Wohnimmobilien: Hamburg, meine Perle

Fleet in Hamburg, Quelle: Fotolia

Fleet in Hamburg, Quelle: Fotolia

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„Suche Altbauwohnung in den üblichen Stadtteilen.“ So oder ähnlich lauten Wohnungsgesuche in Hamburg oft. Gemeint sind meist die sanierten Altbauquartiere nahe der Alster wie Eppendorf, Hoheluft, Eimsbüttel und Winterhude. Wer sich dort an herausgeputzten Jugendstilfassaden, Pitchpine-Dielen und hohen Stuckdecken erfreuen will, weiß, was ihn erwartet: kein Parkplatz vor der Tür, der spezielle Hamburger Schnitt („Hamburger Knochen“) und ein Quadratmeterpreis um die 4.000 Euro aufwärts, alternativ eine Miete von 13 bis 15 Euro je Quadratmeter. Tendenz weiter steigend.

„Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise für die begehrten Innenstadtlagen um 10 Prozent gestiegen, die Mieten sogar um 15 bis 20 Prozent, dennoch erwarten wir weiter steigende Preise und Mieten“, sagt Joern Olaf Ridder, Leiter Wohnimmobilien/ Zinshaus beim Hamburger Maklerhaus Grossmann & Berger.

Viel Zeit zum Überlegen haben Interessenten in diesen Wohnlagen derzeit nicht: „Üblich waren Vermarktungszeiten von drei bis sechs Monaten im Kaufsegment, aktuell gehen die Wohnungen teils binnen einer Woche zum Notar“, ergänzt Ridder. „Der Run lässt sich auch auf das verstärkte Interesse von Kapitalanlegern zurückführen, die immer häufiger auf Eigentumswohnungen ausweichen, da nach dem Ansturm der vergangenen beiden Jahre kaum noch Zinshäuser auf den Markt kommen.“

Ebenfalls citynah und begehrt sind das Schanzenviertel sowie St. Pauli und Ottensen in direkter Elbnähe. Vor allem St. Pauli hat sich vom abgewirtschafteten Problemstadtteil zum In-Quartier gewandelt: Das berüchtigte Rotlichtmilieu gibt es zwar immer noch, doch wo sich die Hausbesetzer an der Hafenstraße in den 80ern mit der Polizei erbitterte Straßenkämpfe lieferten, steht heute in direkter Nachbarschaft das schnieke Hotel Empire Riverside. Wer nebenan im neuen Brau-Quartier wohnt, zahlt 10 bis 12 Euro je Quadratmeter.

Die sogenannte Gentrifizierung ist auf dem Kiez, wie die Hamburger das Quartier nennen, bereits so weit fortgeschritten, dass Oliver Nöthen vom Hamburger Büro des Analysehauses Bulwien Gesa ihn nicht mehr als Value-Add-Standort wie Hamm, Horn oder Barmbek-Nord sieht. Auch das Schanzenviertel und Ottensen rechnet er zu den mittlerweile etablierten Stadtteilen, wo der Kaufpreisfaktor je nach Ausstattung beim bis zu 20-Fachen der Jahresmiete liegt.

Neue Bestlage: Hafencity

Auch die neu entstehende Hafencity (siehe Kasten Seite 66) zählt Nöthen dazu. „Bei den ersten Projekten war der Quadratmeter Wohnfläche noch für 3.700 Euro zu haben – aus heutiger Sicht ein Schnäppchen, denn mittlerweile werden dort 4.500 Euro bis 5.000 Euro ausgerufen, je nach Ausstattung auch weitaus mehr.“

Happig sind auch die Mieten: Laut einem Marktbericht des Maklerhauses Jones Lang Lasalle liegen sie mit bis zu 25 Euro pro Quadratmeter doppelt so hoch wie der Hamburger Durchschnitt für Neubauten und reichen damit an etablierte Edellagen an Alster und Elbe heran.

Von solch glamourösen Projekten lässt sich Sven Odia nicht beeindrucken: „Wir sondieren den Markt in Hamburg ausschließlich in gutbürgerlichen Lagen wie Harburg, Wandsbek oder Horn“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende von Engel & Völkers Capital die Strategie des als Blind Pool konzipierten Engel & Völkers Deutscher Wohnfonds 2.