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Zertifikate bekommen Vergleichsindizes

Die Frankfurter Börse für strukturierte Produkte Scoach und die European Derivatives Group (EDG) haben für die wichtigsten Zertifikategattungen Vergleichsindizes konzipiert. Die Barometer sollen verdeutlichen, wie sich unterschiedliche Produktarten in verschiedenen Börsenphasen entwickeln und können als Benchmark für anderen Investments oder Zertifikatefonds dienen.

Zunächst werden vier Indizes mit jeweils 20 Zertifikaten auf täglicher Basis berechnet. Die Barometer für Bonus-, Discount- und Outperformance-Zertifikate setzen sich aus Produkten zusammen, die den Euro Stoxx 50 als Basiswert haben. Der Garantie-Index kann zudem auch Zertifikate auf Aktienbasiswerte enthalten. Bei allen Indizes werden ausschließlich klassische Produktvarianten berücksichtigt, Weiterentwicklungen wie zum Beispiel Rolling-Discout-Zertifikate oder Capped-Bonus-Zertifikate werden nicht mit einbezogen.

Für die Auswahl der Indexbestandteile werden die aktuell in den einzelnen Kategorien verfügbaren Produkte nach verschiedenen Merkmalen wie der Laufzeit oder Lage der enthaltenen Optionskomponenten in Gruppen (Cluster) aufgeteilt. Die Gewichtung der Cluster basiert auf den tatsächlich investierten Anlagegeldern, wobei Cluster mit höhern Volumina stärker gewichtet werden. Abschließend wird pro Cluster ein „repräsentatives Produkt“ ausgewählt, bei stark gewichteten Clustern können es auch mehrere sein. Werden derzeit beispielsweise verstärkt Bonuszertifikate mit hohen Sicherheitspuffern nachgefragt, nehmen diese auch einen vergleichsweise hohen Anteil im Index ein.

Sichtbar wird die marktgerechte Gewichtung zum Beispiel im Verlauf des Discount-Index. So bevorzugten Anleger in letzter Zeit vor allem Discount-Papiere, deren Cap weit unter dem Kurs des Basiswertes liegt. Diese Produkte bieten einen besonders hohen Schutz vor fallenden Kursen, begrenzen auf der anderen Seite jedoch auch relativ stark die maximal erreichbare Rendite. Dieses sicherheitsorientierte Anlegerverhalten ist der Grund dafür, dass der Discount-Index die Verluste des Euro Stoxx 50 zwischen Januar und September 2008 gut abfedern konnte und kaum Einbußen verzeichnete. Im Zuge der jüngsten Kursstürze wurden die Risikopuffer jedoch aufgebraucht und der Zertifikate-Index folgte dem Euro Stoxx 50 auf dem Weg nach unten.

Der Deutsche Derivate Verband (DDV) unterstützt die Einführung der Zertifikate-Indizes: „Die Initiative bietet den privaten Anlegern einen großen Nutzen“, so Lars Brandau, Geschäftsführer des DDV. „Die neuen Indizes beschreiben anschaulich und verständlich ein komplexes Thema wie die Performance von Zertifikaten. Anleger können anhand der Indizes die Wertentwicklung ihrer Zertifikate mit einem geeigneten Bewertungsmaßstab vergleichen. Dies verbessert die Markttransparenz nachhaltig.“