Janet Yellen, Vorsitzende der Fed, auf einer Pressekonferenz im Dezember 2015. Foto: Getty Images

Janet Yellen, Vorsitzende der Fed, auf einer Pressekonferenz im Dezember 2015. Foto: Getty Images

Zinswende

Wie Aktien und Anleihen auf steigende US-Zinsen reagieren

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Am 16. Dezember vergangenen Jahres war es endlich so weit. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) erhöhte die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf einen Zielkorridor von 0,25 bis 0,50 Prozent. Es war der im Vorfeld wahrscheinlich meistdiskutierte und am besten analysierte Start eines Zinserhöhungszyklus aller Zeiten.

Die Fed unter Führung ihrer Präsidentin Janet Yellen hatte zuvor mehrfach darauf gelauert, die Zinstreppe nach Jahren der ultralockeren Geldpolitik endlich wieder nach oben steigen zu können. Für eine Notenbank ist das allein deswegen wichtig, weil man sich so Spielraum schafft, falls künftig mal wieder Handlungsbedarf besteht.

Der Zinserhöhung vorausgegangen waren das Auslaufen des dritten Quantitative-Easing-Programms sowie eine Vorbereitung der Märkte durch vorsichtiges Kommunizieren, unter welchen Bedingungen man die Erhöhung vornehmen würde. Bloß keine bösen Überraschungen aufgrund von heftigen Reaktionen der Finanzmärkte.

Nun ist die Zinserhöhung da. Doch wie geht es weiter, was bedeutet das für Aktien- und Renten-Investments? Über die richtige Antwort auf die erste Teilfrage kann man nur mutmaßen.

Viele Experten gehen davon aus, dass die Fed-Präsidentin den Leitzins nur sehr behutsam erhöhen wird. Und datenabhängig: Stimmen wirtschaftliche Daten wie US-Arbeitslosenzahlen und Inflation, könnten die Zinsen zusammen mit der Dezember-Erhöhung in diesem Jahr um insgesamt 100 Basispunkte steigen. Die Folgen für Renten-Investments lassen sich dann ausrechnen. Ein Plus von 100 Basispunkten würde bei einem Zinsanstieg von 0,1 auf 1,1 Prozent und einer Restlaufzeit von zehn Jahren einen Kursverlust von 8,4 Prozent bedeuten. Die Durationsrisiken im eigenen Renten-Portfolio sollte man entsprechend im Blick haben.



Aktienmärkte im Aufwind

Oftmals befürchtet wird, dass die Straffung der Geldpolitik vor allem die Aktienmärkte belasten wird. Ein Blick in die Zukunft, vor allem in die Investorenseele, mag keiner werfen. Dafür aber in die Vergangenheit und wie Aktienmärkte früher auf Zinserhöhungszyklen reagierten. Das hat die Investmentgesellschaft Source for Alpha gemacht.

Dabei zählten die Studienautoren um Christian Funke sechs Zinserhöhungszyklen der Fed seit 1980. Durchschnittlich 14 Monate dauerten die Phasen und hatten einen Anstieg von durchschnittlich 279 Basispunkten zur Folge. Entgegen der landläufigen Meinung, dass sich ein erhöhter Leitzins negativ auf die Entwicklung der Aktienmärkte auswirkt, passierte nicht wirklich etwas. Der US-Leitindex S&P 500 beispielsweise stieg in den zwölf Monaten nach einer ersten Zinserhöhung durchschnittlich um 11,4 Prozent. Im letzten US-Zinsanhebungszyklus von Juni 2004 bis Juni 2006 kletterte der Leitindex sogar um 15,6 Prozent.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich für den deutschen Aktienmarkt ab: Der Dax stieg nach der ersten Zinserhöhung in zwölf Monaten um 15,4 Prozent. Die Befürchtungen haben also gute Chancen, sich auch im kommenden Zyklus als unbegründet zu erweisen.

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