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in AnalysenLesedauer: 10 Minuten

Tipps vom Steuer- und Anlageexperten Zeitwertkonten – worauf bei der Beratung zu achten ist

Mitarbeiter in einer Produktionshalle
Mitarbeiter in einer Produktionshalle: Kleine und mittlere Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern noch selten Zeitwertkonten an. Dabei ist das ein interessantes Feld für Finanzberater, meint Sauren-Experte Andreas Beys. | Foto: imago images/Westend61

Die Arbeitswelt hat sich in den letzten 30 Jahren in Deutschland deutlich gewandelt. Ein attraktives Gehalt steht bei Fachangestellten immer seltener auf der Prioritätsliste ganz oben. Dagegen genießt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Freizeit und Arbeitszeit heute eine mindestens gleich hohe Priorität. Moderne und zukunftsorientierte Unternehmen haben dies längst verstanden und bieten ihren Mitarbeitern daher auch ein Zeitwertkontenangebot an – oder planen eines einzuführen. Das primäre Motiv dafür ist die verbesserte Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern. Gerade mit gut organisierten Zeitwertkontenmodellen lassen sich die Wünsche der Unternehmen und der Mitarbeiter effektiv und für beide Seiten sehr lohnenswert umsetzen.

Andreas Beys
Andreas Beys © Sauren

Leider halten kleinere bis mittlere Unternehmen ein solches Angebot noch immer relativ selten vor. Häufigster Hinderungsgrund ist in der Regel, dass Zeitwertkontenmodelle komplex sind und einen hohen Aufwand verursachen können. Es gibt aber einige entscheidenden Faktoren, die den Aufwand für Unternehmen deutlich schlanker machen – und gleichzeitig für angemessene Renditen der Kapitalanlage sorgen können. Eine wichtige Rolle spielen dabei professionelle und moderne Zeitwertkontendienstleister.   

Zeitwertkonten – die Idee

Mit einem Zeitwertkonto ermöglichen Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Freiheiten im Laufe des Arbeitslebens. Es lassen sich Gehaltsanteile, Sonderzahlungen oder Überstunden sowie Resturlaubstage einzahlen. Das angesparte Guthaben können Mitarbeiter dann je nach Absprache mit dem Unternehmen zum Beispiel für Auszeiten für Familie und Kinder oder pflegebedürftige Angehörige, für Weiterbildung oder einen früheren Rentenstart verwenden.

Als besonders reizvoll wird dabei immer der Vorteil herausgearbeitet, dass sich die obigen Gehaltsbestandteile in der Einzahlungsphase steuer- und sozialversicherungsfrei auf das Zeitwertkonto einzahlen lassen. Zusätzlich wird auch noch der vom Arbeitgeber eingesparte Arbeitgeberanteil auf die Sozialversicherungsbeiträge auf das Zeitwertkonto des Mitarbeiters eingezahlt. Dadurch findet eine Art Bruttosparen mit automatischem Arbeitgeberzuschuss während der Arbeitszeit statt.

Würde ein Mitarbeiter stattdessen auf privater Ebene Rücklagen für eine Arbeits-Auszeit oder einen früheren Rentenbeginn ansparen, so könnte er dies nur mit bereits versteuertem und gegebenenfalls sozialversicherungsbelastetem Einkommen aufbauen. Eine angenommene Rendite von 5 Prozent auf 120 Euro (100 Euro brutto plus grober Arbeitgeberanteil Sozialversicherung) ergibt absolut eine höhere Eurorendite als 5 Prozent auf 50 Euro (hier wird unterstellt, dass bei Auszahlung von 100 Euro brutto nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen nur 50 Euro für eine Anlage im Privatvermögen zur Verfügung stehen). 

Anders verhält es sich in der Verwendungsphase. Damit ist die Freistellungsphase gemeint, in der die Beträge dem Zeitwertkonto wieder entnommen werden. Sie werden dann als Gehaltszahlung abzüglich Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen den Mitarbeitern ausgezahlt. Diese können im Gegenzug die mit dem Unternehmen vereinbarte Auszeit nehmen. Hier sind die Abzüge im Vergleich zur Auszahlung aus dem privaten Rücklagedepot deutlich höher, da in der Regel die obigen Abzugsbeträge am Ende auf den Gesamtbetrag des Zeitwertkontoguthaben anfallen. Beim privaten Rücklagendepot wird dagegen die Auszahlung nur auf den Vermögenszuwachsteil belastet, mit derzeit maximal 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus Soli und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Ob der Weg über das Zeitwertkonto netto am Ende tatsächlich für den Mitarbeiter in der Renditenachsteuerbetrachtung von Vorteil ist, lässt sich im Vorfeld nicht sicher prognostizieren. Denn verschiedene Faktoren wie zum Beispiel die Anlagemöglichkeiten können die Ergebnisse stark beeinflussen. Einen Vorteil hat der Weg über das Zeitwertkonto aber auf jeden Fall: Man zahlt weiterhin – auch in den Auszeiten – in die Sozialversicherungssysteme wie die Rentenversicherung ein. Dadurch gehen auch keine wichtigen Rentenversicherungspunkte verloren.    

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