Budgettarife auf dem Vormarsch

Das leisten sogenannte Budgettarife, deren Zahl in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. „Bezogen auf die Monatsbeiträge konnten wir unser Neugeschäft im ersten Halbjahr 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verdoppeln”, erklärt Jan Esser, Produktvorstand der Allianz Private Krankenversicherung (APKV). Dabei machten die Budgettarife laut Esser rund die Hälfte der neuen Verträge aus. „Der Vorteil von Budgettarifen liegt in ihrer Einfachheit“, sagt Frauke Fiegl, Vorstandschefin der Ergo Krankenversicherung und Vorstandsmitglied der Ergo-Tochter DKV Deutsche Krankenversicherung. Zeitgemäße Budgettarife haben ein fixes Budget, welches jede Person nach ihren Bedürfnissen in verschiedenen Leistungsarten wie Sehhilfen, alternative Medizin oder Zahnreinigung einsetzen kann. „Vorsorgeleistungen und Leistungen im Zahnbereich sind dabei besonders beliebt“, so die bKV-Spezialistin. „Darüber hinaus reduzieren Firmenchefs mit bKV nicht nur die Ausfallzeiten ihrer Mitarbeiter, sondern positionieren sich auch als sozialer Arbeitgeber", ergänzt Kristina Pankonin, Leiterin Produktmanagement bei der Münchener Verein Versicherungsgruppe. Das wirke sich positiv auf ihre Nachhaltigkeit aus.

Auch die Auswertungen vom PKV-Verband bestätigen den Trend zur betrieblichen Vorsorge. Demnach haben Ende 2022 rund 22.300 Unternehmen ihren Mitarbeitern eine betriebliche Kranken- oder Pflegeversicherung angeboten. Damit hat sich die Zahl der Betriebe seit 2015 mehr als vervierfacht (siehe Grafik oben). Mit der Zahl der Unternehmen steigt auch die Zahl der Beschäftigten, die von einer solchen Absicherung profitieren, kontinuierlich. Ende 2022 hatten knapp 1,8 Millionen Personen eine betriebliche Kranken- oder Pflegeversicherung. Gegenüber 2018 ist das ein Plus von rund einer Million bKV-Kunden.

Allianz und Barmenia Top

Auch die Zahl der Tarifangebote wächst. Welche Anbieter dabei besonders hohe bKV-Kompetenz mitbringen, zeigt ein Rating des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP). Die Analysten bewerteten die sogenannte bKV-Kompetenz der Versicherer anhand von mehr als 70 Kriterien, die vor allem die Unternehmenskultur betreffen und in vier Teilbereiche gegliedert sind: Beratung, Vertragsgestaltung, Service & Verwaltung und das Produktportfolio. Von den 14 untersuchten Gesellschaften schneiden sieben im IVFP-Rating in Sachen bKV-Kompetenz mit der Bestnote „exzellent“ ab. Dazu zählen Hallesche, Allianz, die Ergo-Tochter DKV, Axa, Gothaer, Bayerische Beamtenkrankenkasse und R+V. Fünf weitere Anbieter erhalten die zweitbeste Note „sehr gut“.

Hallesche und Allianz sind außerdem bei den Maklern besonders beliebt. Das zeigt eine Befragung der Makler-Genossenschaft Vema unter ihren Mitgliedern. Dabei sollten die befragten Makler die Anbieter nennen, mit denen sie bei der betrieblichen Vorsorge am liebsten zusammenarbeiten. In der bKV landet Hallesche mit 25,2 Prozent der Nennungen auf Rang 1, mit Abstand gefolgt von Allianz (18,2 Prozent) und Barmenia (16,3 Prozent). Bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) setzen die Makler in erster Linie auf Allianz (25,7 Prozent). Es folgen Alte Leipziger und Canada Life mit 14,5 beziehungsweise 8,5 Prozent der Stimmen.

Die arbeitgeberfinanzierte bAV erlebe derzeit eine Renaissance, erklärt Ulrike Taube, die im Vorstand der Ergo Vorsorge Lebensversicherung die betriebliche Altersversorgung verantwortet. Das bestätigt auch eine Untersuchung des Beratungsunternehmens WTW. Für Makler und Mehrfachagenten ist bAV demnach das zweitwichtigste Produkt im Neugeschäft mit Lebensversicherung. Lediglich mit privater Altersvorsorge (pAV) erwirtschaften sie noch mehr Umsatz. Nach eingelöstem laufendem Beitrag für ein Jahr betrug im Jahr 2021 der Anteil der bAV bei den Maklern und Mehrfachagenten 36 Prozent. Damit liegt er nur knapp unter dem Anteil der pAV (42 Prozent). Bei Einfirmenvermittlern ist der bAV-Anteil mit etwas über einem Viertel (27 Prozent) geringer und die Bedeutung der pAV mit 57 Prozent deutlich höher (siehe Grafik rechts ).

Sozialpartnermodell gestartet

Doch was muss eine bAV mitbringen, um die Mitarbeiter tatsächlich ans Unternehmen zu binden? „Sie muss für Arbeitnehmer und -geber, aber auch für Vermittler, einfach und verständlich sein, eine gute Absicherung im Alter bieten und gemäß ESG-Kriterien nachhaltig ausgerichtet sein“, sagt Taube. Dabei können Arbeitgeber zwischen fünf Durchführungswegen wählen: Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse oder direkte Pensionszusage, für die das Unternehmen Pensionsrückstellungen in der Bilanz bildet.

Mit steigender Inflation geraten Unternehmen, die sich für die letztere Option entscheiden und ihren Mitarbeitern Betriebsrenten per Direktzusage gewähren, gleich von zwei Seiten unter Druck. Das zeigen Analysen des Beratungsunternehmens Aon. Denn einerseits müssen diese Firmen ihre langfristigen Trendannahmen zur Gehalts- und Rentenentwicklung inflationsbedingt erhöhen. Andererseits jedoch ist der für die Berechnung der Rückstellungen maßgebliche HGB-Rechnungszins immer noch niedrig. Anhand des Rechnungszinses wird ermittelt, welche Rendite Geldanlagen bringen, die für Betriebsrenten zur Seite gelegt werden. Je niedriger er ist, umso höher werden deshalb die notwendigen Rückstellungen.