Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle haben ihre Rolle am Anleihenmarkt innerhalb kurzer Zeit verändert. Bis Ende Juli 2026 hatten die Hyperscaler bereits Bonds über mehr als 220 Milliarden US-Dollar begeben. S&P Global Ratings schätzt die Investitionen der sechs größten Hyperscaler für dieses Jahr auf rund 870 Milliarden Dollar und erwartet für 2027 mehr als 1,3 Billionen Dollar. Der Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur dürfte den Finanzierungsbedarf weiter erhöhen. Für Bondinvestoren entsteht damit ein breites Angebot hoch gerateter Emissionen über verschiedene Laufzeiten.

Gerade darin liegt auch ein Konzentrationsrisiko. Wer große Benchmarks eng nachbildet, erhöht mit jeder neuen Emission seinen Anteil an denselben Schuldnern. Gleichzeitig hängt ein wachsender Teil ihrer künftigen Ertragskraft davon ab, ob sich die hohen Investitionen in Rechenzentren, Chips und Stromversorgung wirtschaftlich auszahlen. Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle haben laut einer Studie inzwischen mehr als 2,6 Billionen US-Dollar an Leasing- und sonstigen vertraglichen Verpflichtungen vereinbart, die noch nicht vollständig in ihren Bilanzen erscheinen.

Beispiel Oracle 

Wie unterschiedlich der Markt die einzelnen Hyperscaler inzwischen bewertet, zeigt Oracle. Eine im September 2025 über vier Milliarden US-Dollar begebene Anleihe mit Fälligkeit 2035 kam mit einem Spread von 105 Basispunkten gegenüber US-Treasuries an den Markt. Zuletzt handelte sie nach Angaben des Fondsmanagements bei rund 89,75 Prozent, die Rendite lag bei 6,73 Prozent und der Spread bei etwa 182 Basispunkten.

Eine akute Ausfallgefahr lässt sich daraus dennoch nicht ableiten, zumal die gerade veröffentlichten Quartalszahlen beruhigend aufgenommen worden. Für den Anleger ist der Kursrückgang dennoch erheblich. Zugleich belastet der hohe Investitionsbedarf die freien Cashflows, die lange als besondere Stärke der großen Tech-Konzerne galten. Auch bei erstklassigen Tech-Emittenten lohnt sich deshalb der Blick auf das Gewicht im Gesamtportfolio.

Ein Gegengewicht können Versorger bieten. Besonders regulierte Strom- und Gasnetze erzielen ihre Einnahmen überwiegend aus Netzentgelten und klar definierten regulatorischen Rahmenbedingungen. Der Erfolg einzelner KI-Anwendungen beeinflusst diese Cashflows kaum unmittelbar. Hohe Investitionen in Netze und Erzeugung erhöhen allerdings den Kapitalbedarf, stark verschuldete Unternehmen reagieren zudem empfindlich auf höhere Zinsen. Entscheidend ist deshalb, ob die Bilanz genügend Spielraum bietet und der Spread den Finanzierungsbedarf angemessen vergütet.

Auch Energieunternehmen können das Portfolio breiter aufstellen. Ihre Kreditqualität hängt stärker von Rohstoffpreisen, Produktionskosten und Verschuldung ab als vom KI-Investitionszyklus. Bei Unternehmen mit soliden Bilanzen kann diese andere Abhängigkeit für ein Kreditportfolio wertvoll sein. Der Sektor bleibt zyklisch, weshalb attraktive Renditen stets gegen die Bilanzqualität und den Investitionsbedarf des jeweiligen Emittenten abgewogen werden müssen.

Für die Portfolioallokation reicht es nicht, viele verschiedene Emittentennamen zu besitzen. Wenn mehrere große Positionen wirtschaftlich vom selben KI-Investitionszyklus abhängen, kann die tatsächliche Konzentration höher sein, als die Zahl der Anleihen vermuten lässt. Das gilt auch dann, wenn die Titel von Unternehmen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen stammen, deren künftige Investitionen jedoch auf dieselbe Nachfrage nach Rechenleistung, Chips und Strom setzen.

Auch auf andere Industrien schauen

Versorger oder ausgewählte Energieunternehmen können diesen Schwerpunkt ergänzen, weil ihre Einnahmen aus anderen Quellen stammen. Damit verändert sich nicht nur die Zahl der Schuldner im Portfolio, sondern auch die wirtschaftliche Herkunft der Cashflows.

Gerade solche wenig spektakulären Geschäftsmodelle können im Rentenportfolio wertvoll sein. Für Fixed Income zählt, ob ein Schuldner Zinsen und Kapital zuverlässig bedienen kann und ob der Spread das verbleibende Risiko angemessen vergütet. Wenn ein großer Teil des Markts auf dieselben Tech-Emissionen schaut, lohnt sich deshalb auch der Blick auf Branchen, die derzeit deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten.

Über den Autor

Jens Franck

ist Partner und Leiter Portfoliomanagement bei der Fondsgesellschaft Nordix in Hamburg.