Jörg Horneber von der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg. (Foto: KSW)

Jörg Horneber von der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg. (Foto: KSW)

Wirtschaftsbeschränkungen

Russland-Sanktionen treffen deutsche Wirtschaft

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Schon auf dem Gipfel Anfang März 2014 hat die EU Maßnahmen gegen Russland verhängt, um deren Verhalten im Ukraine-Konflikt zu ahnden. Damals wurde ein dreistufiger Plan beschlossen.

Zuerst wurden Gespräche über eine weitere Annäherung Russlands an die Europäische Union gestoppt, geplante Verhandlungen über ein Wirtschaftsabkommen unterbrochen.

Außerdem wurde der Club der führenden Wirtschaftsnationen wieder exklusiver: Aus den G8 wurden G7 - Russland wird nicht mehr zu den Tagungen eingeladen. Im zweiten Schritt sperrten die EU-Staaten eine Reihe von Konten wichtiger Russen und Ukraine.

Zur Zeit stehen an die einhundert Personen auf der Sanktionsliste, die auch ein Einreiseverbot beinhaltet. Darüber hinaus können mehr als 20 Firmen und Organisationen nicht mehr auf ihre Konten in der EU zugreifen.

Die dritte Stufe, die Wirtschaftsanktionen, wurde erst Anfang August scharf gestellt, nachdem sich an dem Verhalten Russlands nichts geändert hatte. Den Ausschlag dafür hatte wohl der Abschuss einer zivilen Maschine der Malaysia-Airlines am 17.Juli über dem Separatistengebiet gegeben.

Russlands Banken ausgesperrt

Die Wirtschaftsbeschränkungen betreffen verschiedene Bereiche: EU-ansässige Unternehmen dürfen keine Hochtechnologiegüter mehr an die russische Armee liefern; die Ausfuhr von Spezialtechnik zur Ölförderung wurde verboten und den russischen Banken der Zugang zu EU-Finanzmärkten erschwert.

Die Banken dürfen neue Wertpapiere nicht mehr an europäischen Börsen handeln. Da auch die USA ein solches Handelsverbot erlassen haben, wird es für russische Banken deutlich schwieriger sich neue Gelder zu beschaffen.

Weitere Sanktionen wurden beim letzten Wochenendgipfel der EU diskutiert. Eine Verabschiedung soll binnen weniger Tage erfolgen. Hier wurde sogar eine Abkoppelung der russischen Banken vom Swift-Netz angedacht.

Über das Swift-System kommunizieren Banken international zum Beispiel zur Ausführung von Überweisungen. Russland wäre dadurch vom weltweiten Finanzsystem komplett abgeschnitten.

Wirtschaftlich wird das bereits angeschlagene Russland zwar am meisten unter den Sanktionen leiden, aber auch die Ukraine, welche enge Geschäftsbeziehungen zu Russland hat, wird entsprechende Bremseffekte spüren.

China profitiert

An Deutschlands Industrie geht das auch nicht spurlos vorüber. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Russland belief sich im letzten Jahr auf 76,5 Milliarden Euro.

Nach Angaben des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft liefern wir hauptsächlich Autos, Maschinen und chemische Erzeugnisse an Russland. Circa 300.000 Arbeitsplätze seien vom Russlandgeschäft abhängig. Somit rangiert Russland auf Platz 11 der wichtigsten Geschäftspartner Deutschlands.

Auffällig sei allerdings, dass die Ausfuhren nach Russland bereits seit Anfang 2013 etwas rückläufig waren, so die Bundesbank. Der Effekt wird sich dieses Jahr aber noch beschleunigen. Inzwischen sucht Russland nach neuen Geschäftspartnern.

China könnte davon am meisten profitieren. Die Produkte, die aus der EU und USA nicht mehr eingeführt werden können, liefert zukünftig unter anderem das Reich der Mitte. Selbst wenn sich Russland doch wieder dem Westen annähern sollte, könnten diese Geschäftsanteile langfristig in Asien verbleiben.

Die Krisen in der Ukraine, der Dauerkonflikt in Nahost und der Eroberungszug der Islamisten im Irak dämpfen die Stimmung. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist zum vierten Mal in Folge gefallen. Schon drei aufeinander folgende Rückgänge des Index zeigten in der Vergangenheit eine Trendwende an.

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