Zinswende

Wie bedrohlich ist ein US-Zinsanstieg für die Aktienmärkte?

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Die gute Nachricht zuerst: Es gibt keinen Grund für Anleger, sich vor steigenden Zinsen und der Entscheidung der US-Notenbank am heutigen Donnerstag zu fürchten. Das belegen laut Handelsblatt Untersuchungen von mehreren Investmentbanken. Erst viele Zinsschritte hintereinander hätten demnach einen negativen Einfluss auf die Kurse.

Zinstiefs in den vergangenen Jahrhunderten zeigen, dass sich Börsen nach einer Zinswende rasch vom ersten Rückschlag erholen. Durchschnittlich notiert der Dow Jones ein halbes Jahr nach der ersten Zinserhöhung drei Prozent höher als vorher.

Zudem hat die US-Firma Ned Davis Research festgestellt, dass Aktien drei, sechs und sogar zwölf Monate nach einer Zinswende höher stehen als zuvor.

Mehrere Zinsschritte bremsen die Kurse

„Erst mehrere Zinsschritte hintereinander bremsen die Kurse aus“, sagt Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Nach Auswertungen der Zinserhöhungsphasen seit den siebziger Jahren kommt sie zu dem Ergebnis, dass es gute Chancen für höhere Kurse in den ersten Monaten nach der ersten Zinserhöhung gibt.

Als Ursache für die gute Performance identifiziert sie die Sorge vor einem Zinsschritt. Investoren würden aus Angst vor einer Zinserhöhung bereits lange im Vorfeld Aktien verkaufen. Doch nach der Anhebung schwindet diese wieder, weil die Realität weniger schlimm aussieht als befürchtet.

Erhöht die Notenbank die Zinsen aber mehrfach, wird es ungemütlicher für Unternehmen. Investitionen und Refinanzierungskosten verteuern sich durch die steigenden Zinsen und schränken den Handlungsspielraum ein. Das belastet dann die Börsenkurse und lässt die Konkurrenz zu anderen Anlagevehikeln steigen.

„Liquiditätshausse geht weiter“

Eine Anhebung des Leitzins durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird laut Markus Zschaber keine großen Auswirkungen haben. Er ist davon überzeugt, dass die Fed wenn überhaupt die Zinsen nur minimal erhöhen werde.

Weltweit würden die Zinsen auf einem niedrigen Niveau bleiben. Entscheidend dafür sei unter anderem die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die die Zinsen niedrig halte und für eine Abwertung des Euro sorge. Deswegen werde es mit der Liquiditätshausse weitergehen. Dax-Stände von 13.000 Punkten seien möglich, so der Vermögensverwalter.

In seinem Musterdepot hat Zschaber den Anteil von Aktien aus den USA und den Schwellenländern reduziert und auch Edelmetall-Anlagen zurückgefahren. Dafür wurden europäische und japanische Aktien stärker gewichtet.

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