Uwe Zimmer

Uwe Zimmer

Wo ist die Vola?

Es geht aufwärts, an den Börsen und mit der Wirtschaft. Und zwar unaufhaltsam. Selbst die ewig nach schlechten Nachrichten suchenden Börsianer sind verstummt. Das zeigt sich deutlich an der Volatilität. Die ist so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Und genau das sollte vorsichtig stimmen.

Die Volatilität ist ein recht gutes Maß der Angst an den Märkten. Für Deutschland lässt sie sich gut über den V-Dax messen, einen Index der Schwankungsbreite. Dieser hat in den vergangenen Tagen einen Wert von 12,86 erreicht, was im Zeitablauf ziemlich niedrig ist und ein großes Maß an Wohlbefinden an den Börsen signalisiert. In den Krisenzeiten 2008 / 2009 lag er – am 16. Oktober 2008 – bei 74.

Es geht den Börsianern also gut mit dem recht stetigen Anstieg der Kurse, kein Wunder. Der Gründe dafür sind viele, von guten Geschäftszahlen mancher Unternehmen bis zur immer wieder verlängerten Niedrigzinspolitik der Notenbanken. Aber reicht das?

Gute Unternehmenszahlen sind ein echter, ehrlicher Indikator. Solange diese stimmen, die Unternehmen wachsen und höhere Gewinne einfahren werden sie auch wertvoller und die Kurse sollten das zeigen. Die niedrigen Zinsen aber bergen Gefahren. Nicht nur für Sparer, deren Tagesgeld-Vermögen dahinschmilzt. Auch für die Gesamtwirtschaft. Signalisieren die Notenbanken doch mit dem Fast-Null-Zins, dass die Konjunktur in wichtigen Staaten noch lange nicht wieder Tritt gefasst hat.

Dazu kommt die Frage, wie lange das so weitergehen soll. Spielraum nach unten haben die Leitzinsen nicht mehr wirklich. Kommt die Finanzwelt also nicht ohne neue Stimulantien aus, muss tief in die Kreativitätskiste gegriffen werden. Die Ankäufe eigener Staatsanleihen sind da nur ein erster Vorgeschmack, die Einwertung der Staatsanleihen ein andere.

Es ist also eine eher trügerische Ruhe, die die niedrige Volatilität da zeigt. Auch wenn sich die Börsen derzeit in Sicherheit wiegen, kann doch jede schlechte Nachricht ein schnelles Umdenken bringen. Denn wenn die Angst zurückkehrt an die Märkte ist die Volatilität auch ganz rasch wieder oben – und die Kurse im Keller.

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