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Emerging Markets Zinsanstieg bietet Chancen für Schwellenländer-Investoren

Lake Villarrica in Pucon, Chile
Lake Villarrica in Pucon, Chile: Das südamerikanische Land bietet Anlegern positive Realrenditen. | Foto: Imago Images / ZUMA Wire
Xavier Hovasse, Carmignac

Während globale Aktien 2021 das dritte Jahr in Folge robuste Renditen einstrichen und der MSCI World Index auf US-Dollar-Basis um fast 22 Prozent zulegte, ging der MSCI Emerging Markets Index um mehr als 2 Prozent zurück. Betrachtet man die 25 im MSCI Emerging Markets Index enthaltenen Schwellenländer separat, zeigen sich jedoch enormen Unterschiede bei der Wertentwicklung – mit Gewinnen von bis zu 55 Prozent in Tschechien und Rückgängen von bis zu 28 Prozent in der Türkei.

Xavier Hovasse, Fondsmanager des Carmignac Emergents und Head of Emerging Equities, bleibt für Aktien aus den Schwellenländern daher optimistisch. „Es war gar nicht so ein schlechtes Jahr, es war ein schlechtes Jahrzehnt. Der Markt hat sich bei Aktien in den Schwellenländern fast aufgegeben. Dennoch bleiben die Schwellenländer nach wie vor der Teil der Welt mit den stärksten Wachstumsraten – vor allem im Bereich Technologie.“

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Chancen für Aktienanleger in China

Aus Sicht von Hovasse sind die Aktienmärkte der Schwellenländer somit weiterhin sehr attraktiv. Gerade in China gebe es heute am meisten Chancen. Da große Unternehmen wie Alibaba und JD.com neben der New Yorker auch an der Hongkonger Börse notiert sind, schätzt er die kritische Haltung der USA gegenüber China für ausländische Investoren nicht als problematisch ein.

Gleiches gilt für die verschärfte Regulierung: „Dass es jetzt Regeln in China gibt, bedeutet nicht, dass man keinen Wertzuwachs mehr erzielen kann“, betont der Fondsmanager. „Es ist ganz normal, dass China die Verbraucher schützen will und deshalb keine Monopolunternehmen möchte. Ich glaube, dass Regulierungen, wie wir sie heute in China beobachten, in den kommenden zehn Jahren auch woanders eintreten werden.   

Gute Unternehmen gibt es nach Hovasse Einschätzung aber auch in Südkorea: „Das Batterieunternehmen LG Chem und Samsung sind da zum Beispiel ganz hervorragend.“

Schwellenländer bieten positive Realrenditen

Joseph Mouawad, Carmignac

Gute Chancen in Südkorea sieht auch Joseph Mouawad, Fondsmanager des Carmignac Portfolio EM Debt und des Carmignac Portfolio Emerging Patrimoine. „Südkorea war das einzige Land in Asien, das seine Geldpolitik 2021 schon gestrafft hat“, erläutert der Anleiheexperte. „Es gab schon drei Leitzinsanhebungen durch die koreanische Zentralbank. Das Land bietet jetzt ein AA-Rating mit positiven Realzinsen. Etwas, das man mit der entwickelten Welt und den immer noch negativen Realzinsen gar nicht vergleichen kann.“

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Solide Fundamentaldaten und positive Auswirkungen der Inflation beobachtet Mouawad auch in Chile: „Letztes Jahr gab es dort aufgrund der Präsidentschafts- und der Parlamentswahl etwas Volatilität. Heute bieten chilenischen Anleihen mit einem A-Rating jedoch 6,5 Prozent Rendite bei einem Inflationsziel von 3 Prozent. Das bedeutet Realzinsen von 3,5 Prozent – eine absolute Seltenheit im Universum der hochwertigen Anleihen.“

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Inflation kommt Exporteuren zugute

Das A und O für Mouawad, um in den Schwellenländern Performance zu erzielen? „Ganz eindeutig: Die Auswahl der Länder“, sagt der Fondsmanager. „Selektivität ist der Schlüssel im Bereich der Schwellenmärkte, das haben wir am Beispiel Türkei gesehen. Das war letztes Jahr das Land, wo man auf keinen Fall anlegen durfte.“

Vor einer Situation wie beim Taper Tantrum 2013 fürchtet Mouawad sich trotz des bevorstehenden Zinsanstiegs in den USA nicht: „Man muss zwischen der geldpolitischen Straffung, die heute vorherrscht, und dem, was 2013 und 2018 geschah, unterscheiden. Heute soll die geldpolitische Straffung die Inflation einholen, während man dieser 2013 oder auch 2018 vorgreifen wollte. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn das inflationäre Umfeld kommt den Schwellenländern zugute. Wenn die Preise von Rohstoffen, Halbleitern oder anderen elektronischen Produkten steigen, spielt das den Exporteuren, also den Schwellenländern, in die Karten.“

Unsicherheiten am Markt als Chance für aktive Manager

Pierre Verlé, Carmignac

Diese Einschätzung teilt Pierre Verlé, Kreditchef und Fondsmanager des Carmignac Portfolio Credit: „Entgegen der langläufigen Meinung sind steigende Zinsen tatsächlich keine schlechte Nachricht, denn wenn die Zinsen höher sind, sind auch die Renditen höher. Zudem erhöht das steigende Ausfallrisiko die Risikoaversion und diese Angst vor dem Risiko wiederum schafft Chancen und Opportunitäten. Bei Carmignac haben wir eine sehr geringe Zinssensitivität in unseren Portfolios für Unternehmensanleihen. Das Zurückfahren der geldpolitische Unterstützung ist deshalb eine gute Nachricht.“

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Aus Sicht des Experten gibt es am Markt für Unternehmensanleihen eine Vielzahl von Chancen, wenn man in der Lage ist, neue Business-Modelle zu analysieren und sich genau mit den entsprechenden Dokumenten auseinanderzusetzen. „Wir bewegen uns teilweise in komplexen Umfeldern, die viele Anleger nicht verstehen“, erläutert Verlé. „Manchmal ist die Angst davor gerechtfertigt, manchmal aber auch einfach nur der Komplexität geschuldet. Diese Opportunitäten müssen wir als aktive Manager suchen, um weniger von der Inflation abhängig zu sein, aber dennoch gute Rendite zu erzielen.“

Die Auswahl der Titel ist deshalb auch für den Kreditexperten das entscheidende Kriterium, um Performance zu erzielen. Als weiteren wichtigen Faktor erachtet er die Unsicherheiten am Markt: „Momentan macht der Markt sich legitime Sorgen im Hinblick auf die Straffung der Geldpolitik. Das führt zu neuen interessanten Gelegenheiten. In Zukunft wird es dann sicher Sorgen hinsichtlich eines Anstiegs der Ausfallraten geben. All diese Sorgen ermöglichen es uns, Situationen zu finden, in denen es Risiken gibt, die wir verstehen, abwägen und gegebenenfalls eingehen können.“

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