„Wir wollen die Besten“

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Zur Sache, Herr Heuser


Dirk Heuser, Leiter Anlagestrategie und Wertpapierprodukte bei der Commerzbank, über das schleppende Geschäft mit den Produkten der Wettbewerber  

DAS INVESTMENT: Ihr Anspruch ist es, für Ihre Kunden die besten Fonds herauszufiltern. Wie passt das zu der Tatsache, dass 60 Prozent aller Umsätze auf die Commerzbank-Töchter Cominvest und Commerz Grundinvest entfallen?

Dirk Heuser: Letzten Endes liegt es am Anleger selbst, ob er sich für ein hausinternes oder externes Produkt entscheidet. Die Auswahl durch den Berater der Commerzbank erfolgt nach einem strengen und objektiven Muster. In den Depots unserer Kunden verfügen wir bei vielen Schwergewichten über hervorragende konzerneigene Produkte. Zu nennen sind hier beispielsweise der Fondak, die Hausinvest-Produkte und Geldmarktfonds.

Warum sollten Commerzbank-Kunden Interesse an einem eher durchschnittlichen Cominvest-Produkt haben, wenn deutlich bessere Fonds zur Auswahl stehen?

Heuser: Wir empfehlen die jeweils besten Fonds der entsprechenden Vergleichsgruppe, denn kein Kunde dürfte Interesse an nur durchschnittlichen Produkten haben. Der Deutschland- Aktienfonds Fondak wird sehr gerne gekauft, weil er nun einmal ein sehr gutes Produkt ist. Commerzbank-Berater arbeiten mit einer Matrix, die die Fonds der Commerzbank-Töchter und die der strategischen Partner je nach Anlageklasse in derzeit 27 Bereiche aufteilt. Für welches Produkt sich der Kunde letztlich entscheidet, liegt ganz bei ihm. So oder so gelten die ausgewählten Fonds unserem Bewertungsmodell zufolge als hervorragende Produkte. Daraus aber wiederum folgt, dass wir nicht das komplette Vollsortiment der Gesellschaften aktiv anbieten.

Sieht ein Berater, ob es ein besseres Produkt von einer Gesellschaft gibt, die nicht zum Kreis der elf strategischen Partner gehört?

Heuser: Prinzipiell können Anleger jeden zum Vertrieb in Deutschland zugelassenen Fonds kaufen. Produkte, die nicht von unseren Partnern oder der Commerzbank kommen, fallen jedoch nicht in die aktive Beratung. In der Empfehlungsmatrix des Beraters tauchen sie daher nicht auf.

Welche Bedingungen sind erforderlich, um Fonds-Partner der Commerzbank zu werden?

Heuser: Es gibt qualitative und quantitative Kriterien. Ein strategischer Partner sollte ein sehr breites Sortiment an Fonds anbieten und mit seinen Produkten eine überdurchschnittliche Performance erzielt haben. Je nach Anlagegebiet sollte ein Fonds zudem mindestens ein Volumen zwischen 50 und 100 Millionen Euro haben.

Warum ist das so wichtig?

Heuser: Aus zwei Gründen. Zum einen lässt sich eine langfristig überdurchschnittliche Leistung nur mit einem soliden Volumen schaffen. Bei Fonds für Standardmärkte sollte das Volumen daher mindestens 100 Millionen Euro betragen. Für Nischenmärkte oder Spezialgebiete reichen schon 50 Millionen Euro. Zum anderen fließt durch die Aufnahme der Produkte in unser Partnerprogramm eine nicht unerhebliche Summe frisches Kapital in den Fonds. Dieses neue Geld sollte die Fonds nicht überschwemmen, sondern in einer vernünftigen Relation zum vorhandenen Kapital stehen.

Wie filtern Sie innerhalb einer Produktpalette die attraktivsten Fonds heraus?

Heuser: Wir haben ein computergestütztes Bewertungsmodell. Jeden Monat findet eine Selektion statt. Im ersten Schritt filtern wir die Fonds aufgrund ihrer Performance- und Risikokennziffern. Danach erfolgt eine Auswahl anhand des Volumens und dann ein ausführliches qualitatives Screening. Dabei steht neben vielen anderen Punkten besonders die Produktwahrheit im Vordergrund, also die Überprüfung des Fondskonzepts auf die tatsächliche praktische Umsetzung.

Eine Ex-post-Betrachtung liefert immer nur Erkenntnisse aus der Vergangenheit, wenig Handfestes für die Zukunft.

Heuser: Natürlich ist eine gute Performance von gestern keine Garantie für morgen. Eine durchgängig stabile Performance zeigt dennoch die Leistung eines Fondsmanagements und ist in diesem Sinn sehr wohl als Indiz für die zukünftige Entwicklung zu gebrauchen. Daneben ist aber das qualitative Screening, beispielsweise durch umfangreiche Fondsmanager- Interviews, unerlässlich. Die Vergangenheitsbetrachtung der Fondskennziffern sowie die Konsolidierung auf dem Rating-Markt werfen aber grundsätzliche Fragen auf, denen wir uns derzeit stellen.

Was passiert mit dem Bodensatz nach einem Screening?

Heuser: Je nach Ergebnis werden die Fonds mit Halten oder mit Verkaufen bewertet. Auch beim Wechsel des Managements werden die Fonds zunächst nicht mehr aktiv empfohlen, sondern stehen bei uns unter Beobachtung.

Nordea war mal Partner und ist es jetzt nicht mehr.

Heuser: Unser Prozess sieht eine ständige Überprüfung der Voraussetzungen vor, damit eine strategische Partnerschaft für beide Seiten einen Mehrwert hat.

Sind Sie denn auf der Suche nach neuen Lebensabschnittsgefährten?

Heuser: Ja, es gibt einige interessante Kandidaten, und es besteht auch Interesse.

Bekommen Sie manchmal auch einen Korb?

Heuser: In wenigen Fällen ist dies schon passiert.

Im Partnerkreis finden sich nur Komplettanbieter. Eine Ausnahme ist die Schweizer Gesellschaft Pictet, die vor allem mit Nischenprodukten überzeugt. Müssten Sie bei Ihrem Auswahl - prozess nicht viel stärker auf Boutiquen setzen? Wer überall dabei ist, kommt doch häufig nicht über Mittelmaß hinaus.

Heuser: Es landet nie das komplette Angebot der Partner auf der Beratungsliste, sondern nur die besten Fonds. Pictet besitzt eine breite und gute Produktpalette. Mit dem Wasser-Fonds besetzen die Schweizer zudem einen sehr spannenden Bereich.

Im letzten Jahr vor der Abgeltungsteuer suchen Anleger verstärkt nach vermögensverwaltenden Fonds. Unter den 27 Einzelgruppen Ihrer Beratungsliste fehlt die Kategorie „Dachfonds“. Warum liefern Sie hier keine Hilfestellung?

Heuser: Unsere Berater bekommen eine umfassende Unterstützung bei diesem Thema. Dachfonds sind allerdings aufgrund ihrer Anlageschwerpunkte schwer vergleichbar.

Defensiv, ausgewogen oder offensiv – das sind doch bewährte Kriterien.

Heuser: Vom ersten Ansatz her ist das richtig, es wird hierbei jedoch keine Länderunterscheidung vorgenommen. Wir sind dabei, weitere interessante Anlageuniversen anhand von Selektionsmodellen zu prüfen. Ob unter dem Strich eine seriöse Auswahl im Zusammenhang mit Dachfonds zustande kommt, wage ich jedoch zu bezweifeln.

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