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Wohnimmobilien wieder gefragt: "Sichere Cashflows, geringe Volatilität und stabile Renditen"

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Vor wenigen Jahren prügelten sich angelsächsische Investoren nahezu um deutsche Wohnimmobilien. Opportunistische Investoren, auch aus dem Private-Equity-Bereich, sahen Chancen auf schnelles Geld und brachten Milliarden für riesige Paketkäufe mit.

Im ersten Halbjahr 2005 flossen nach Berechnungen von BNP Paribas Real Estate mehr als 9 Milliarden Euro in den deutschen Wohnungsmarkt. Solche Zahlen sind mittlerweile Vergangenheit.

Investitionen steigen um ein Drittel

Die Immobilienberatung Jones Lang Lasalle hat im ersten Halbjahr dieses Jahres 55 Portfoliotransaktionen registriert, bei denen rund 33.000 Wohneinheiten für 1,83 Milliarden Euro den Besitzer wechselten.

Quasi nichts im Vergleich zu 2005, aber ein fast Drittel mehr als im ersten Halbjahr 2009 und ebenfalls ein zweistelliger Zuwachs (17 Prozent) gegenüber dem 2. Halbjahr 2009.

BNP Paribas Real Estate kommt bei seinen Berechnungen auf knapp 2,3 Milliarden Euro – ein Anstieg von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Initiatoren geschlossener Fonds mischen im Markt mit

„Es ist viel Bewegung im Markt. Wir sehen wieder eine erhöhte Anzahl an Portfolios, die von Investoren geprüft wird“, sagt Malte Maurer (Foto), Leiter Residential Investment Jones Lang Lasalle Deutschland.

Auf Käuferseite sieht er sowohl Family Offices und wohlhabende Privatanleger als auch Fonds, Versicherungen, Pensionskassen und Private-Equity-Gesellschaften.

Auch Emissionshäuser haben den Wohnungsmarkt im vergangenen Jahr wieder entdeckt und bieten verstärkt Wohnimmobilienfonds an.

„Auf deutsche Investoren entfallen im ersten Halbjahr über 70 Prozent der Transaktionen. Ausländische Käufer stellen allerdings die Mehrheit bei den großen Deals“, so Maurer. Nach Transaktionsvolumen liegt der Ausländer-Anteil laut BNP Paribas Real Estate bei 50 Prozent.

Reichhaltiges Angebot, aber Engpässe bei Qualitätsimmobilien

Die wieder anziehende Nachfrage trifft auf ein reichhaltiges Angebot: „Die prognostizierten Exit-Strategien der Portfoliokäufer aus den Jahren 2004 bis 2007 und die Kreditsituation bei den Banken sorgen für sehr gute Aussichten auf dem Anbietermarkt“, so Maurer.

Allerdings sieht er durchaus Engpässe bei Qualitätsimmobilien. Für das Gesamtjahr 2010 rechnet er mit Transaktionen im Wert von 4 Milliarden Euro – deutlich mehr als im Vorjahr.

„Auch wenn das Transaktionsvolumen noch weit von den Rekordumsätzen der Boomjahre entfernt ist, setzt sich der seit Mitte 2009 zu beobachtende positive Trend unvermindert fort“, stimmt Oliver Schötz-van der Hoff (Foto) zu.

Zahlen wie im Jahr 2005 erwartet der Director National Residential Investment von BNP Paribas Real Estate allerdings nicht so schnell wieder. „Die Milliarden-Deals stellten eine Sondersituation dar.“ 

Lockmittel: Sichere Cashflows, geringe Volatilität, stabile Renditen

Attraktiv sind Wohnimmobilien durchaus: Der Immobiliendatenbank IPD zufolge schlägt die Rendite aus deutschen Wohnimmobilien schon im siebten Jahr die Rendite aus Büroobjekten.

2009 haben die von IPD befragten Investoren im Schnitt 5,3 Prozent mit Wohnanlagen verdient, 4,2 Prozent kamen aus den Mieten, 1,0 Prozent aus dem Wertzuwachs des Objekts.  Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre liegt die Rendite bei 4,4 Prozent.

Kein Wunder, dass das Interesse an Wohnimmobilien weiter merklich anzieht. Viele institutionelle Investoren wollen ihr Engagement dort ausweiten.

Nachgefragt werden sowohl relativ einfache, aber gut vermietete Bestände, als auch hochwertige Projektentwicklungen in guten Lagen.

Schötz-van der Hoff: „Sichere Cashflows, geringe Volatilität und stabile Renditen machen diese Assetklasse vor dem Hintergrund der nach wie vor unsicheren Situation auf den internationalen Kapitalmärkten zunehmend attraktiv.“

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