Beim Hausbau können viele Fehler passieren. Mit einer professionellen Kontrolle kann man Kosten zur späteren Behebung von Mängeln vermeiden. (Foto: Getty Images)

Beim Hausbau können viele Fehler passieren. Mit einer professionellen Kontrolle kann man Kosten zur späteren Behebung von Mängeln vermeiden. (Foto: Getty Images)

Worauf Bauherren achten sollten

Der Traum vom Eigenheim wird für viele Bauherren zu einem Geduldsspiel: Selbst wenn die Immobilie endlich fertig ist, können dem Glück noch etliche Mängel im Wege stehen, die mitunter nicht sofort auffallen. Das liegt auch daran, dass Bauherren bei der Baukontrolle oftmals auf den Bauleiter des Schlüsselfertiganbieters vertrauen. Der Bauleiter steht allerdings im Dienste des Bauunternehmens und nicht des Bauherren. Entsprechend gering ist sein Interesse, durch häufige und umfangreiche Kontrollen den Baufortschritt zu verzögern.

Im Schnitt 24.200 Euro müssen Bauherren später aufwenden, um diese übersehenen Mängel beheben zu lassen. Diese stattliche Summe hat der Verband Privater Bauherren (VPB) bei einer Umfrage unter seinen bundesweit tätigen Regionalbüros ermittelt. Dabei handelt es sich nur um Mängel, die durch Schlampigkeit und mangelnde Kontrolle entstanden sind.

Diese Kosten, durchschnittlich immerhin der Gegenwert eines Mittelklassewagens, können laut VPB durch regelmäßige Kontrollen der Schlüsselfertig-Baustelle durch unabhängige Sachverständige vermieden werden. Es gibt dabei keine feste Anzahl, wie oft eine Baustelle sinnvollerweise kontrolliert wird – das hängt vor allem von der Sorgfalt der Baufirma sowie der Kommunikation und Kooperation mit dem Schlüsselfertig-Anbieter ab. Der VPB empfiehlt fünf bis sechs Termine als Richtgröße.

Zuzüglich Anfahrtskosten verlangen die Bausachverständigen dafür im Durchschnitt 13 Stunden Honorar, rechnet der Verband vor. Bei einem Stundensatz um einhundert Euro fallen für eine lückenlose Baubetreuung also im Durchschnitt Kosten von rund 1.300 Euro an - nicht mal ein Zehntel dessen, was die nachträgliche Beseitigung der Mängel kosten würde. Von dem ersparten Ärger ganz zu schweigen.

Zu den häufigsten Schäden zahlen der VPB-Umfrage zufolge Abdichtungs-Probleme. Häufig kündigt sich der spätere Ärger bereits im Vertrag an: Hat der Schlüsselfertiganbieter kein Baugrund-Gutachten vorgesehen, kann er auch die Bodenverhältnisse nicht kennen. Die sind aber elementar für die Planung und technische Ausführung des Kellerbaus, also auch dafür, wie der Keller gegen Feuchtigkeit und vielleicht sogar drückendes Grundwasser geschützt werden muss. Ohne Baugrundgutachten gibt es hier jedoch keine Klarheit. Mit etwa 1.000 Euro für ein solches Gutachten lässt sich dieser Gefahrenherd eliminieren.

Ebenfalls zum Thema Abdichtung gehört ein weiterer klassischer Fehler. Korrekterweise wird die Bodenplatte mit einer Schweißbahn abgedeckt. Darauf kommen die Installation und der schwimmende Estrich. Auf vielen Baustellen liegt die Schweißbahn allerdings monatelang offen. Jeder läuft darüber, lässt Nägel und Schrauben fallen, die sich festtreten und Risse und Löcher begünstigen. Die werden aber oft nicht entdeckt, weil niemand mehr zum Schluss die Folie säubert und prüft. Das muss aber gemacht werden, wissen die Experten des VPB.

Problembehaftet ist bei vielen Neubauten auch die Luftdichtigkeit. Das zeigt sich spätestens beim Blower-Door-Test mit Thermografie – sofern diese Untersuchung zum Schluss überhaupt durchgeführt wird. Dabei wird überprüft, wie gut das Gebäude abgedichtet ist.

Auch mit Wärmedämmverbundsystemen können längst nicht alle Firmen umgehen, kritisieren die VPB-Berater, ebenso wenig wie mit Dampfbremsen. Sie werden oft falsch eingebaut und mit billigem Klebeband fixiert.

Doch auch grundlegende Bautätigkeiten wie das Mauern scheinen eine immer größere Hürde darzustellen. So finden sich Fugen mit wenig oder ganz ohne Mörtel, teilweise wird statt Mörtel einfach Bauschaum verwendet.

Immer wieder entdecken die VPB-Berater auch Mauern mit einem zu geringen sogenannten Überbindemaß. Das bedeutet: Die Steine in den einzelnen Lagen überlappen einander nicht ausreichend weit. Aus Sicht der Statik ist das für eine standfeste Mauer jedoch unabdingbar.

Doch auch wenn die Mauer richtig gezogen wurde, bleiben Risiken für die Statik. Die gehen insbesondere von Installateuren aus, die nach Belieben Mauern aufschlitzen und Rohre wie Leitungen nicht selten mit Bauschaum fixieren.

Solche Baumängel fallen in der Regel nur dann auf, wenn die Baustelle konsequent kontrolliert wird, und der Kontrolleur auch ein Interesse an der Beseitigung der Mängel hat. Ist erst einmal Putz auf den offenen Fugen oder das Erdreich rings um den Keller gefüllt, dauert es, bis man die Mängel bemerkt. „Sie sind aber da - und die Schäden kommen garantiert“, erklärt der VPB.

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