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Dax-Gespräch mit Markus Zschaber „Wir werden ein verstärktes Interesse von den Institutionellen sehen“

Markus Zschaber
Markus Zschaber: Er sieht den Dax jetzt besser aufgestellt. | Foto: Markus Zschaber

Das Investment: Herr Zschaber, die zehn Neuzugänge des Dax stehen seit einigen Tagen fest. Bietet die Zusammenstellung aus ihrer Sicht Überraschungen?

Markus Zschaber: Nein, die sogenannte Erweiterung in der Dax-Familie basiert ja auf den neuen und umfangreichen Regeln, neben der Kapitalisierung und natürlich der angestrebten Diversifizierung.

Sind Sie denn zufrieden mit den neuen Dax-Titeln?

Zschaber: Ich denke schon, dass die neuen Branchen, Sektoren und damit die Unternehmen den Dax zeitgemäßer und wesentlich repräsentativer aufstellen. Schon jetzt höre ich am Markt ein positives Echo von internationalen Investoren, die den Dax gern als Instrument im Portfolio nutzen.

Generell kann man immer geteilter Meinung sein, warum möglicherweise das eine Unternehmen enthalten ist, das andere nicht. Aber wie oben beschrieben, sehe ich mehr Chancen und die deutsche Wirtschaft wird breiter repräsentiert.

Inwiefern können die Zugänge für Impulse sorgen?

Zschaber: Wenn ich einen Blick auf die Branchen werfe, dann ist es natürlich eine positive Veränderung. Die Vergangenheit war geprägt durch klassischen Branchen wie Versicherer, Banken, Maschinenbau und Industrie, Autos, Immobilien und Energie. Der Frankfurter Aktienindex Dax zeigte vor allen Dingen auf, was in Deutschland produziert wird.

Er ist und war sozusagen bis heute Spiegelbild der heimischen Tätigkeit, ein Reflektor unseres täglichen Handelns. Natürlich konnte gerade mit Beginn des Jahres der klassische Value-Sektor überproportional partizipieren, da große Nachfragen in oben benannten Bereichen stattfanden. Aber das war temporär und dem Umstand der Pandemie geschuldet. Der Dax war mehr als angestaubt und durch die vergangenen Krisen nicht wirklich interessant. Da bot der Mittelstand doch nachweislich mehr.

Doch die Zeiten ändern sich, Dienstleister, Internet und Gesundheit drängen Schritt für Schritt nach vorne und werden für Deutschlands Wirtschaft immer wichtiger. Sie bieten die Wachstumsimpulse. Gerade die neuen Konsumwerte sind doch eine positive Beimischung. Denn wenn wir uns mit dem neuen Mittelstand Asiens beschäftigen, dann hat ein großer Teil der Chinesen und Inder, mittlerweile knapp 400 Millionen Menschen, die Definition Mittelschicht erreicht, mit allen Konsumbedürfnissen. Daran soll und kann der Dax jetzt mehr partizipieren.

Was erhoffen Sie sich daraus für den Dax selbst?

Zschaber: Es ist dreierlei:

  1. natürlich eine gute Performance bei einem ausgewogeneren Risiko
  2. ein größeres Gegengewicht gegenüber anderen Indizes, da der Dax aufgrund seiner hohen Kapitalisierung international sehr gefragt ist, und
  3. ein breiteres Interesse in der heimischen Bevölkerung. Die Themen um Sachanlage und Inflation, Altersvorsorge und Nullzins sind ja nicht vom Tisch. Dazu die Schuldenkrise – da werden noch viele Umdenken und in Aktien investieren. Da kommt die Umstrukturierung genau richtig.

Wo sehen Sie bei den neuen Dax-Titeln konkrete Chancen für Privatanleger und institutionelle Investoren?

Zschaber: Mit den zehn Neuen im Gepäck ist einiges möglich. Somit sollte der Privatanleger einen Blick auf den neuen Dax werfen.

Die Chancen liegen auf der Hand: die größere Vielfalt an Branchen decken die nationalen und internationalen Nachfragen besser ab und können so das Ertragspotential des Index, auf Basis der Performance erhöhen, wenn man es so sagen kann, also mehr Ertrag für den
Anleger.

Es ist eine breitere Abbildung der deutschen Wirtschaft und diese ist natürlich damit zukunftsorientierter, wobei es natürlich immer wieder zu Index-Veränderungen kommen wird und kann – und das ist auch richtig so.

Wo sehen Sie den Schwerpunkt der neuen Dax-Titel?

Zschaber: Natürlich wird das Thema Wachstum gespielt und nicht nur Dividenden. Mit Blick auf beispielsweise Siemens Healthineers, Airbus sowie Hellofresh ist doch ein starkes Gesamtkonstrukt entstanden. Schauen wir allein auf Sartorius: Da war es doch mehr als zeitgemäß, die Index-Struktur umzudenken und anzupassen.

Für mich ist jetzt schon vollkommen klar, dass wir in den kommenden Monaten ein verstärktes Interesse von den sogenannten Institutionellen sehen werden. Ich favorisiere ganz klar den Dax gegenüber dem MDax.




Über den Interviewten:
Markus Zschaber ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft in Köln.

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