Zaubermeisters Alptraum

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O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Für Thomas Pethofer wurde im Oktober jener Alptraum wahr, der einst Goethes „Zauberlehrling“ widerfuhr: Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los. Der mittlerweile geschasste Leiter des Aktienfonds-Managements bei Ampega Gerling hatte versucht, den anhaltenden Kursverlusten an den Börsen mit einer auf Derivaten basierenden Absicherungsstrategie zu begegnen – und sich dabei mächtig verspekuliert. Doch weil Pethofer kein Lehrling, sondern der zuvor lange erfolgreiche Meister höchstpersönlich war, blieb das Happy End aus: Die von ihm betreuten Fonds verloren dramatisch an Wert. Am schlimmsten erwischte es den Gerling Deutschland, dessen Anteilspreis seit Jahresanfang 75 Prozent einbüßte. Ampega Gerling zufolge hat Pethofer beim Gerling Deutschland gegen keinerlei Auflagen verstoßen. Ein Ausgleich aus eigenen Mitteln komme deshalb – anders als bei fünf anderen betroffenen Fonds – nicht in Betracht. Die Botschaft für Anleger und Berater ist eindeutig: Wer im Derivate-Zeitalter Investmentfonds in die Altersvorsorge einbaut, muss grundsätzlich mit dem größten anzunehmenden Unfall rechnen – und das Geld so breit wie möglich über verschiedene Fonds verschiedener Zaubermeister streuen. 

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