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Mypension-Geschäftsführer Alberto del Pozo im Gespräch „Wir suchen noch die Fun-Formel für die Altersvorsorge“

Alberto del Pozo von Mypension
Alberto del Pozo von Mypension: Nach 14 Jahren im Konzern leitet er nun ein Start-up. | Foto: Mypension

Das Investment; Sie waren 14 Jahre bei DWS Investments, seit Mai 2021 sind Sie beim Fintech Mypension. Was hat Sie zu dem Wechsel bewogen?

Alberto del Pozo: Die DWS ist ein toller Arbeitgeber und die 14 Jahre dort waren in jeder Hinsicht spannend, intensiv und lehrreich. Aber die gesamte Investmentbranche befindet sich seit einiger Zeit unter extremen Veränderungsdruck. Neue Anbieter heizen mit Innovationen den Wettbewerb an und es entstehen neue Marktsegmente.

Diese Veränderungen sehe ich in den nächsten Jahren auch auf die Altersvorsorgebranche zukommen, die sich bisher gegenüber Veränderungen und Wettbewerb ziemlich abschotten konnte. Dort bei einem Start-up wie Mypension mit einem spannenden Geschäftsmodell einsteigen zu können, war verlockend.

Sie haben nun Erfahrungen in beiden Welten gesammelt. Wo liegen die Unterschiede in der Produktentwicklung zwischen Start-ups und Großkonzernen?

Del Pozo: Ein Jahr ist wenig in großen Konzernen, wenn es darum geht, ein Altersvorsorge-Produkt aufzulegen. Allein die Budget- und Freigabeprozesse benötigen viel Zeit. Produktideen müssen durch interne Gremien und werden von allen Seiten abgeklopft. Bei Mypension haben wir kürzere Wege. Wir haben zunächst einmal keine internen Gremien und verfügen beispielsweise auch nicht über Steuer-, Compliance- oder Rechtsabteilungen, sondern arbeiten dort, wo wir den entsprechenden Bedarf haben, mit externen Experten.

Wenn wir entscheiden, wir wollen ein neues Produkt bauen, dann sind wir in unseren Entscheidungswegen sehr viel schneller. Vor allem sind wir aber deutlich schneller in der Umsetzung, da unsere IT-Plattform wesentlich moderner ist und wir keine technischen Altlasten mit uns mitschleppen.

Liegt das nur daran, dass einfach weniger Menschen mitreden wollen?

Del Pozo: Ja, das stimmt. Es ist in Großkonzernen sicherlich auch immer eine strategische Entscheidung, welche Produkte man an den Markt bringt. Und diese Entscheidungen können dauern.

Na gut, bei Mypension haben Sie auch nur ein einziges Produkt.

Del Pozo: Ja, momentan schon. Ich persönlich würde aber gerne noch mehr Produkte anbieten. Aber dafür sind die regulatorischen Rahmenbedingungen einfach eine Katastrophe.

Das erläutern Sie bitte einmal.

Del Pozo: Das deutsche Altersvorsorgesystem mit den drei Schichten ist das vermutlich komplexeste der Welt. Die Rahmenbedingungen sind auch für Altanbieter, die mit dem System über die Jahre gewachsen sind, extrem innovationsfeindlich. Und als Start-up somit kaum zugänglich.

Mit Fairr gab es schon einmal ein Start-up im Riester-Bereich…

Del Pozo: Aber das hat sich aufgrund der verpflichtenden Beitragsgarantie aus dem Markt verabschieden müssen. In der bAV kenne ich kein einziges Start-up mit einer Produktlösung. Wie auch? Sie müssten als Start-up den Arbeitgeber, womöglich den Betriebsrat, die Gewerkschaft über den Tarifvertrag und den Arbeitnehmer, also den eigentlichen Kunden, überzeugen. Und dann sind noch jede Menge sozial- und arbeitsrechtliche Aspekte zu klären.

Somit führen die Rahmenbedingungen in der Altersvorsorge dazu, dass neue, schnelle, ideenreiche Fintechs verhindert werden. Und letztlich auch Wettbewerb im Sinne des Kunden verhindert wird. Denn mehr Innovation und Wettbewerb bedeutet auch bessere und kostengünstigere Produkte für den Endkunden.

Wie hat es denn gerade Mypension geschafft, sich im Bereich der Altersvorsorge durchzusetzen?

Del Pozo: Zunächst einmal haben wir uns die einzige Altersvorsorgeschicht ausgesucht, in der Flexibilität, Renditechancen und Endkunden-Zugänglichkeit mit einer digitalen Lösung kombinierbar sind. Das geht aktuell nur in der dritten Schicht mit einer privaten Rentenversicherung. Hier können wir einen modernen Zugang via App für Kunden gestalten.

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