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Yellens Abschiedsgeschenk Das sagen Experten zu den erhöhten US-Zinsen

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Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank

Das war Janet Yellens letzter großer Auftritt als Notenbankpräsidentin. Janet Yellen verabschiedet sich mit einem Weihnachtsgeschenk an die US-amerikanischen Sparer. Der Leitzins wird um 25 Basispunkte angehoben. Das Zielband für die Federal Funds liegt damit zwischen 1.25 Prozent und 1.50 Prozent. Die solide wirtschaftliche Entwicklung und eine Inflationsrate von über 2 Prozent rechtfertigten den Zinsschritt. Risiken für einen weiteren Anstieg der Teuerungsanstieg bestehen zwar, allerdings ist keine Gefahr in Verzug. In Anbetracht einer guten Beschäftigungssituation ist ein spürbarer Anstieg der Löhne und in weiterer Folge ein Anstieg der Inflationsrate eigentlich schon lange überfällig, doch weder die Arbeitnehmerentgelte noch die Teuerungsraten legten deutlich zu. Der neue US-Notenbankpräsident Jerome Powell wird nach seiner Amtsübergabe im Februar deshalb erst einmal Ruhe walten lassen. Der neue Fed-Chef wird die Lage an der Inflationsfront wohl erst längere Zeit beobachten, ehe er mit einer weiteren Zinsanhebung aufwartet. Janet Yellen gebührt derweil Respekt. Die Grande Dame der Notenbank hat das geldpolitische Wendemanöver vollzogen ohne die Märkte auf Talfahrt zu schicken. Diese Meisterleistung wird in die Geschichtsbücher eingehen.

Ronald Temple, Leiter für US-Aktien bei Lazard Asset Management

Die heutige Anhebung des Leitzinses und die Hinweise zur künftigen Geldpolitik boten kein Überraschungspotenzial. Viel wichtiger ist, wer 2018 einen Sitz im Vorstand der US-Notenbank übernehmen wird und wie sich das auf deren Politik auswirken wird. 2018 ändert sich die Zusammensetzung der stimmberechtigten Mitglieder im Offenmarkt-Ausschuss. Zudem werden drei Sitze im Vorstand der Fed frei und müssen neu besetzt werden. Zählt man den Sitz der derzeitigen Notenbank-Cefin Yellen mit, sind es sogar vier. Diese Änderungen könnten den geldpolitischen Kurs wesentlich beeinflussen.

Janet Yellen ist es hervorragend gelungen, mit dem Gegenwind umzugehen, der einer Fed-Chefin entgegenweht. Die größten Herausforderungen für die Fed liegen künftig darin, bei der Inflation die Zielmarke von zwei Prozent zu erreichen, die Konsum-Erholung des Mittelstands nicht zu gefährden und die systemischen Risiken durch eine kluge Makro-Politik zu entschärfen. All dies kann erreicht werden. Aber nur, wenn sich die Fed stärker auf tatsächliche Daten konzentriert als auf theoretische Modelle. Zudem muss sie in vollem Maße anerkennen, wie sehr die derzeitige Erholung von früheren Erfahrungen abweicht. Die Vereinigten Staaten können das Wachstum noch mehrere Jahre aufrechterhalten, sofern die Geldpolitik ausreichend expansiv bleibt.

Von Jerome Powell als neuem Präsidenten der US-Notenbank erwarten wir Kontinuität. Eine Vorhersage ist jedoch schwierig angesichts der sich verändernden Stimmverhältnisse im Offenmarkt-Ausschuss sowie angesichts von vier neuen Mitgliedern im Fed-Vorstand. Mit Blick auf die Zukunft ist entscheidend, wie sehr die Mitglieder des Offenmarkt-Ausschusses bereit sind, auf die nächste Rezession mit unkonventionellen Mitteln zu reagieren, sollten Inflation und Zinssätze auf historisch niedrigen Niveaus bleiben. Ebenso wichtig ist die Frage, ob sie angesichts der Herausforderungen durch langsames Wachstum, niedrige Inflation, niedrige Zinsen und geringe Erwerbsbeteiligung bereit sind, neue Ziele in Betracht zu ziehen, um ihren doppelten Auftrag zu erfüllen.

Rudolf Besch, Volkswirt bei der Deka Bank

Die Fed hat beim Zinsentscheid gestern Abend erwartungsgemäß ihr Leitzinsband um 25 Basispunkte in den Bereich 1,25 Prozent bis 1,50 Prozent angehoben. Dieser Zinsschritt war seit mehreren Monaten von den FOMC-Mitgliedern kommunikativ gut vorbereitet worden.

Die geänderten makroökonomischen Projektionen deuten an, dass diese im Angesicht einer bevorstehenden Steuersenkung im kommenden Jahr von den FOMC-Mitgliedern angepasst wurden. Hierbei wurde das Wirtschaftswachstum der kommenden Jahre nach oben und die Arbeitslosenquote nach unten revidiert. Unverändert blieb der Ausblick für die Inflation. Eine leichte Aufwärtskorrektur gab es bei den Leitzinserwartungen für Ende 2020.

In der anschließenden Pressekonferenz von Janet Yellen standen ebenfalls die Auswirkungen der Steuersenkungen im Fokus.

Wir erwarten derzeit nur zwei weitere Leitzinsschritte im kommenden Jahr und begründen dies weniger mit unserem makroökonomischen Ausblick. Bedeutsamer ist vielmehr, dass ein deutlich strafferer geldpolitischer Kurs zu (aus Fed-Sicht) unerwünschten Finanzmarkturbulenzen führen würde (Den gesamten Bericht können Sie hier als PDF herunterladen).

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