Christian Bender

Christian Bender

„Zinsauftrieb am Rentenmarkt vorerst gebremst“

Christian Bender ist Fondsmanager des globalen Rentenfonds Hansa International (WKN: 847908)

Das Zurückrudern der US-Notenbank beim sogenannten Tapering haben den bisherigen Zinsauftrieb an den Rentenmärkten stark gebremst. Die Fed sah sich zur ungebremsten Fortführung ihrer Anleihekäufe veranlasst, weil sich der wichtige US-Häusermarkt wieder abkühlte und schwächere Konjunkturdaten eintrafen. Zudem hat die Wirtschaft unter dem Haushaltsstreit in Washington gelitten, der im Januar 2014 sogar in eine neue Runde gehe.

Daher ist es denkbar, dass die US-Notenbank ihre Wertpapierkäufe noch einige weitere Monate in vollem Umfang beibehält, um den wirtschaftlichen Aufschwung nicht zu gefährden.

Rückkehr des US-Dollar

Beim US-Dollar gibt es eine Bodenbildung. Der Greenback geriet nach der Kehrtwende der Notenbank in die Defensive, weil die amerikanischen Bonds kaum noch Zinsvorteile boten. Inzwischen gibt es erste Anzeichen für eine Erholung.

Hinzu kommt, dass die Chancen für mehr Wachstum in den USA gar nicht so schlecht stehen. Die preiswerte Förderung unkonventioneller Gas- und Ölvorkommen in Nordamerika durch die neue Fördertechnik des „Frackings“ dürften der US-Wirtschaft einen Schub geben.

US-Staatsanleihen sind dennoch ein schwieriges Pflaster. Wir bevorzugen in diesem Segment vielmehr gut handelbare Zinstitel, die zwar auf US-Dollar lauten, jedoch von Emittenten aus anderen Staaten stammen. So bieten beispielsweise kanadische Provinzen wie Ontario oder Nova Scotia attraktiv verzinste Dollaranleihen.

Anleger sind zum Euro zurückgekehrt

Die europäische Gemeinschaftswährung hat sich in den zurückliegenden Monaten unerwartet positiv entwickelt. Viele Skeptiker, die vorher in sogenannte Fluchtwährungen ausgewichen waren, sind mittlerweile in den Euro zurückgekehrt.

Respekt gebührt der Europäischen Zentralbank (EZB). Es ist eine große Leistung, dass wieder mehr Vertrauen zum Euro vorherrscht und insbesondere Italien und Spanien stabilisiert wurden. Auch ausgewählte Schuldtitel aus der Euro-Peripherie sind mittlerweile wieder durchaus kaufenswert. Auf kurze Sicht ist hier eher mit weiteren Kurszuwächsen zu rechnen, während deutsche Bundesanleihen gleichzeitig leicht nachgeben sollten. Aus taktischen Gründen bevorzugen wir allerdings Wertpapiere mit kürzeren bis mittleren Restlaufzeiten.

Daran ändert auch die jüngste Zinssenkung der EZB auf historisch niedrige 0,25 Prozent nichts. Abseits der offiziellen Motivation für diesen Schritt wird diese Reduzierung auch den Banken nicht ganz ungelegen kommen.

Der Euro war in diesem Jahr landauf landab die gesuchteste Währung. Wie man an den ersten Wechselkursreaktionen sehen kann, gibt es jetzt mittelfristig auch wieder Chancen für andere Währungen.

Dies gilt auch für Schwellenländer-Bonds. Bonitätsstarke Zinstitel rentieren nach der im Frühjahr eingeleiteten Korrektur wieder mit fünf bis sieben Prozent. Damit bieten sie viel Value. Vor allem Australien und Neuseeland sind wieder attraktiv. Die beiden Pazifikstaaten könnten nach seiner Auffassung vom wieder stabileren Wachstum in China und weiteren Regionen Asiens profitieren.

Streuung wichtiger denn je

Eine breite Streuung von Renteninvestments halten wir für notwendiger denn je. Auf mittlere und längere Sicht werden immer wieder erhöhte Schwankungen an den Rentenmärkten auftreten. Für 2014 fassen wir eine weitere Verkürzung der Laufzeitenstruktur im Portfolio ins Auge.

So könnten beispielsweise politische Auseinandersetzungen wie zuletzt der US-Haushaltsstreit erneute Verwerfungen in einzelnen Regionen oder Segmenten auslösen. Anleger begegnen solchen Szenarien am besten mit einem breit aufgestellten globalen Anleiheportfolio, das eine ausreichende Risikoverteilung sicherstellt. Dabei sollten Anleger einen Anlagehorizont von drei bis fünf Jahren mitbringen.

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