Das Beratungsunternehmen Ascore Analyse hat kurz nach seiner Untersuchung zu Tarifen der Hausratversicherung jetzt auch den aktuellen Jahrgang seines Scorings in der Wohngebäudeversicherung veröffentlicht. Dabei wurden 103 Tarife von 39 Gesellschaften bewertet. Im Vorjahr waren es nur 79.

So funktioniert die Scoring-Bewertung

Die Angaben zur Methodik sind dünn: Die Datengrundlage bilden ausschließlich die Versicherungsbedingungen. Laut Ascore erfolgt die Bewertung der Tarife nach dem „relativen Scoring-Verfahren“. Die Kriterien werden dabei laut Ascore in Score-relevante (55) und Individual-Research-Kriterien (59) unterteilt. Während die Score-relevanten Kriterien die Bewertung maßgeblich beeinflussen, ergänzen die IR-Kriterien den Katalog um weiterführende, spezifische Themen, so die Erklärung der Autoren.

2024 wurde das Scoring um 17 Kriterien erweitert, unter anderem:
-    Ersatz von fortlaufenden Kredit-/ Darlehenskosten (Zins) im selbstbewohnten Eigentum
-    Ersatz von fortlaufenden Kredit-/ Darlehenskosten (Tilgung) im selbstbewohnten Eigentum
-    Gebäudeschäden nach Fehlalarm durch Feuermelder 
-    Gebäudeschäden nach Fehlalarm durch Gasmelder
-    Wiederaufbau bei Totalschaden / Zerstörung an einem anderen 

Für jedes numerische Kriterium wird eine Benchmark festgelegt, die sich am Durchschnitt der analysierten Tarife orientiert, so die Analysten. Eine positive Wertung eines Kriteriums erfolgt mit einem ganzen Punkt, sonst wird kein Punkt vergeben. Die erreichte Gesamtpunktzahl wird auf sechs Wertungsklassen umgelegt und in Kompassen ausgegeben. Eine direkte Gewichtung der einzelnen Kriterien erfolgt nicht.

 

Anbieterfreundliche Benotung

Die vorgenommene Kompass-Einteilung („Herausragend“, „Ausgezeichnet“, „Sehr Gut“, „Gut“, „Ausreichend“, „Schwach“) muss als anbieterfreundlich bezeichnet werden, entspricht sie doch nicht der üblichen Benotungssystematik. In der Folge gehören bei der Vielzahl von vermeintlich „herausragenden“ und „ausgezeichneten“ Tarifen „sehr gute“ und „gute“ Produkte bei Ascore regelmäßig schon zu den vergleichsweise schwächeren im Markt. Die Produktart Wohngebäudeversicherung bietet hier eine seltene Ausnahme, da es auch eine relevante Zahl von Tarifen mit nur einem oder zwei Kompassen gibt.

Grundsätzlich ist diese Vorgehensweise erfahrungsgemäß den eigenen Vermarktungsabsichten der Untersucher geschuldet. Von Ascore ausgezeichnete Versicherer können kostenpflichtige Siegel zu Marketing- und Vertriebszwecken erwerben.

Ergebnisse in der Spitze verschlechtert

Was die Ergebnisse angeht, fällt der Abfall in der Spitzengruppe der Offerten mit sechs Kompassen auf. Sie ging im Vorjahresvergleich von 16 auf zehn zurück. Auffällig ist hierbei, ähnlich wie in der Hausratversicherung, dass vor allem kleiner Versicherer und Nischenanbieter die besten Bewertungen einheimsen. Nachdem es zuletzt keine als schwach eingestuften Tarife gab, sind es nun deren zwei. Sie stammen von der Inter und den NV-Versicherungen. Die Top-Produkte mit sechs Kompassen stammen von folgenden Anbietern:

  • Adcuri
  • Barmenia
  • Die Bayerische
  • Domcura (2x)
  • GEV
  • Interrisk
  • Rheinland Versicherung
  • Rhion Digital
  • SHB

Die Scoring-Ergebnisse kann man sich im Ergebnis-Rechner von Ascore anzeigen lassen.

Quelle: Ascore Analyse

Gros der Tarife im oberen Mittelfeld

Als Fazit sagt Anne Peters, Fachbereichsleiterin Komposit von Ascore: „Insgesamt sehen wir, dass die Produktlandschaft in der Wohngebäudeversicherung immer komplexer und modularer wird. Versicherer bieten immer flexiblere Tarife an, die sich individuell an die Bedürfnisse der Kunden anpassen lassen. Durch die Aufnahme unserer neuen Kriterien wollten wir den aktuellen Marktentwicklungen Rechnung tragen. Infolge der Erweiterung hat nun nur noch jeder 10. Tarif die Höchstbewertung von sechs Kompassen erreicht.“ Das Groß der Tarife tummelt sich laut Peters im oberen Mittelfeld.