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Zinsen ade, Dividenden olé!
Dividendenstrategien im Renditecheck
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Zinsen ade, Dividenden olé! Dividendenstrategien im Renditecheck

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In den vergangenen Jahren hatten Dividendenaktien, die oft als sichere, wenn auch etwas langweilige Anlageoptionen galten, gegenüber den boomenden Technologieaktien das Nachsehen. Mit zunehmender Unsicherheit und Volatilität aufgrund geopolitischer Krisen und einer sich abschwächenden Weltwirtschaft dürften Dividendentitel aber möglicherweise wieder verstärkt ins Rampenlicht rücken.

Herausforderungen im Markt

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Nick Clay, Fondsmanager des Redwheel Global Equity Income, weist darauf hin, dass sich die Marktteilnehmer derzeit auf ein „Goldlöckchen-Szenario“ einzustellen scheinen. Sie gehen davon aus, dass die Inflation auf unter 2 Prozent sinken und dort verharren wird, während die Beschäftigung stabil bleibt, was die Möglichkeit von Zinssenkungen eröffnet. Clay warnt jedoch vor Rezession, Inflation oder einer Kombination aus beidem. „Wenn es zu einer Rezession kommt, und viele Indikatoren sprechen dafür, dass sie bereits begonnen hat, dann werden die Unternehmensgewinne wahrscheinlich sinken. Das würde die Marktteilnehmer überraschen, da sie 2024 einen deutlichen Anstieg der Erträge erwarten. Dann könnte es meiner Meinung nach zu Schwankungen kommen und defensive Investments sind gefragt“, so Clay. Mit der Rückkehr der Volatilität gehe es nicht mehr darum, schnell reich zu werden, indem man versucht, die besten Aktien im Aufwärtstrend zu finden. Vielmehr werde es darauf ankommen, die Volatilität zu begrenzen, da das Abwärtsrisiko zu einem wichtigeren Faktor wird.

Im Redwheel Global Equity Income setzt Clay auf Qualitätsaktien mit einer Dividendenrendite von mindestens 2,5 Prozent. Fällt die Rendite unter diese Marke, werden die Aktien verkauft, weil sie in den Augen des Managers nicht mehr attraktiv genug oder zu teuer sind. Zudem ist der Fonds nicht in den „Glorreichen Sieben“ investiert, also auch nicht in Apple, Microsoft und Nvidia, da sehr viele Fonds diese Titel enthalten und Redwheel sich vom Mainstream abheben will. Gerade deshalb ist der Fonds aus Diversifikationsgründen besonders interessant. Zu den Top-Picks zählen derzeit Cisco Systems, Qualcomm oder Inditex.

 

Auch Deka-Experte Schallmayer betont, dass solide Cashflows, moderate Verschuldungsgrade und eine starke Markenpräsenz die Basis für hohe Gewinne in schwierigen Zeiten und attraktive Dividendenausschüttungen sind. Zu den dividendenstärksten deutschen Unternehmen zählen die Automobilhersteller Mercedes-Benz, VW und BMW. Allerdings gelingt es ihnen aufgrund ihres zyklischen Geschäfts nicht, die Dividende über längere Zeiträume zu steigern. Dennoch besticht das Trio mit Dividendenrenditen zwischen 5 und über 8 Prozent. Diese Kennzahl misst das Verhältnis von Dividende zum Aktienkurs.

Doch auch wenn hohe Ausschüttungsquoten verlockend klingen, sollte die Dividendenrendite nicht als alleiniges Kaufargument betrachtet werden. Sie kann auch ein Warnsignal für sinkende Aktienkurse aufgrund schlechter Unternehmensführung sein. Oder dafür, dass ein Unternehmen mehr ausschüttet, als es wirtschaftlich Sinn ergibt. Entscheidender als die Höhe der Dividendenrendite ist die Nachhaltigkeit der Gewinnbeteiligung. Langfristig profitieren Anleger am meisten, wenn sie sich auf stabile Erträge und kontinuierliche Ausschüttungen verlassen können.

Dividendenfallen vermeiden

Bei der Suche nach lukrativen Investments sollten Anleger neben der Höhe der Ausschüttungen und der Dividendenrendite deshalb Bewertungskennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sowie die Wachstumsperspektiven eines Unternehmens berücksichtigen. Wer nicht die Zeit oder das Know-how hat, einzelne Aktien zu analysieren, kann auf die Expertise von Fondsmanagern oder auf spezielle ETFs zurückgreifen, die sich auf Dividendenwerte konzentrieren. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl solcher Produkte, wobei die Auswahl und gegebenenfalls Kombination der richtigen Strategien entscheidend sind. Denn nicht jeder Fonds erfüllt automatisch die Erwartungen der Anleger.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

So warnt Ali Masarwah von der Fondsplattform Envestor, dass höhere Dividenden nicht zwangsläufig zu höheren Renditen führen. Als Beispiel führt er den Vergleich zwischen dem FTSE All World und seinem Dividendenpendant FTSE World High Dividend Yield an. In fast allen Zeiträumen habe der erstgenannte Index den Dividendenindex übertroffen. Der Grund dafür liege auf der Hand: Der FTSE World High Dividend Yield setzt sich überwiegend aus Branchen wie Energie, Versorger und Telekommunikation zusammen, die ein geringeres Wachstumspotenzial aufweisen und sich schlechter entwickelt haben als wachstumsstarke Sektoren wie Technologieunternehmen, die im Dividendenindex weniger stark gewichtet sind. Daher sei es wichtig, die Gesamtrendite im Auge zu behalten.