Zantke: „Euro-Bonds sind absoluter Humbug“

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DAS INVESTMENT.com: Was würden Euro-Bonds Deutschland kosten im Vergleich zur herkömmlichen Bundesanleihe?

Zantke: Eine genaue Bezifferung ist aufgrund mangelnder Erfahrung extrem schwierig. Es wird uns vor allem unsere finanzpolitische Souveränität, unsere sehr gute Bonität und am Ende unsere hervorragende Position in der Weltwirtschaft kosten.

Es ist ja bei weitem nicht so, dass wir keine finanziellen Probleme hätten. Schauen Sie in einige Städte und Gemeinden in Deutschland, denen es weit schlechter geht, als einigen Schuldenländern. Der Sparwille wird hierzulande komplett unterwandert.

Außerdem werden die finanziellen Probleme im Zuge der demografischen Entwicklung in Deutschland auch ohne Transferunion in den kommenden Dekaden zu einer enormen Ausweitung des Staatsdefizits führen. Der finanzielle Spielraum zur Lösung dieser Probleme wird nicht mehr vorhanden sein.

DAS INVESTMENT.com: Die Einführung von Euro-Bonds angenommen: Muss es dann überhaupt noch Anleihen einzelner  Mitgliedsstaaten geben?

Zantke: Ein Ja-Nein-Vielleicht aus Berlin können die Märkte wirklich nicht mehr gebrauchen: Wenn Euro-Bonds, dann mit allen Konsequenzen einer gemeinsamen Finanz-, Wirtschafts- und Steuerpolitik. Der Vorschlag der Opposition, nur 60 Prozent der Wirtschaftsleistung über Euro-Bonds finanzieren zu dürfen, zeigt den Populismus und  mangelnden Sachverstand in der Debatte.

DAS INVESTMENT.com: Wer sollte die einzelnen Mitgliedsstaaten zur Haushaltsdisziplin zwingen? Der Markt, die EU-Kommission?

Zantke: Niemand kann die nationalen Staaten zu etwas zwingen. Glauben Sie, dass Herr Berlusconi sich Vorschriften aus Brüssel machen lässt? Die Regierungschefs haben vor dem Markt kapituliert und durch ihr zögerliches Handeln quasi erklärt: Jede Bank, jedes Euro-Mitgliedsland ist systemisch wichtig und wird in jedem Fall zur Rettung des Euros gestützt. Auch die von Finnland kürzlich geforderten Sicherheiten wurden abgeschmettert. Vertraglich festgelegte Defizit- und Schuldengrenzen wurden auch schon in der Vergangenheit nicht eingehalten. Warum sollte dies nun der Fall sein? Griechenland führt aller Voraussicht nach in diesem Jahr das Defizit nicht zurück, sondern baut es sogar noch aus.

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