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Vorstände der Initiative Frida im Gespräch „Wollen offene Schnittstellen im Versicherungswesen etablieren“

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Nennen Sie mal Beispiele.

Kretz: Das kann eine Financial-Home-App sein. Oder ein Renten-Cockpit, also ein Überblick über alle Einkünfte, die im Rentenalter zu erwarten sind. Oder beispielsweise eine Nachlass-Plattform. Oder der einfache Austausch von Versicherungsdaten bei Verkehrsunfällen. Wir denken aber auch in die umgekehrte Richtung.

Das heißt?

Pantelic: Nehmen wir zum Beispiel Cyber-Versicherungen. Versicherer könnten Daten, die auf anderen Plattformen erhoben wurden, sinnvoll für Gewerbekunden einsetzen. Damit die Versicherer aber etwas mit diesen Daten etwas anfangen können, müssten diese wiederum standardisiert übermittelt werden.

Aber behagt das den Kunden, wenn ihre Daten so nahtlos abgerufen werden können?

Pantelic: Unsere Initiative stellt die Endverbraucher in den Mittelpunkt. Diese bestimmen, wer auf die jeweiligen Daten zugreifen darf. Die Daten sollen dort verfügbar sein, wo sie nützlich sind. Die Kundinnen und Kunden können aber jederzeit entscheiden, wem sie den Zugriff gewähren.

Kretz: Im Finanzbereich sind Banken gemäß PSD-II-Richtlinie verpflichtet, Daten in einem bestimmten Format zu liefern. Und auch Drittanbieter, die die Daten nutzen wollen, werden kontrolliert. Sie müssen sich von der Bafin zertifizieren lassen. Am Ende des Tages entscheidet auch dort allein der Nutzer, wem er den Zugriff gewährt.

Die PSD-II-Richtlinie aus dem Bankensektor ist ein Regulierungsinstrument und damit für alle Beteiligten verpflichtend. Ihre Initiative dagegen kommt aus der Privatwirtschaft.

Kretz: Es gab auch im Bankenbereich schon vor PSD II Schnittstellen-Standards, für die sich Institute aus eigenem Antrieb zusammengeschlossen haben.

Bei Frida ist die Teilnahme von Unternehmen aber freiwillig. Was schätzen Sie: Werden alle Versicherer mitmachen?

Pantelic: Bei Frida müssen die Unternehmen zwar nicht mitmachen. Und auch wer selbst nicht mitmacht, soll trotzdem auf die offenen Schnittstellen zugreifen können. Wir meinen aber: Wer sich verschließt, wird kurz- oder mittelfristig den Anschluss verlieren. Denn Kunden wollen nicht mehr monatelang warten, bis Daten übermittelt werden. Als Versicherer muss ich dort sein, wo sich meine Zielgruppe tummelt. Sonst verliere ich den Kampf. Wir sind schließlich in einem Verdrängungsmarkt.

Kretz: Wir fördern den Standard, weil wir meinen, dass jeder Partner langfristig etwas davon hat. Der Grund, warum einige Unternehmen so erfolgreich sind, ist Offenheit. Ich kann doch zum Beispiel auch auf mein Smartphone Apps von unterschiedlichen Anbietern laden, nicht nur von Apple oder Google entwickelte.

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