„Wir wollen 10 Prozent“: Schnäppchen-Tipps der Value-Investoren

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Unter den Schwellenmärkten sei Russland derzeit mit einem KGV von 9 eines der billigsten Märkte. Auch Spanien, das momentan massiv unter der Schuldenkrise leidet, bietet Anlegern attraktive Rendite.

Engelchen und Teufelchen

Auch die Nachhaltigkeit spielt für den Value-Investor eine wichtige Rolle. „Engelchen und Teufelchen schneiden besonders gut ab“, sagt er. Damit meint er Firmen, die entweder sehr nachhaltig wirtschaften oder, ganz im Gegenteil, in ökologisch oder ethisch fragwürdigen Sektoren wie Tabak, Alkohol, Pornografie oder Waffenproduktion tätig sind.

Jens Kummer: Morningstar-Bestnote ist der „Kuss des Todes“

Jens Kummer warnt ebenfalls davor, sich auf langfristige Expertenprognosen zu verlassen. Vor allem kollektive Vorhersagen, die sich zu Trends entwickeln, seien laut dem SEB-Fondsmanager besonders gefährlich. „Gruppen agieren riskanter als Einzelpersonen“, sagt er.

Darüber hinaus warnt Kummer davor, sein Geld den gefeierten Investment-Stars anzuvertrauen. Die Bestnote einer Rating-Agentur sei wie ein Kuss des Todes, erklärt der SEB-Manager. Fonds, die mit der Morningstar-Bestnote von fünf Sternen ausgezeichnet wurden, stiegen im darauffolgenden Jahr ab. Auch die Leistungen von Fondsmanagern, die zum Manager des Jahres gekürt wurden, ließen in den darauffolgenden Jahren stark nach (siehe Grafik).

Jens Hansen: Investments müssen nicht sexy sein

Auch Jens Hansen, Geschäftsführer und Investmentchef von Value Invest Asset Management, hält nicht viel von kollektiven Entscheidungen. „Wenn die Gruppenmitglieder gemeinsam entscheiden, wird der kritische Verstand heruntergefahren“, sagt er. Als soziale Wesen fühlen sich die meisten Menschen einfach wohler, wenn sie sich gruppenkonform verhalten.

Als Beispiel nennt Hansen einen Schönheitswettbewerb. Wenn man den schönsten Teilnehmer küren soll, schaut man sich die Kandidaten direkt an und spekuliert nicht darüber, welchen von ihnen die anderen Zuschauer am attraktivsten finden.

Im Übrigen hat das Investieren nach Ansicht von Hansen nicht besonders viel mit der Schönheit zu tun. „Es ist besser, in Firmen zu investieren, die nicht so sexy sind“, sagt er. Hierzu zählt der Investment-Profi derzeit die Konsum-, die Gesundheits- und die Telekommunikationsbranche, die zwar „langweilig“ sind, aber großes Ertragspotenzial haben.

Keine Finanztitel, viele „Langweiler“

Von Finanztiteln rät Hansen hingegen ab. Da das Hauptgeschäft der Banken darin bestehe, Geld zu leihen, sei es sehr wichtig, deren Bilanzen bis auf den letzten Posten genau durchschauen zu können. Das könne er aber nicht leisten. Bei Unternehmen hingegen, die etwas produzieren, seien Bilanzen hingegen nicht so essenziell.

Hansens Favorit ist der US-amerikanischen Lebensmittelherstellers General Mills. Das „langweilige“ Unternehmen überzeuge seit 1990 mit einer durchschnittlichen Rendite von 10,8 Prozent, so Hansen. Darüber hinaus schüttet General Mills seit 112 Jahren kontinuierlich Dividenden aus. Auch den Kauf von Microsoft-Aktien, die er 2009 für nur 59 Prozent ihres wahren Werts (fair value) erwerben konnte, bezeichnet Hansen als ein Glücksgriff.

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