Lesedauer: 2 Minuten

Zinsen verkehrt: Investoren haben was zu verschenken

Hat Sorgen mit hoher Zinslast und mieser Wirtschaft: Spaniens Finanzminister Cristóbal Montoro (Foto: Getty)
Hat Sorgen mit hoher Zinslast und mieser Wirtschaft: Spaniens Finanzminister Cristóbal Montoro (Foto: Getty)
Von Deutschland sind wir es ja mittlerweile gewohnt. Und auch gestern brauchte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für neue Schulden nicht in die Kasse zu greifen. Deutschlands Stabilität war den Investoren Lohn genug. Sie liehen dem Bund 3,3 Milliarden Euro für sechs Monate – und zahlten dafür auch noch drauf. Und zwar 0,0344 Prozent Rendite. Nicht zum ersten Mal.

Es ist ein Zeichen dafür, wie verzweifelt Investoren inzwischen sind, wenn es um die Eurozone und Anleihen geht. Eine Rendite erwarten sie häufig schon gar nicht mehr. Sie freuen sich schon, wenn sie das Geld überhaupt wiedersehen – zumindest nominal – abzüglich der verkehrten Verleihgebühr. Man wird ja bescheiden.

Nun profitiert sogar ein Land von der Verzweiflung, das noch vor Wochen sogar als wackeliger Kandidat galt: Frankreich. Dessen neuer Präsident Francois Hollande hat sich nicht gerade mit Sparparolen ins neue Amt gehievt. Im Gegenteil: Er pocht auf ein Konjunkturprogramm auf Pump. Investoren ist es Wurscht. Sie liehen dem Land vergangene Woche Montag 7,7 Milliarden Euro für drei, sechs und zwölf Monate Laufzeit. Immerhin brachte das längste der drei Papiere seinen Investoren Geld: 0,013 Prozent. Für die anderen beiden packten die Käufer ein paar Scheine drauf: 0,005 beziehungsweise 0,006 Prozent.

Vergessen scheint die kollektive Trauer, als die Rating-Agentur Standard & Poor’s am 13. Januar 2012 – einem Freitag – Frankreichs Spitzen-Rating AAA um eine Stufe auf AA+ senkte. Frankreich ist der weniger schlechte unter vielen miesen Schuldnern.

Zum Beispiel Spanien. Hier wollen Anleger Geld sehen. Die Rendite für zehnjährige Anleihen ist erneut über 7 Prozent geklettert. Selbst für zweijährige Papiere wollen Anleger 4,83 Prozent. Portugals Zinsdienst liegt seit Jahresbeginn zwar auf dem Rückzug. Trotzdem rentieren die Zehnjährigen noch immer bei 9,83 Prozent. Eine Übersicht über die verrückte Zweiklassengesellschaft am Anleihemarkt (diesmal mit zweijährigen Staatsanleihen und Nicht-Euromitgliedern) zeigen wir hier.

Renditen zweijähriger Staatsanleihen in Landeswährung:
  • -0,51 Prozent: Schweiz
  • -0,29 Prozent: Dänemark
  • -0,02 Prozent: Deutschland
  • 0,01 Prozent: Finnland
  • 0,04 Prozent: Niederlande
  • 0,08 Prozent: Österreich
  • 0,15 Prozent: Frankreich
  • 0,20 Prozent: Großbritannien
  • 0,76 Prozent: Schweden
  • 4,02 Prozent: Italien
  • 4,06 Prozent: Irland
  • 4,83 Prozent: Spanien
  • 6,59 Prozent: Portugal

Tipps der Redaktion
Foto: Großes Kapitalmarkt-Interview: „Wir fürchten die Eurokrise
Großes Kapitalmarkt-Interview: „Wir fürchten die Eurokrise“
Foto: Rentenportfolios: die Strategien der Fondsmanager
Rentenportfolios: die Strategien der Fondsmanager
Foto: Jetzt also doch: Spanien will unter den Euro-Rettungsschirm.
Jetzt also doch: Spanien will unter den Euro-Rettungsschirm.
Mehr zum Thema