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Quelle: Pixelio

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Wohnimmobilien: Raum für höhere Preise

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Amtsgericht Ahrensburg, vor den Toren Hamburgs, 5. Juli, Vormittag. In dem schwitzig-schwülen Verhandlungsraum nehmen 30 Menschen Platz. Sie wollen ein Haus ersteigern. Vielleicht wird es ja ein Schnäppchen, sagt einer, der ab und zu in Immobilien macht. Dann werde er etwas Geld reinstecken und es dann weiterverkaufen, grinst er. Doch dazu kommt es nicht.

260.000 Euro ist das Haus laut Gutachter wert. Das Mindestgebot liegt bei 170.000 Euro. Am Ende schaukeln sich zwei Bieter  hoch. Der Gewinner ersteht das Haus für 268.000 Euro – mehr, als es wert ist. Wie in Hamburg ist es auch in anderen Großstädten: Wohnraum ist knapp. Kauf- und Mietpreise steigen. Die Menschen weichen auf Stadtrandlagen aus, die Anschluss an U- oder S-Bahn haben. Damit steigen auch dort die Preise.

„Vier-Zimmer-Altbauwohnungen in bevorzugten Lagen wie Eppendorf oder Winterhude vermitteln wir derzeit innerhalb von vier bis acht Wochen. Früher waren es drei bis sechs Monate“, sagt Joern Olaf Ridder, Bereichsleiter Wohnen beim Immobiliendienstleister Grossmann & Berger. Mitunter übersteige die Nachfrage das Angebot um das Vierfache, in manchen Lagen noch mehr.

Wenn der Immobilienspezialist Bulwien-Gesa meldet, dass Wohnimmobilien 2009 um 1,4 Prozent teurer geworden sind, dann ist das nur die halbe Wahrheit. Denn hinter dieser Zahl stecken verschiedene Trends und Strömungen.

Zahl verfügbarer Wohnungen sinkt

So nimmt die Zahl der Haushalte in Deutschland seit Jahren zu, zusätzlich verfügbare Wohnungen gibt es dagegen immer weniger. Das ist der bundesweite Trend. Und er deutet auf steigende Preise.

Hinzu kommt eine neue Form der Urbanisierung. „Die Älteren ziehen vom Land in die Stadt, weil sie dort Versorgung und Kultur vor Ort haben, und die Jüngeren gehen in die Stadt, weil sie dort Arbeit finden“, sagt Jörg Bretschneider, ein Sprecher des Immobilienmaklers Engel & Völkers. Gewinner sind seit Jahren Ballungsgebiete wie München, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, aber auch das klamme Berlin. Gute Wohnungen sind dort zum knappen Gut geworden, entsprechend versuchen Vermieter und Verkäufer, die Preise zu diktieren.

Hinzu kommt die Wanderung von Ost nach West. Bis auf ein paar Ausnahmen wie Potsdam oder Jena sieht es im Osten dünn aus. Ehemalige Industriestädte wie Schwedt haben seit der Wende ein Drittel ihrer Bevölkerung verloren. Abgewandert, ausgestorben.

Nachfrageboom dank Lehman

Von begrenzter Dauer ist dagegen ein Trend, den die Finanzkrise brachte und der eher die Kaufpreise betrifft. Kreditzinsen auf Rekordtief und enorme Staatsschulden sorgen dafür, dass Wohlhabende ihr Geld lieber in Immobilien stecken und diese vermieten, als es auf einem müde verzinsten Konto zu lassen.
„Als im September 2008 die Investmentbank Lehman Brothers pleite ging, zogen die Suchanfragen auf unserer Plattform um 45 Prozent an“, berichtet Michael Kiefer, Leiter der Immobilienbewertung beim Online-Portal Immobilienscout24. Über 30 Millionen Mal klickten Interessenten in jenem Monat auf „Suchen“. Zur Euro-Krise Anfang dieses Jahres beobachtete Kiefer einen ähnlichen Effekt.

Das wird so lange weitergehen, bis die Inflation spürbar anzieht. Erst dann ist die Europäische Zentralbank gezwungen, den Leitzins zu heben. Das würde die Bauzinsen mit hochziehen. Die Nachfrage nach Wohnungen würde sinken und mit ihr auch das Preisniveau. Gut für Käufer, schlecht für Besitzer. Auch Mieter könnten Probleme bekommen. Mit der Inflation als Begründung wird ihnen der Vermieter versuchen, eine höhere Last aufzubürden.

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