Didier Le Menetrel

Didier Le Menetrel

„Wir wollen die Entwicklungswelle der aufstrebenden Mittelklasse Indiens reiten“

Didier Le Menestrel ist der Gründer und Verwaltungsratsvorsitzender von der französischen Fondsboutique Financière de l’Echiquier.

Jim Rogers hat es in Worte gefasst: Es gibt keinen besseren Weg, um attraktive Anlagemöglichkeiten zu finden, als die Welt, so wie sie ist, Kilometer für Kilometer zu entdecken!

Das ist leicht gesagt, denn es mag für Anleger doch ausgesprochen verwirrend sein, sich flanierend in den engen Gassen des Slums von Dharavi in Mumbai wiederzufinden. Wie aber ist die Entdeckung des größten benachteiligten Viertels Indiens mit unseren täglichen Benchmarks der Finanzmärkte vereinbar?

Hunger nach westlichem Konsum

Dharavi mit einer Million Einwohnern, das durch den Film „Slumdog Millionaire“ von Danny Boyle unsterblich wurde, ist ein perfektes Abbild der heutigen Welt mit einer jungen Bevölkerung voller Hoffnung auf ein besseres Leben. Um diese Hoffnung zu erfüllen, muss jedoch der begierige Hunger dieser „westlich orientierten“ Verbraucher gestillt werden.

Man kann nur verblüfft sein, welchen Aufschwung und Erfolg die amerikanische Pizza-Lieferkette Domino’s Pizza in Mumbai und in ganz Indien verzeichnet. Bereits jetzt gibt es mehr als 500 Verkaufsstellen in mehr als 100 Städten, wobei es in naher Zukunft schon mehr als 1.000 sein sollen.

Indien, das für seinen Konservatismus und seinen ausgeprägten Sinn für Traditionen, insbesondere in kulinarischer Hinsicht, bekannt ist, hat seine Leidenschaft für diese Ikone der italienischen Küche entdeckt: Vom Naan, einem traditionellen indischen Fladenbrot, zur Pizza ist es schließlich nur ein Schritt.

Powerhouse Provinz

Der ländliche Raum ist eine weitere treibende Kraft der zukünftigen Entwicklung von Indien. Die ländlichen Gegenden in Indien wurden bei den großen Reformen der wirtschaftlichen Öffnung lange Zeit vernachlässigt und wiesen noch bis vor kurzem gegenüber den großen Städten eine höhere Verarmung auf.

So ist das BIP der ländlichen Gebiete von 65 Prozent des BIP der Industrieländer im Jahr 1991 auf 54 Prozent im Jahr 2011 gesunken. Seit 2008 und als Antwort auf die weltweite Krise hat sich die indische Regierung entschieden, mittels umfangreicher Subventionen zwei Drittel der indischen Bevölkerung zu unterstützen, die nur ein Drittel des Reichtums besitzt.

Im Ergebnis verzeichnete das ländliche Indien im Jahr 2012 zum ersten Mal ein schnelleres Wachstumstempo als die Städte. Einer der großen Gewinner dieser Entwicklung ist Hindustan Unilever, die lokale Niederlassung des niederländischen Lebensmittelkonzernriesen Unilever, der in den ländlichen Regionen am stärksten aufgestellt ist.

Dasselbe gilt für Maruti-Suzuki, die erste Automobilmarke des Landes, die in den indischen Provinzen dreimal so viele Händler wie ihr Hauptkonkurrent Hyundai hat.

Die langfristige Perspektive stimmt

Trotz seines Gesamtpotenzials erlebt Indien derzeit einen beispiellosen Konjunkturabschwung mit dem niedrigsten BIP-Wachstum (4 Prozent) seit zehn Jahren.

Eine schlecht eingedämmte Inflation (11,2 Prozent), die starke Zunahme der Defizite (5,2 Prozent des BIP), die Schwächung der Rupie (-32,5 Prozent in fünf Jahren), die Einstellung von Infrastrukturprojekten oder die wiederkehrenden Skandale haben die Erfolgsgeschichte Indiens untergraben.

Dennoch sind wir, nachdem wir einige Zeit vor Ort verbracht, das Land besichtigt und Unternehmen getroffen haben, vom langfristigen Entwicklungspotenzial überzeugt. Auch wenn Indien fast zehn Jahre hinter China herhinkt, hat das Land reichlich Potenzial, diese Lücke zu schließen: Im Jahr 2025 wird die indische Bevölkerung größer sein als diejenige Chinas, wobei die Inder vor allem 20 Jahre „jünger“ als die Chinesen sein werden.

Wie Jim Rogers schrieb: „Indien ist ein Land voller Widersprüche. Das Land bringt einige der hellsten Köpfe der Welt hervor (…) Dennoch sind fast 50 Prozent der Bevölkerung Analphabeten.“ Aus dieser Irrationalität, der auch wir begegnet sind, gehen jedoch zahlreiche Anlagemöglichkeiten hervor.

Wir zögern nicht, in Unternehmen zu investieren, die auf der Entwicklungswelle der aufstrebenden Mittelklasse reiten. Hierzu zählen wir zum Beispiel Jubilant Foodworks, der Franchisenehmer von Domino’s Pizza in Indien, oder den führenden indischen Anbieter von Gebäudeinfrastruktur Havell’s.

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