere Regionen im Meer vordringen. Denn dort steckt das Öl. Nützliche Links: Homepage der Energy Watch Group Erdölstudie der Energy Watch Group (pdf-Datei) Homepage der Internationalen Energie-Agentur (IEA) BPs Meinung zur Peak-Oil-Theorie

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