Holger Gachot vom Vermögensverwalter Starcapital Foto: Starcapital

Starcapital-Vorstand Holger Gachot

„Wir wollen nicht Me-Too sein“

Starcapital fokussiert seine Geschäftsstrategie. Was umfasst das künftig, was nicht mehr?

Holger Gachot: Wir werden uns auf unsere Wurzeln, die klassischen, breiter diversifizierten Aktien-, Anleihen und Multi-Asset-Strategien, fokussieren und uns hier noch klarer am Markt als aktiver, benchmark-unabhängiger Vermögensverwalter positionieren. Das bedeutet, dass wir unsere Strategien und Produktkonzepte dahingehend weiterentwickeln, dass wir ein modernes Verständnis von antizyklischem und Value-geprägtem Handeln unseren Kunden anbieten können. Wir haben zum Beispiel den Selektionsprozess bei Aktien optimiert und hierfür unsere empirische Kapitalmarktforschung in den Investmentprozess vollständig integriert und weiterentwickelt. Im Rahmen dieser Fokussierung wechselt der Bereich der regelbasierten ETF-Strategien zur Greiff Capital Management.

Welche Rolle spielen künftig Publikumsfonds, Spezialfonds und diskretionäre Mandate in der Geschäftsstrategie?

Gachot: Die Publikumsfonds sind eine wichtige Säule unseres Geschäfts. Die globalen Aktien-, Anleihen- und Multi-Asset-Strategien basieren auf unserer langjährigen Expertise in diesem Segment. Dennoch müssen auch wir unsere Strategien, insbesondere bei solch außergewöhnlichen Rahmenbedingungen für die Märkte wie in diesem Jahr, kontinuierlich anpassen. Das institutionelle Kundengeschäft ist eine zweite wichtige Säule unseres Unternehmens und der weitere Ausbau des Angebots für Spezialfondslösungen ist eines unserer Ziele.

Keine Strategieanpassung ohne Standortbestimmung und Wettbewerbsanalyse: Welche Lehren haben Sie daraus gezogen?

Gachot: Seit 2008 befindet sich die Finanzbranche im Anpassungs- und Veränderungsprozess. Die Geld- und Fiskalpolitik sowie der anhaltende niedrige Zins bedingen bei allen Marktteilnehmern ein Umdenken, da sich wirtschaftliche Zusammenhänge nicht nur kurzfristig, sondern langfristig verschieben. Umso wichtiger ist es eine klare Anlagestrategie und Philosophie an die Investoren zu transportieren, auch um uns aus dem Me-Too-Bereich abheben zu können. In diesem Zuge haben wir unseren aktiven antizyklischen Ansatz weiterentwickelt. Im Mittelpunkt steht das Ziel, frühzeitig Anlagechancen zu entdecken, die eine dauerhaft werthaltige Entwicklung versprechen. Das heißt nicht nur niedrige Bewertung, sondern vielmehr nachhaltige Erträge basierend auf einer attraktiven Bewertung, Bilanzqualität und Profitabilität.

Besteht grundsätzlich für Fondsboutiquen und Vermögensverwalter die Gefahr, sich zu verzetteln?

Gachot: Ja, die besteht tatsächlich. Fondsboutiquen stellen sich oftmals zu breit auf. Sie sollten ihre Kernkompetenzen klarer herausarbeiten und den Produktansatz mit Leben füllen. Nur so sind sie am Markt sichtbar.

Während der Überarbeitung der Strategie, dürfte die Corona-Pandemie ausgebrochen sein. Haben Sie und das Starcapital-Team aufgrund dessen nochmal in einigen Punkten nachgebessert?

Gachot: Auch hier ein klares Ja. Märkte neigen immer wieder zu Überraschungen. Was dieses Jahr allerdings passiert ist, wird nachhaltige Veränderungen nach sich ziehen, die Anpassungen auch in Zukunft bedingen. Allein die Rolle der Zentralbanken haben die Rahmenbedingungen enorm verändert. Aber auch im Vertrieb gilt es, neu zu denken – Stichwort digitale Medien.

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