Wohnen im Alter: Barrierefreiheit mit Hindernissen

Dirk Hasselbring, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Trust Grundvermögen und Anlage GmbH.

Dirk Hasselbring, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Trust Grundvermögen und Anlage GmbH.

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Der Autor ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Trust Grundvermögen und Anlage GmbH.

Die Zahlen sind erschreckend: Dem Großteil der Deutschen, die vom Lebensabend in ihren gewohnten vier Wänden träumen, droht ein böses Erwachen. Zwar leben dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung zufolge derzeit selbst von den Senioren über 65 Jahre rund 93 Prozent im „normalen“ Wohnungsbestand. Dieser ist jedoch nur zu einem Bruchteil an die veränderten Bedürfnisse angepasst, die das Alter mit sich bringt.

Nur 570.000 altengerechte Wohnungen in Deutschland

Nur rund 570.000 der etwa 40 Millionen Wohnungen in Deutschland sind auf das Wohnen im Alter ausgerichtet. Diesem Angebot stehen schon heute circa 2,5 Millionen Haushalte gegenüber, die eigentlich auf barrierearmen Wohnraum angewiesen wären. Bis 2020 wird die Zahl der Haushalte, für die ein fehlender Fahrstuhl, zu schmale Türen oder ein paar Stufen am Hauseingang zu schlimmstenfalls unüberwindbaren Hindernissen werden, bei etwa drei Millionen liegen. Dass die Alterspyramide sich mehr und mehr umkehrt, ist seit langem bekannt. Dennoch ist der Wohnungsbestand noch immer kaum an die aktuelle Entwicklung angepasst.

Der Nachholbedarf hat zum einen finanzielle Gründe. So müssten bis zum Jahr 2020 schätzungsweise 39 Milliarden Euro in die altersgerechte Umrüstung der Wohngebäude und des Wohnumfelds investiert werden, um den dann bestehenden Bedarf vollkommen abzudecken. Von den heute bestehenden Seniorenhaushalten wäre indes nur jeder achte bereit, Anpassungsmaßnahmen aus eigener Tasche zu finanzieren. Um die Investitionsbereitschaft zu erhöhen, müssten staatlicherseits also dringend Anreize geschaffen werden.

Kaum finanzielle Unterstützung für den Umbau

Derzeit scheint der Trend jedoch in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Das derzeit traurigste Beispiel dürfte der Wegfall des Förderprogramms „Altersgerecht Umbauen“ sein. Über Zuschüsse und zinsverbilligte Darlehen waren seit 2009 Umbaumaßnahmen an mehr als 60.000 Wohneinheiten aus Bundesmitteln unterstützt worden. Doch das Programm lief Ende 2011 ersatzlos aus. Zwar führt die KfW-Bank das Programm aus eigenen Mitteln fort, fest steht aber, dass die bisherigen Zuschüsse und sehr günstigen Darlehenskonditionen der Vergangenheit angehören.