Die Achterbahnfahrt der US-Handelspolitik geht weiter – auf eine kurze Phase scheinbarer Fortschritte folgen Meldungen über neue Zölle. Dies bestärkt uns in unserer vorsichtigen Haltung.

Zwar ist aktuell viel Liquidität im Markt, doch die Bewertungen sind stark überzogen. Gleichzeitig ist das weltweite wirtschaftliche Umfeld unsicher: Das Wachstum könnte schwächer ausfallen, die Inflation dagegen höher. Hinzu kommt, dass sich die geopolitische Lage ständig verändert.

Wir bleiben daher in globalen Aktien, Anleihen und Cash neutral gewichtet. Aktien folgen aktuell einem Aufwärtstrend, sind aber teuer und anfällig für verzögerte Auswirkungen der Zölle auf die US-Wirtschaft. Anleihen werden durch die lockere Geldpolitik und angemessene Renditen gestützt, sind aber durch die wieder anziehende US-Inflation und die wachsenden Defizite gefährdet.

Emerging Markets profitieren, während USA und Europa bremsen

Nach unserer Einschätzung bieten die Schwellenländer mit die besten Chancen – dafür sprechen auch unsere Konjunkturindikatoren. Wir gehen davon aus, dass die Schwellenländer in diesem und im nächsten Jahr um 4 Prozent wachsen werden, gegenüber 1,2 Prozent in den Industrieländern. Der Wachstumsabstand zwischen den beiden Universen ist so groß wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die sich verbessernde Dynamik der Industrieproduktion (nicht zuletzt in China) und die weitere Lockerung durch die Zentralbanken dürften den Schwellenländern Rückenwind geben, wovon Währungen, Anleihen und Aktien der Schwellenländer profitieren sollten.

Dagegen bleibt unser Makro-Score für die USA negativ, da die größte Volkswirtschaft der Welt wahrscheinlich einen Stagflationsschock erleiden wird. Wir gehen davon aus, dass das US-BIP-Wachstum in den Jahren 2025 und 2026 hinter dem Konsens zurückbleiben wird, da sich das Konsumwachstum weiter verlangsamt. Unseren Modellen zufolge werden die US-Zölle das BIP des Landes um 1,4 Prozentpunkte schmälern und die globale Wirtschaft mit 0,4 Prozentpunkten belasten. Diese asymmetrische Auswirkung in Verbindung mit den begrenzten politischen Möglichkeiten für Impulse aufgrund der steigenden Inflation bringt die USA in eine im Vergleich zu anderen großen Volkswirtschaften ungünstigere Lage.

Für Europa wird erwartet, dass die Auswirkungen der Zölle durch umfangreiche fiskalische Impulse, insbesondere in Deutschland, ausgeglichen werden. Wir warten jedoch erst einmal ab, wie diese Pläne umgesetzt werden, bevor wir die Wirtschaft der Eurozone – und die Aktienmärkte der Region – wieder positiver einschätzen.

Grafik 1: Liquiditätsschub
Nettoanteil der Zentralbanken, die sich in den letzten 6 Monaten im Lockerungsmodus befanden (in Prozent)

Daten beziehen sich auf den Zeitraum 31.01.2020–31.07.2025.
Quelle: LSEG, Pictet Asset Management.

Die US-Notenbank hat zwar vorerst eine Pause eingelegt, ist aber eindeutig in Lockerungslaune, und auch der Privatsektor ist freigiebig geworden – US-Banken vergeben verstärkt Kredite und kaufen Wertpapiere. Wir gehen davon aus, dass die Fed ihre geldpolitische Lockerung in den kommenden Monaten mit zwei weiteren Zinssenkungen fortsetzen wird. Zusammen mit der Deregulierung des Finanzsektors dürfte dadurch das Geld- und Kreditwachstum in Schwung kommen.