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"Wir werden den Japan-Anteil in unserem Fonds kräftig erhöhen"

Gregor Trachsel, Manager des Credit Suisse Global<br/>Value Fonds
Gregor Trachsel, Manager des Credit Suisse Global
Value Fonds
Günstige Aktie, das ist es, wonach Trachsel ständig Ausschau hält. Und in keinem Land der Welt wurde der Schweizer so häufig fündig wie in Japan. Stolze 37 Prozent seiner Kundengelder legte er am japanischen Aktienmarkt an, so viel wie kein anderer Manager eines globalen Aktienfonds.

Dann die Katastrophe: Erdbeben, Flutwelle und ein drohender nuklearer Super-Gau. Der Nikkei bricht in wenigen Tagen um 20 Prozent ein, der Credit Suisse Global Value (WKN 796586) verlor neun Prozent an Wert.

Und was macht Trachsel? Raus aus japanischen Aktien? Im Gegenteil: In einem offenen Brief teilte er mit, seine Japanpositionen kräftig ausbauen zu wollen.

"Die Risiken waren uns bewusst"

"Das Sicherheitspolster unserer japanischen Aktien dürfte im Zuge der Ereignisse und wie die Börse darauf reagiert hat bedeutend angestiegen sein", bewertet Trachsel. Will heißen: Ihm und seinem Team waren die Erdbebengefahr und die damit verbundenen Risiken "höherer Gewalt" vollkommen bewusst.

Folglich seien einige Aktien, die man vor der Katastrophe als billig einschätzte, nach den Kursrückgängen nun noch billiger zu haben. Die kurz- bis mittelfristigen negativen Folgen für die Unternehmen seien in den aktuellen Kursen bereits berücksichtigt.

"Wir sind reine Bottom-Up-Investoren"

Konjunkturdaten und makroökonomische Trends interessieren Trachsel überhaupt nicht. Er analysiert ausschließlich einzelne Unternehmen und deren Perspektive.

"Wir sind reine Bottom-Up-Investoren. Wir können also nicht einschätzen wie sich die Ereignisse in Japan auf die Wirtschaft insgesamt auswirken wird."

Entscheidend für Trachsels Anlagestil: "Wir sehen im Moment keine Gefahren, dass eines der Unternehmen in unserem Fonds pleitegehen könnte." Diese Erkenntnis reicht ihm als Stockpicker aus, um bei unterbewerteten Unternehmen beherzt zuzugreifen. Und genau das soll nun passieren.

"Japan bietet uns aktuell so viele Gelegenheiten"

"Wir planen in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten unsere bestehenden Japan-Positionen weiter auszubauen. Aus einer analytischen Sicht werden wir also weiterhin genau das machen, was wir vor dem Erdbeben gemacht haben."

Am Ende des Briefes stellt Trachsel noch einmal klar, dass er keine besondere Vorliebe für japanische Unternehmen an sich hat. Doch seine Strategie legt ihm nun einmal auf, Aktien zu finden, die deutlich unter ihrem fairen Wert notieren. Und dieser strategische Kompass führe ihn schnurstracks an die japanische Börse: "Japan bietet uns aktuell so viele Gelegenheiten."
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