US-Präsident Joe Biden Foto: imago images

Investmentchef von Edmond de Rothschild AM

Wird das US-Konjunkturprogramm zum Inflationstreiber?

Zwischen dem aktuellen US-Konjunkturprogramm und der Modern Monetary Theory (MMT), also der Modernen Geldtheorie, zeigen sich Parallelen auf. Wie ein bekannter Witz besagt, ist die MMT weder modern, da sie mit der traditionellen Finanzierung von Staatsdefiziten vergleichbar ist, noch monetär, denn es werden Anpassungen an die Fiskalpolitik vorgenommen. Und noch weniger ist sie eine Theorie.

Klar ist: MMT beginnt mit einem „Free lunch“, also einem fast risikolosen Gewinn. Die Reflation wird durch Schulden finanziert, die dank der ultraexpansiven Geldpolitik fast nichts kosten. Sie endet mit Inflation, gefolgt von Steuererhöhungen oder Kürzungen der öffentlichen Ausgaben, wenn die Reflation über das gewünschte Ziel, ein Land wieder zur Vollbeschäftigung zu bringen, hinausgegangen ist. Für uns versteht sich von selbst, dass Investoren das Risiko-Rendite-Profil von Anlagen in der ersten Phase attraktiv finden, in der zweiten jedoch deutlich weniger. So stellen wir uns aktuell die Frage ob sich der Markt zurzeit in der ersten Phase befindet. Müssen wir uns Sorgen machen, dass er schneller als erwartet in die zweite Phase kippen könnte?

Volkswirtschaften drohen zu überhitzen

Joe Bidens 1,9-Billionen-Dollar-Konjunkturprogramm hat viel dazu beigetragen, die Inflationsprämien in die Höhe zu treiben. Selbst Demokraten wie Harvard-Professor Larry Summers, ehemaliger Finanzminister unter Bill Clinton, haben vor dem Inflationsrisiko des Konjunkturprogramms gewarnt. Andere Ökonomen wie Paul Klugman dagegen vertreten diese Meinung nicht. Uns erinnern Summers' Befürchtungen allerdings daran, dass das aktuelle US-Experiment ungeahnte Summen und einen Sprung ins Ungewisse beinhaltet.

Die Biden-Administration versucht, ihr politisches Kapital zu nutzen, um andere ehrgeizige Pläne durchzusetzen. Das Ziel soll nun bei 3 Billionen Dollar für die Infrastruktur über 10 Jahre liegen. So könnten sich Bidens Konjunkturpläne über mehrere Jahre auf etwa 25 Prozent des BIP belaufen, ohne Berücksichtigung der rezessiven Wirkung höherer Steuern. Dies ist schlichtweg beispiellos.

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